Aramea AM: Chiphersteller liefern „atemberaubende Zahlen“
Felix Herrmann von Aramea Asset Managemen erwartet, dass die Investitionen in KI-Infrastruktur hoch bleiben und weiterhin einen enormen Wachstumstreiber darstellen. Dennoch sieht er Warnsigale am Markt - vor allem bei Herstellern von HBM-Chips.
Eckpunkte:
- Chiphersteller Micron mit Brutto-Marge von 85 Prozent
- Wachstumserwartungen: KI-Hype wirkt Iran-Konflikt entgegen
- KI als einer der größten „Megatrends der Menschheitsgeschichte“
- Rechenzentren brauchen neueste Chip-Generation
- Fed auf Inflationsbekämpfungskurs
In einem aktuellen Marktkommentar hebt Felix Herrmann, Chefvolkswirt der Aramea Asset Management AG, die verschlechterte Lage infolge des erneuten Konflikts zwischen den USA und Iran hervor. „Im Vergleich zur Situation vor dem Angriff der USA sind das Regime in Iran gefestigter, die Straße von Hormus unsicherer, der Ölpreis, die Inflation und die US-Schulden höher sowie die Zustimmungswerte Trumps schlechter.“ Zum Glück lebe man aber nicht nur in einer Welt mit einer wachsenden Zahl an geopolitischen Krisen, sondern auch in einer Welt dramatischer technischer Fortschritte. „Dank des enormen KI-Hypes sind die Kursverluste in Folge des Irankriegs schon längst Schnee von gestern“, schreibt Herrmann.
Der Irankrieg habe die Wachstumserwartungen für das Jahr 2026 in der Eurozone in etwa halbiert. Mehr noch als die Wachstums- habe er jedoch die Inflationserwartungen beeinflusst. Nach der Verlängerung der Waffenruhe und dem Rückgang des Ölpreises habe sich das Bild auf beiden Seiten wieder aufgehellt. „Und über allem thront mit KI weiter einer der größten Megatrends der Menschheitsgeschichte.“ Hermann erwartet, dass die Investitionen in KI-Infrastruktur hoch bleiben und somit weiterhin einen enormen Wachstumstreiber darstellen.
In den USA seien die KI-Infrastrukturinvestitionen abermals für mehr als die Hälfte des Wachstums verantwortlich gewesen. Da die Datenzentren in den nächsten Jahren immer auf die neuesten Chipgenerationen upgedatet werden müssten, dürften die Investitionen und damit der Kapitalbedarf der Unternehmen sehr hoch bleiben, schätzt Herrmann.
Hype um HBM-Chips gerade begonnen
Für Aktien bleibt der Ausblick von Aramea AM konstruktiv – allerdings nicht ohne Warnsignale. „Die Zahlen, die aktuell von den Chip-Herstellern produziert werden, sind schlicht atemberaubend“, schreibt Herrmann. „Gerade die US-amerikanischen sowie koreanischen Speicherchip- Hersteller im Bereich der sogenannten High Bandwidth Memory (HBM) Chips schießen den Vogel ab – und der Hype hat wohl gerade erst begonnen. Beispiel gefällig? Micron hat jüngst für das erste Quartal berichtet und eine Brutto-Marge von knapp 85 Prozent ausgewiesen.“ Die Nachfrage aus der KI-Branche nach HBM-Chips wachse schneller als die Produktion. Deshalb seien die Kapazitäten der großen Hersteller (SK Hynix, Samsung, Micron) auf Jahre hinaus weitgehend verplant – trotz der jüngsten Ankündigung, deutlich mehr zu investieren.
Jenseits des KI-Trends, der in weiter hochkonzentrierten Märkten aus Sicht von Herrmann ohne Frage das Zugpferd darstelle, dürften mit Blick auf das dritte Quartal die nachlassenden geopolitischen Spannungen zwar unterstützend wirken. Dennoch ist der Asset Manager für den breiten Aktienmarkt nicht ganz so euphorisch gestimmt. „Wir bevorzugen daher defensivere Segmente wie beispielsweise Low-Volatility-Aktien“, so Herrmann.
Strukturell höhere Inflation erwartet
Zudem entwickele sich der Investitionshype rund um KI aus seiner Sicht jedoch auch als Inflationstreiber, insbesondere in den USA: „Die enorme Investitionsnachfrage in den USA ist einer der Gründe, weshalb die Inflation dort – anders als in Europa – ein schwerwiegenderes Problem ist. Neben den kurzfristigen Inflationstreibern bleibt die Erwartung bestehen, dass die geopolitische Fragmentierung, eine alternde Bevölkerung in der westlichen Welt und der KI-Trend für Knappheiten an Arbeits- und Rohstoffmärkten sorgen, die wiederum für strukturell höhere Inflationsraten sprechen“, so Herrmann.
US-Leitzinserhöhung wäre keine Überraschung
Das wohl jetzt schon berühmteste Zitat von Kevin Warsh, dem neuen Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), laute: „Inflation is a choice“ – was sinngemäß so viel bedeute wie: Es liegt an der Notenbank, ob die Inflation (zu) hoch ist, oder eben nicht. Als Hauptursache des Inflationsanstiegs im Jahr 2022 habe Warsh daher auch die Ausweitung der Notenbankbilanz in den Jahren zuvor ausgemacht. Aus eben jenem Grund „wünsche“ sich Warsh nun eine kleinere Bilanz. In der Folge wäre die Notenbankbilanz als Preistreiber entfernt und der Raum für Zinssenkungen da – so seine Logik. Es stellt sich aus Sicht von Herrmann jedoch die Frage, wie eine kürzere Notenbankbilanz, ein weiter ausuferndes US-Haushaltsdefizit sowie ein stabiler Finanzmarkt gleichzeitig möglich sein sollen.
Ganz aktuell gehe es zunächst darum, ob Zinsanhebungen in diesem Jahr notwendig sein könnten, da die Inflationsrate in Folge des Irankriegs auf mittlerweile über vier Prozent gestiegen sei. „Vor dem Hintergrund des sehr robusten US-Wachstums sowie der Tatsache, dass der US-Arbeitsmarkt die Kurve bekommen zu haben scheint, wäre eine Zinsanhebung in den USA in diesem Jahr keine große Überraschung“, so Herrmann. „Wir rechnen mit einem stärkeren Dollar. Hauptargument ist, dass die Federal Reserve offenbar einen klare Inflationsbekämpfung betreibt.“ Aber auch steigende Realzinsen vor dem Hintergrund hoher Investitionen sprächen für den Dollar. (de)


