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Bad News: EZB-Direktorin Schnabel sieht für Inflation Aufwärtsrisiken

Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Isabel Schnabel, hat keine gute Nachrichten für die Aktien- und Rentenmärkte. Die Inflation könnte doch länger ein Problem darstellen, als ursprünglich angenommen. Gute News gibt es hingegen hinsichtlich Corona und dem PEPP-Programm.

Prof. Dr. Isabel Schnabel
Prof. Dr. Isabel Schnabel, EZB-Direktorin
© Christoph Hemmerich / Institutional Money

Isabel Schnabel, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), sieht zunehmende Inflationsgefahr. Dass ein Wiederaufflammen des Coronavirus den Aufschwung in der Eurozone behindern könnte, hält Schnabel in einem ausführlichen Interview mit Bloomberg News für weniger wahrscheinlich.

“Es ist plausibel anzunehmen, dass die Inflation mittelfristig unter unser Ziel von zwei Prozent fallen wird. Allerdings sind die Risiken für die Inflation eher nach oben gerichtet”, sagte Schnabel. “Die Unsicherheit über Tempo und Ausmaß des Rückgangs hat zugenommen” und “wir müssen diese erhöhte Unsicherheit berücksichtigen.”

Euroland-Inflation und EZB-Inflationsziel

Sechs Prozent Inflation in Deutschland?
Schnabels Ausführungen greifen zunehmende Sorgen über die Inflation auf, die laut Bundesbank in Deutschland möglicherweise auf fast sechs Prozent ansteigen könnte. Unterdessen hat die 4. Welle der Corona-Pandemie Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu veranlasst, strengere Beschränkungen für das öffentliche Leben anzumahnen.

“In jüngster Zeit beobachten wir einen Anstieg der Covid-19-Infektionen und einige Eindämmungsmaßnahmen in Teilen des Euroraums”, sagte Schnabel. “Dies dürfte sich kurzfristig dämpfend auf die Aktivität auswirken, insbesondere im kontaktintensiven Dienstleistungssektor. Ich glaube aber nicht, dass dies den allgemeinen Aufschwung aus dem Tritt bringen wird.”

Am 16. Dezember wird es spannend
Vor dem Hintergrund einer solch unsicheren Wirtschaftslage sollten die EZB-Ratsmitglieder versuchen, sich bei ihrer Sitzung am 16. Dezember einen gewissen Handlungsspielraum zu bewahren, fügte sie hinzu. Das Treffen gilt als entscheidend für die Zukunft der Anleihekäufe der EZB nach dem Auslaufen des 1,85 Billionen Euro schweren Pandemie-Notprogramms im März.

“In Zeiten großer Ungewissheit ist es äußerst wichtig, sich ein gewisses Maß an Optionalität zu bewahren”, sagte Schnabel. “Ich würde mich auf keinen Fall über einen zu langen Zeitraum binden. Das wäre ein Fehler.”

Die Nettokäufe im Rahmen des Pandemieprogramms (PEPP) werden voraussichtlich im März enden, bekräftigte Schnabel. Sie äußerte sich skeptisch über die künftige Rolle von Anleihekäufen im Arsenal der EZB, auch wenn sie die positiven Auswirkungen anerkannte, die diese bisher hatten.

“Es gibt einerseits abnehmende Erträge aus dem Ankauf von Vermögenswerten und andererseits zunehmende Nebeneffekte”, sagte sie. “Daher wird es letztendlich eine Verlagerung von den Ankäufen von Vermögenswerten hin zu anderen Instrumenten geben, vor allem zu unserer Forward Guidance.”

Flexibilitätsdebatte
Ein zentraler Streitpunkt unter den EZB-Ratsmitgliedern war die Frage, ob die außergewöhnliche Flexibilität des Notfallprogramms auf die regulären Instrumente übertragen werden könne, wenn das PEPP ausläuft. Schnabel sagte, es sei wesentlich, eine gewisse Flexibilität zunächst beizubehalten. “Besonders in dieser Übergangsphase ist das wichtig”, sagte sie. “Die Coronavirus-Krise ist keine Schwarz-Weiß-Sache. Der Ausstieg aus der Pandemie wird ein Prozess sein.”

Die EZB könnte etwa die Flexibilität auf ihr reguläres Ankaufprogramm übertragen, oder eine neue Fazilität schaffen, die als Absicherung dienen würde. Schnabel gab zu verstehen, dass das PEPP auch nach März noch eine Rolle spielen könnte.

“Es ist wichtig, die entscheidende Rolle dieser Flexibilität anzuerkennen”, sagte sie. “Das PEPP wird nicht verschwinden, wenn die Nettoankäufe von Vermögenswerten auf Null reduziert werden. Manchmal wird über das Ende des PEPP gesprochen. Das PEPP wird nicht im März auslaufen. Die Nettokäufe von Vermögenswerten vielleicht, aber nicht das PEPP als solches.”

Auf die Frage, ob sie Interesse hätte, die Spitze der Bundesbank zu übernehmen, wenn Präsident Jens Weidmann im Dezember ausscheidet, sagte Schnabel, sie wolle keine Spekulationen anheizen und konzentriere sich auf die bevorstehende wichtige Entscheidung der EZB. (aa)

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