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Aufgestaute Nachfrage: 500 Milliarden Euro könnten ausgegeben werden

Europas Verbraucher haben mittlerweile rund 500 Milliarden Euro zur Seite gelegt, die für Käufe nach Covid theoretisch zur Verfügung stehen würden. Das könnte einigen Branchen nach Pandemieende beflügeln und auch der Gesamtwirtschaft zusätzlichen Rückenwind geben.

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© serbogachuk / stock.adobe.com

Mit den jüngsten Lockdowns wird es für die Europäer noch schwieriger, Geld auszugeben, und die bereits hohen Ersparnisse schwellen weiter an. Sobald Impfstoffe die Pandemie eindämmen, steht dieses Geld bereit, um die wirtschaftliche Erholung zu anzufeuern. Privathaushalte im Euroraum haben nach Berechnungen der Allianz SE Cash im Volumen von rund 500 Milliarden Euro angesammelt, das normalerweise für Restaurantbesuche, Einkäufe und Reisen ausgegeben würde. Die weitere Entwicklung hängt davon ab, ob die Arbeitslosigkeit in Schach gehalten werden kann und ob das Pandemietrauma neuem Optimismus weicht, berichtet Bloomberg.

Auch wenn die Liquidität ungleichmäßig verteilt ist, erwarten Ökonomen, dass die Verbraucher wie im Sommer wieder Geld ausgeben werden, sobald sie wieder die Möglichkeit dazu haben. Die Ersparnisse sollten ab dem zweiten Quartal 2021 wieder zurückgehen, sagte Berenberg-Ökonom Florian Hense. Die Erfahrungen des letzten Jahres hätten gezeigt, dass es eine aufgestaute Nachfrage gebe, die es in der Finanzkrise nicht gab.

Laut Allianz-Chefökonom Ludovic Subran könnte die Freigabe von aufgestauten Ersparnissen das BIP-Wachstum 2021 um einen zusätzlichen Prozentpunkt steigern, unter der Annahme, dass 25 Prozent der Mittel ausgegeben werden.

Von Bloomberg befragte Ökonomen erwarten derzeit für den Euroraum ein Wirtschaftswachstum von 4,6 Prozent in diesem Jahr, nach einem Rückgang um 7,4 Prozent im Jahr 2020. Bloomberg Economics prognostiziert eine Wachstumsrate von 4,8 Prozent.

Vorsichtig bei Konsumenten könnte anhalten
Es bestehe jedoch das Risiko, dass nur ein kleiner Teil der aufgestauten Ersparnisse schnell in die Wirtschaft zurückfließt, weil die Unsicherheit in Bezug auf Arbeitsplätze und Einkommen weiterhin hoch ist. Die Kurzarbeitsprogramme, die während der Lockdowns vielen den Lebensunterhalt gesichert haben, werden nicht ewig anhalten.

“Ich bin nicht sicher, ob es ein Zaubermittel ist, das die Erholung über eine längere Zeit antreibt”, sagt Jacob Nell, Ökonom bei Morgan Stanley. “Entweder sorgt es für einen starken Schub für einen kurzen Zeitraum, oder es dient über eine längere Zeit als eine Art Unterstützung im Hintergrund.”

Auch die ungleiche Verteilung der Ersparnisse macht es fraglich, wie schnell sie freigesetzt werden. Laut einer Studie des französischen Rats für Wirtschaftsanalyse entfiel die Hälfte der Ersparnisse während der ersten Pandemiewelle auf die zehn der Haushalte in Frankreich mit den höchsten Einkommen, während bei den ärmsten die Verschuldung anstieg. (aa)

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