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Argentinien geht bald das Geld aus: Wie könnte es weitergehen?

Das Gaucho-Land steht vor wirtschaftlich noch schwierigeren Zeiten, falls sich bei der kommenden Wahl der Kandidat des linken Lagers durchsetzen sollte. M&G-Fondsmanagerin Claudia Calich hofft auf konstruktive Verhandlungen mit dem IWF. Weil Argentinien könnte bald das Geld ausgehen.

Claudia Calich
Claudia Calich, Managerin des M&G (Lux) Emerging Markets Bond Fund
© M&G Investments

Emerging Market Debt-Investoren sehen derzeit mit Argusaugen nach Argentinien: Denn dieses Wochenende wählen die Bürger Argentiniens einen neuen Präsidenten. "Nach den Vorwahlen im August hat die aktuelle Regierung um den Liberalen Mauricio Macri aber die wirtschaftlichen Probleme Argentiniens nur noch verschärft", sagt Claudia Calich, Managerin des M&G (Lux) Emerging Markets Bond Fund.

Die Maßnahmen zur kurzfristigen Stabilisierung der Situation – die Umstrukturierung kurzfristiger Schulden, Währungskontrollen sowie Maßnahmen zur Kaufkraftunterstützung – hätten laut Calich die Aussichten für die Wirtschaft eher verschlechtert. Eine Erholung von der Rezession, in die Argentinien 2018 gerutscht war, ist weiter nicht in Sicht und die Inflation immer noch sehr hoch.

Der argentinische Peso hat im bisherigen Jahresverlauf um 35 Prozent und seit Anfang 2018 um etwa 70 Prozent an Wert verloren. Nach den neuerlichen Beschränkungen des Devisenhandels werden Anleger nach Einschätzung Calichs nur sehr langsam wieder Vertrauen in die Währung gewinnen, denn die Erfahrung zeige, dass die Beseitigung derartiger Maßnahmen schwierig ist.

Die Schuldenprobleme Argentiniens bleiben indes bestehen, wobei sich insbesondere für den Rest des Jahres und für 2020 eine erhebliche Finanzierungslücke auftut.

Die Hauptfrage lautet daher, wie dieses Thema nach den Präsidentschaftswahlen angegangen werden soll, da die Auswirkungen auf Konjunktur und Märkte erheblich sein werden. Zum jetzigen Zeitpunkt herrscht darüber allerdings noch hohe Unsicherheit, da die Präsidentschaftskandidaten Aussagen vermeiden, die ihnen vor der Wahl schaden könnten.

Rasche Einigung erhofft
Das konstruktivste Ergebnis wäre, wenn die neue Regierung eine rasche Einigung mit dem IWF und den Anleihegläubigern erzielen würde. Dazu müsste man sich Calich zufolge auf Umstrukturierungsbedingungen und Reformen einigen, die die Haushaltslage des Landes zukünftig verbessern können. Damit könnten sich die Anleihekurse von ihrem derzeitigen Niveau erholen.

Falls eine Einigung jedoch ausbleibt, muss die Regierung entweder große Kürzungen der Staatsausgaben vornehmen, was politisch schwierig durchzusetzen ist, oder eine Finanzierung durch die Notenbank nutzen, um den Staatshaushalt zu entlasten. Das birgt allerdings die Gefahr einer noch höheren Inflation. "Der Recovery Value wäre in diesen Szenarien wahrscheinlich deutlich niedriger", befürchtet Calich.

Wie geht es nun weiter? Das hängt laut Calich davon ab, wie sich die Verhandlungen zwischen der argentinischen Regierung und ihren Gläubigern entwickeln, aber auch von externen Faktoren, einschließlich der allgemeinen Marktbedingungen. "Eine anhaltende Volatilität am Anleihemarkt in naher Zukunft ist daher sehr wahrscheinlich", prognostiziert Calich abschließend. (aa)

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