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AXA IM: Wie Anleger Klimarisiken im Portfolio berücksichtigen können

Der Head of Responsible Investment Solutions, Models and Tools bei AXA Investment Managers erklärt, wie institutionelle Investoren Klimarisiken in ihren Portefeuilles reduzieren können.

Thomas Roulland, AXA Investment Managers, Head of Responsible Investment Solutions, Models and Tools
Thomas Roulland, Head of Responsible Investment Solutions, Models and Tools bei AXA Investment Managers
© AXA Investment Managers

Für das Erzielen langfristig attraktiver Renditen müssen institutionelle Investoren auch Klimarisiken zukünftig in der Vermögensallokation berücksichtigen. Dabei spielen die Neuausrichtung der Anlageklassen und eine zukunftsgerichtete Bewertung bei der Konstruktion eines klimaverträglichen Portfolios eine zentrale Rolle, erklärt Thomas Roulland, Head of Responsible Investment Solutions, Models and Tools bei AXA Investment Managers in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Kommentar: (aa)


Die größten Herausforderungen der Zukunft sind die globale Erwärmung und der damit verbundene Klimawandel. Im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens ist es vorgesehen, dass die globalen CO2-Nettoemissionen im Vergleich zu 1990 bis 2030 halbiert und bis 2050 auf null reduziert werden müssen. Damit soll der globale Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden. Deutschland hat das Pariser Abkommen bereits im Oktober 2016 ratifiziert und Ende 2019 hat die Bundesregierung als erste Regierung weltweit ihr nationales Klimaschutzziel in einem Klimaschutzgesetz verbindlich festgeschrieben. Diese Entwicklungen ziehen auch Konsequenzen für Investoren und Vermögensverwalter nach sich. Der gesellschaftliche, politische und regulatorische Druck, Umweltrisiken als Teil der ökonomischen Risiken in Anlagestrategien zu berücksichtigen, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Ein klimabewusstes Portfolio, das auf das Pariser Abkommen und eine maximale Erderwärmung von 1,5 Grad Celsius abgestimmt wäre, würde nicht nur die Interessen von Umweltschützern, sondern auch den klar definierten monetären Interessen der Investoren entsprechen. Denn der Klimawandel stellt für Investoren langfristig ein wesentliches finanzielles Risiko dar, nicht zuletzt, weil CO2-intensive Branchen zunehmend kritischer in ihrer gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gesehen werden.

Neubewertung der Anlageklassen
Doch wie kann ein Klimaportfolio strukturiert werden? Nicht alle Anlageklassen und Sektoren sind gleich stark vom Klimawandel betroffen. Soll die strategische Asset Allokation bestimmten Klimavorgaben entsprechen, gilt es die verschiedenen Anlagen auf ihre CO2-Intensität, also den CO2-Ausstoss in Tonnen pro Million Umsatz, zu überprüfen.

Dabei kann die Asset Allokation in einem klimabewussten Portfolio in vier Schritten erfolgen:

  • Bestimmung des Basis Multi-Asset-Portfolios (börsennotierte Aktien und Anleihen)
  • Neuausrichtung der Anlageklassen nach der Emissionsintensität der Sektoren und ihrem Einfluss auf die globale Erwärmung
  • Durchführung einer strategischen Asset Allokation mit dem Ziel, die CO2-Intensität zu optimieren
  • Weiterentwicklung und Kalibrierung der Methodik
     

Für das Erreichen eines 1,5-Grad-Portfolios muss die CO2-Intensität der Anlagen eines traditionellen Multi-Asset-Portfolios halbiert werden. Um diese Neuausrichtung vorzunehmen, kann das Anlageuniversum in zwei Klimakategorien unterteilt werden: In Anlagen, die eine mittlere bis hohe CO2-Intensität aufweisen – und in Anlagen mit einem geringen Einfluss auf die Umwelt.

Anlagen mit einem hohen Einfluss sind etwa Energie- und Rohstoffunternehmen. Zu den Anlagen mit einem mittleren Einfluss gehören Transport, Investitionsgüter und konsumnahe Sektoren. Zu den emissionsarmen Unternehmen zählen professionelle Dienstleistungen, das Gesundheitswesen, Telekommunikation und der Finanzsektor.

Und wie sieht es in Bezug auf die einzelnen Anlageklassen aus? Globale Aktien und Unternehmensanleihen weisen mit einem Anteil von 56 Prozent und 55 Prozent die meisten Unternehmen mit einem geringen Klimaeinfluss auf. Bei hochverzinslichen Anleihen sind es 48 Prozent, unter den globalen Staatsanleihen sind es gerade einmal 19 Prozent (vgl. Grafik).

Klimaeinfluss verschiedener Anlageklassen

Quelle der Grafik: Strategic Asset Allocation for a +1.5°C World: a proposed framework;  AXA Investment Managers, July 2020

Entscheidende Frage
Der nächste Schritt ist nun, die strategische Asset Allokation des traditionellen Multi-Asset-Portfolios mit einem Klimaziel durchzuführen. Die entscheidende Frage dabei ist, ob die klima-ausgerichteten Anlageklassen ähnliche Risiko-Rendite-Eigenschaften aufweisen wie ihre Standard-Pendants. Simulationen von AXA IM bestätigen, dass dies der Fall ist. Daher können Niedrigemissionsanlagen nun ein deutlich höheres Gewicht im Portfolio erhalten, ohne dass es zu einer Verschlechterung der risikoadjustierten Rendite kommt.

Klimaeinfluss ganzheitlich berücksichtigen
Der Aufbau eines klimabewussten Portfolios ist aufwändig und erfordert eine umfassende Datenanalyse. Zudem wird die Berücksichtigung der aktuellen CO2-Intensität der Unternehmen der Tatsache nicht gerecht, dass viele Sektoren die Zeichen der Zeit erkannt haben und sich im Wandel befinden. Auch dürften vermeintliche Niedrigemissionsbranchen wie die Telekommunikations- und die Finanzbranche mehr indirekte Emissionen verursachen als bislang angenommen.

Um die aktuellen Emissionsdaten mit einem vorausschauenden Ansatz anzureichern und den Transformationsfortschritt der Unternehmen zu berücksichtigen, ist weitere Forschung nötig. Ebenso sollten bei der Konstruktion eines Klimaportfolios nicht nur quantitative Daten berücksichtigt werden. Die qualitative Bewertung des Geschäftsmodells und der strategischen Ziele eines Unternehmens spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für eine umfassende "Klimabeurteilung".

 

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