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Archegos-Verluste könnten die CS mehr als einen Jahresgewinn kosten

Die Implosion von Bill Hwangs Family Office, Archegos Capital Management, könnte die Credit Suisse (CS) internen Schätzungen zufolge eine Milliardensumme kosten, wie informierte Kreise Bloomberg gegenüber berichten.

Thomas Gottstein
Thomas Gottstein, CEO der CS, ist unter Druck.
© Credit Suisse Group AG

Analysten des Bankhauses Berenberg schätzen die Belastung für die CS auf drei Milliarden Schweizer Franken, zusätzlich zu Einbußen von 500 Millionen Franken im Bezug auf das Bankproblem namens Greensill Capital.

März-Debakel kann CS ganzen Jahresgewinn kosten
Die Debakel des Monats März könnten die Bank mehr als einen kompletten Jahresgewinn kosten, die Aktienrückkauf-Pläne gefährden und die bereits angeschlagene Reputation weiter schädigen. CEO Vorstandschef Thomas Gottstein muss sich fragen lassen, ob er und Risikochefin Lara Warner die Risiken der Bank wirklich im Griff haben.

Wo war das Risikomanagement?
“Die Risikokontrolle muss auf jeder Ebene der Bank überprüft werden und wo es Defizite gibt, sind Änderungen nötig”, schrieb David Herro, Investmentchef beim Credit-Suisse-Großaktionär Harris Associates. “Aber stelle ich nicht das Offensichtliche fest?” Wie Bloomberg in Erfahrung gebracht hat, versuchte Gottstein am Montagabend die Führungsriege in Banking und Handelsgeschäft in einer Telefonkonferenz zu beruhigen. Gemeinsam mit Investmentbanking-Chef Brian Chin schwor er die Manager auf Zusammenhalt ein. Nun sei nicht die Zeit, über potentielle Folgen bei der Vergütung nachzudenken. Noch sei die Bank dabei, den Umfang der Belastung festzustellen, so Gottstein. Ob die Dividende gefährdet ist, sei ebenfalls noch unklar, hieß es aus dem Management.

Häufung von Pannen und Pleiten
Während Credit Suisse bei weitem nicht die einzige Bank ist, der mit dem Zusammenbruch des Family Office von Bill Hwang Verluste ins Haus stehen, häufen sich beim Institut die faulen Kredite, Abschreibungen und Skandale. Gottstein hat zwar interne Untersuchungen auf den Weg gebracht und Anpassungen vorgenommen. Im Großen und Ganzen hat er den Risikoappetit der Bank jedoch verteidigt.

Greensill 
Ende letzten Jahres stimmte Credit Suisse einem Darlehen über 140 Millionen US-Dollar an Greensill Capital zu, nur wenige Monate vor dem Zusammenbruch des Lieferkettenfinanzierungs-Spezialisten. Wie zu hören ist, hatten Risikomanager der Investmentbank in London zunächst gezögert, dem Antrag stattzugeben. Nach Diskussionen mit Kollegen im Private Banking in der Schweiz und in Asien wurden sie dann letztlich überstimmt. Jetzt ist der Kredit in Verzug und die Credit Suisse hat nur etwa die Hälfte zurückerhalten, nachdem Greensill Capital Anfang März zusammengebrochen war. Schlimmer noch: Die Bank musste eine Gruppe von Fonds im Wert von zehn Milliarden US-Dollar einfrieren, die ihre Vermögensverwaltungseinheit mit Greensill betrieb, was die Beziehungen zu wichtigen Kunden zu beschädigen drohte. Der endgültige finanzielle Schaden ist noch unklar.

Aktienrückkäufe in Gefahr?
Das Debakel um Archegos könnte nach Einschätzung von Berenberg-Analyst Eoin Mullany das 1,5 Milliarden schwere Aktienrückkauf-Programm der Bank gefährden. Ende letzten Jahres hatte der Vorstandschef den Wert der Bankbeteiligung am Hedgefonds York Capital abgeschrieben und einen Verlust im Zusammenhang mit einem langjährigen Rechtsstreit um Hypotheken-Wertpapiere hinnehmen müssen, was der Bank den ersten Quartalsverlust seit drei Jahren bescherte.

Ethos leht Boni ab
Der Stimmrechtsberater Ethos rät den Aktionären, die vorgeschlagenen Managerboni für das Geschäftsjahr 2020 bei der kommenden Generalversammlung abzulehnen. Zudem sollten die Anleger dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung keine Entlastung erteilen, um ihre Klagerechte zu wahren.

Wie lange kann der CEO noch am Ruder bleiben?
“Während alle vier Ereignisse idiosynkratischer Natur zu sein scheinen, haben sie die Investoren unweigerlich dazu gebracht, die strategische Entscheidungsfindung bei CS und die Risikokultur des Unternehmens in Frage zu stellen”, schrieb Andrew Coombs, Bankanalyst bei Citigroup, kürzlich. (kb)

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