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Ant-IPO: Möglichkeiten und Risiken am Seziertisch

Das lang erwartete Börsendebüt der Ant-Gruppe in Shanghai und Hongkong wurde in letzter Minute von den Finanzaufsichtsbehörden ausgesetzt. Mit dem Rekord-IPO in Höhe von 34,5 Milliarden US-Dollar hätte Ant Saudi Aramco überholt und wäre zum größten Börsengang aller Zeiten geworden.

Jack Ma
Jack Ma hat derzeit eher wenig zu lachen, haben doch die Aufsichten den Rekord-IPO von Ant Group ausgesetzt. Die monopolartige Stellung der Alibaba Group in verschiedenen Bereichen ist der zuständigen Aufsicht ein Dorn im Auge. 
© Marlene Awaad / Bloomberg

"Die Börsenkotierung stieß auf reges Anlegerinteresse, da sowohl institutionelle als auch private Anleger versuchten, eine Zuteilung für den heißesten Börsengang des Jahres zu erhalten. Die Tranchen für Privatanleger waren in Shanghai mehr als 800-fach und in Hongkong mehr als 150-fach überzeichnet", weiß Daryl Liew, CIO Singapore der Reyl-Gruppe.

Größe, Rentabilität und Wachstum
Der Grund für das große Interesse der Investoren liegt darin, dass Ant eine einzigartige Kombination aus Größe, Rentabilität und Wachstum aufweist. Der IPO-Preis bewertet Ant nach der Marktkapitalisierung in der obersten Reihe der größten börsennotierten Finanzinstitute und übertrifft die von JP Morgan. Im Gegensatz zu anderen FinTechs ist Ant hoch profitabel mit starken Nettomargen und gleichzeitig in der Lage, durch die Entwicklung neuer Produkt- und Dienstleistungsangebote ein außergewöhnliches Umsatzwachstum zu erzielen.

Digitaler Zahlungsverkehr ist das Rückgrat von Ant
Dabei ist Alipay mit über 700 Millionen aktiven Nutzern monatlich die dominierende digitale Zahlungsplattform in China. Alipay wurde von Alibaba als eine Lösung für digitale Online-Zahlungen erfunden, um das Vertrauensproblem zu lösen, das die frühen E-Commerce-Initiativen von Alibaba behinderte. Alipay erwies sich zusammen mit Tencents WeChat Pay als extrem populär und revolutionierte die Zahlungsmärkte in China völlig. Obwohl Alipay in China bereits eine Größenordnung erreicht hat, gibt es noch Raum für weiteres Wachstum: Immer mehr Händler greifen auf die Plattform zurück, um ihre Geschäfte auszuweiten. Aktuell gibt es monatlich über 80 Millionen aktive Händler auf der Alipay-Plattform. Davon nutzt aber nur ein Viertel von ihnen die auf Alipay verfügbaren Funktionen und Tools, um das Geschäft weiter voranzutreiben. Dies bedeutet, dass es Spielraum gibt, um das Volumen der digitalen Zahlungen mit zunehmender Akzeptanz der Händler zu steigern.

Digitale FinTech-Dienstleistungen treiben Wachstum an
Das Volumen der von den Nutzern ausgegeben Transaktionen liefert die Daten, die Ant zur Entwicklung innovativer Finanzprodukte in den Bereichen CreditTech, InsureTech und InvestmentTech benötigt. Ant hat sich bereits zur größten Online-Plattform in China für diese drei Geschäftsbereiche entwickelt. Das Unternehmen wird in den nächsten Jahren ein starkes Wachstum verzeichnen, da sie den Umfang skalieren können. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass Ant auf seiner Plattform ein Enabler für diese neuen Produkte ist: Ant arbeitet bei den Produkten und Dienstleistungen auf seiner Plattform eng mit Hunderten von Finanzdienstleistungspartnern zusammen und verwendet weder seine Bilanz noch stellt es Garantien für diese Finanzdienstleistungen zur Verfügung. Dies ermöglicht es Ant, ein kapitalschonendes Geschäftsmodell beizubehalten, was seine hohe Rentabilität erklärt.
Längerfristig könnte der vielleicht spannendste Wachstumsmotor für Ant Antchain sein.

Antchain 
Antchain wurde im Juli eingeführt und ist eine Produktivitäts-«Blockchain-as-a-Service»-Plattform, die in Chinas staatlich unterstütztes Blockchain-Service-Netzwerk integriert ist. Gegen eine geringe Gebühr werden chinesische KMU Zugang zur Blockchain-Technologie erhalten, um ihre Geschäftsprozesse zu verbessern. Die Unterstützung von KMU bei der Verbesserung ihrer Effizienz könnte wiederum eine positive Rückkopplungsschleife in die anderen Unternehmensbereiche von Ant haben.

Potentielle Risiken
Ant könnte ein Opfer des eigenen Hype werden, wenn das erwartete Wachstum nicht den hohen Erwartungen entspricht. Während die inländische Wachstumsgeschichte überzeugend erscheint, könnten potenzielle Expansionspläne im Ausland aufgrund der derzeitigen Gegenreaktion auf chinesische Investitionen behindert werden. Indien hat Alipay Anfang dieses Jahres wegen eines Grenzgeplänkels verboten. Und die für 2018 geplante Übernahme von MoneyGram wurde von der US-Regierungsbehörde (CFIUS) blockiert. Daher könnte das Wachstum von Ant in Übersee in naher Zukunft auf die ausländischen Unternehmenseinheiten beschränkt werden, die Ant bereits besitzt.

Bevorstehender Abbau einer bedeutenden Insider-Beteiligung an Ant
 Unternehmenseinheiten, die von Jack Ma kontrolliert werden, besitzen rund 50 Prozent der Aktien von Ant und haben öffentlich die Absicht bekannt gegeben, diese Beteiligung auf 8,8 Prozent zu reduzieren. Die mangelnde Klarheit über den Zeitrahmen und die Methode für diese Veräußerung könnte den Aktienkurs möglicherweise drücken: Die zum Verkauf stehenden Aktien sind fast dreimal so groß sind wie der Umfang des Börsengangs.

Das größte Risiko ist jedoch aufsichtsrechtlich bedingt
Es gibt immer ein empfindliches Gleichgewicht, das die Regulierungsbehörden zwischen dem Management finanzieller Risiken und der Schaffung eines für Finanzinnovationen förderlichen Umfelds halten müssen. Die Aussetzung des Börsengangs von Ant ist Berichten zufolge auf neue Regelungsentwürfe zurückzuführen, die Online-Mikrokredite regeln, um das systematische Risiko zu reduzieren. Diese Regeln wirken sich direkt auf den Geschäftsbereich CreditTech von Ant aus - die beiden Mikrofinanz-Plattformen von Ant tragen rund 40 Prozent zum Betriebsergebnis bei. Das wird zweifellos zu einer geringeren Rentabilität und einem geringeren Wachstumspotenzial führen.

Ant muss nun wieder an das Reißbrett zurückkehren
Man muss sicherstellen, dass alle regulatorischen Anforderungen erfüllt sind, bevor die Aktie wieder auf den Markt kommt. !Da Google in den USA vor einer kartellrechtlichen Untersuchung steht, müssen sich die Technologieunternehmen nun einem Umfeld größerer regulatorischer Kontrolle stellen. Es bleibt zu hoffen, dass dies die Innovation nicht behindern wird!, sagt Daryl Liew abschließend. (kb)

 

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