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Anthropic-KI löst Ausverkauf bei Software-Aktien aus

Eine Erweiterung der Künstlichen Intelligenz (KI) Anthropic führte zu einem Sell-Off in Höhe von rund 285 Milliarden US-Dollar bei jenen Aktien bzw. Unternehmen, die durch diese KI Geschäftsanteile oder gar ihre Existenz verlieren könnten.

© Mediaparts / stock.adobe.com/KI-generiert

Ein neues KI-Automatisierungstool von Anthropic hat diese Woche einen Ausverkauf im Volumen von 285 Milliarden Dollar bei Aktien aus den Bereichen Software, Finanzdienstleistungen und Vermögensverwaltung ausgelöst. Investoren trennten sich im Eiltempo von Titeln, die auch nur entfernt mit dem Sektor in Verbindung stehen.

Ein von Goldman Sachs zusammengestellter Korb aus US-Softwareaktien brach um sechs Prozent ein – es war der stärkste Tagesverlust seit dem zollbedingten Ausverkauf im April. Auch ein Index für Finanzdienstleister gab um fast sieben Prozent nach. Der Nasdaq 100 Index verlor am Dienstag in einer ersten Reaktion zwischenzeitlich um bis zu 2,4 Prozent, bevor er das Minus zu Börsenschluss auf 1,6 Prozent begrenzen konnte.

Viele Geschäftsmodelle durch KI in Gefahr
Händler verwiesen auf eine Veröffentlichung auf der Anthropic-Website als Grund für die kräftigen Verluste bei Aktien wie Experian, einem Unternehmen für Kredit- und Marketingdienstleistungen, RELX, einem Anbieter von Business- und Rechtssoftware, und der London Stock Exchange Group.

Auf seiner Plugin-Website hat Anthropic ein juristisches Tool präsentiert, das laut Unternehmensangaben Arbeiten wie Vertragsprüfung und die Erstellung juristischer Kurzgutachten automatisieren kann. “Alle Ergebnisse sollten von zugelassenen Anwälten geprüft werden”, hieß es sicherheitshalber auf der Website

“Anthropic hat neue Funktionen für sein Coworking-Tool im Rechtsbereich eingeführt und damit den Wettbewerb verschärft”, erklärten Analysten von Morgan Stanley um Toni Kaplan in einer Mitteilung zu Thomson Reuters, dem Anbieter von Geschäfts- und Rechtsinformationen. “Wir sehen dies als Zeichen für einen sich intensivierenden Wettbewerb und damit als potenziell negativ.”

Am Mittwoch sind auch in Asien Softwarewerte unter Druck geraten. Aktien indischer IT-Unternehmen gehörten zu den größten Verlierern: Die Titel von Tata Consultancy Services sind um bis zu 6 Prozent gefallen, Infosys um 7,1 Prozent. Die Aktien des Buchhaltungssoftware-Spezialisten Xero sind in Sydney zeitweise um 16 Prozent eingebrochen – das war der größte Rückgang seit 2013. Asiens breiterer Technologiesektor hat sich vergleichsweise stabil gezeigt, da er weiterhin von Hardwareherstellern, insbesondere Chipproduzenten, dominiert wird, die zu den Hauptprofiteuren des KI-Investitionsbooms zählen.

Thomson Reuters und Legalzoom.com gehörten zu den schwächsten Werten in den USA und Kanada. Sie drückten den iShares Expanded Tech-Software Sector ETF um 4,6 Prozent - das war der sechste Verlusttag in Folge. Der ETF hat im Januar bereits einen Einbruch um 15 Prozent verzeichnet, der stärkste Monatsverlust seit 2008.

Aktives Fondsmanagement jetzt gefragt
“In diesem Jahr entscheidet sich, ob Unternehmen zu den KI-Gewinnern oder -Opfern gehören, und die wichtigste Fähigkeit wird sein, die Verlierer zu vermeiden”, sagte Stephen Yiu, CIO des Blue Whale Growth Fund. “Solange sich der Staub nicht gelegt hat, ist es gefährlich, sich der KI in den Weg zu stellen.” (aa)

Aktien von Software-Unternehmen stehen seit ein Herbst unter Abgabedruck

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