Autocallables punkten auch in Seitwärtsmärkten
Laut WisdomTree gewinnen Autocallables in Europa an Bedeutung. Der Asset Manager sieht die strukturierten Anlagen auf dem Weg vom taktischen Instrument zum strategischen Portfoliobaustein. Sie können auch in Seitwärtsmärkten Erträge liefern und zusätzliche Renditequellen erschließen.

Eckpunkte:
- Autocallables können auch bei stagnierenden Aktienmärkten Erträge liefern
- Volatilitätsrisikoprämie bietet zusätzliche Renditequelle
- Weltweites Emissionsvolumen 2025 bei rund 538 Milliarden Dollar
Autocallables haben sich in Europa nach Einschätzung von WisdomTree zunehmend als Bestandteil von Portfolios etabliert. Die strukturierten Anlagen ermöglichen vorab definierte Auszahlungsprofile und können auch dann Erträge erzielen, wenn Aktienmärkte seitwärts laufen oder nur moderat steigen. "Autocallables können selbst dann attraktive Ergebnisse liefern, wenn die Märkte keine nennenswerten Kursgewinne aufweisen", schreibt Tom May, Global CIO, Outcome and Derivative Strategies bei WisdomTree.
Dass es sich längst nicht mehr um einen kleinen Nischenmarkt handelt, zeigen Zahlen des US-Asset-Managers Calamos. Demnach wurden 2025 weltweit Callable Structured Notes im Volumen von rund 538 Milliarden US-Dollar emittiert. Rund 422 Milliarden Dollar davon entfielen auf Märkte außerhalb der USA. Grundlage sind Daten von Structured Products Intelligence (SPi). Autocallable Notes stehen nach weiteren von Calamos zitierten SPi-Daten inzwischen für 43,8 Prozent des weltweit ausstehenden Volumens strukturierter Notes.
Automatische vorzeitige Rückzahlung
Autocallables sind strukturierte Produkte, die automatisch vorzeitig zurückgezahlt werden können, wenn der zugrunde liegende Index an festgelegten Beobachtungstagen bestimmte Schwellen erreicht. Anleger realisieren damit den vorgesehenen Ertrag und können das frei werdende Kapital neu investieren. Wird die Schwelle nicht erreicht, läuft die Anlage weiter. Die konkrete Ausgestaltung von Coupons, Barrieren und bedingtem Kapitalschutz unterscheidet sich je nach Struktur.
Eine wichtige Renditequelle ist dabei die Volatilitätsrisikoprämie. Autocallables verkaufen über eingebettete Optionsstrategien gewissermaßen Versicherungsschutz gegen Marktrückgänge. Anleger erhalten dafür eine Prämie und können so Erträge erzielen, die nicht allein von steigenden Aktienkursen abhängen.
Zudem sieht WisdomTree Diversifikationsvorteile. Die Renditen hängen nicht allein von der Entwicklung des Aktienmarktes ab, sondern auch von der Volatilität und den jeweiligen Auszahlungsmechanismen. Damit erschließen Autocallables andere Renditequellen als klassische Aktien- und Anleiheallokationen.
Der Schutz vor Verlusten ist allerdings nur bedingt. Fällt der zugrunde liegende Markt unter bestimmte Barrieren, können Anleger erhebliche Verluste erleiden. Auch die automatische vorzeitige Rückzahlung birgt ein Risiko: Das frei werdende Kapital muss möglicherweise zu ungünstigeren Konditionen wieder angelegt werden. Calamos weist bei seinen Produkten ausdrücklich auf dieses Wiederanlagerisiko hin.
Vom Einzelprodukt zur Fondsstrategie
WisdomTree verweist in Europa vor allem auf eine zunehmende Nutzung in diskretionären Portfolios, Private-Banking-Mandaten und Vermögensverwaltungslösungen. Auch professionelle und institutionelle Anleger nutzen entsprechende Strategien.
Zugleich wandern die Strategien zunehmend in liquide Fondsstrukturen. Ende Juni 2026 verwalteten Autocallable- und Equity-Linked-Income-ETFs nach von Calamos zitierten SPi-Daten bereits rund 2,43 Milliarden Dollar.
"In vielen Portfolios haben sich Autocallables von einer taktischen Allokation zu einem strategischen Anlageinstrument entwickelt", schreibt May. Anhaltende Marktvolatilität und unsichere Renditeaussichten klassischer Anlageklassen dürften die Nachfrage nach Strategien mit stärker definierten Risiko-Rendite-Profilen weiter stützen. (dv)