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"Annus horribilis" für Ray Dalio: Kommt er aus dem Performance-Loch?

Verliert der Gründer von Bridgewater Associates nun den Titel eines ungekrönten Königs der Hedgefondsszene? Angesichts der mediokren Performance im laufenden Jahr und einstelliger Renditen in den Jahren davor, verbunden mit hohen Kosten, wäre das aus heutiger Sicht nicht verwunderlich.

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Ray Dalio mit wenig Fortüne in 2020. Wird er noch einmal zum "Comeback Kid"?
© 2019 Bloomberg Finance LP

Der 148 Milliarden US-Dollar schwere Hedgefonds Bridgewater Associates hat bis dato in 2020 heftige Verluste angehäuft, während einige seiner Rivalen in diesem zugegebenermaßen alles andere als leichten Jahr Geld machen konnten. Per August gab es eine negative Performance von 18,6 Prozent im Flaggschifffonds Pure Alpha II Fund. Das sind die höchsten Verluste, die in den letzten zehn Jahren angefallen sind, und stellen eines der Probleme dar, denen sich die Firma gegenübersieht, wie Bloomberg berichtet.

Krisenmanagement ist bei Bridgewater angesagt
Zu aller erst ist ein Computermodell von Bridgewater zu nennen, das das zweite Jahr in Folge die Märkte fehlinterpretiert hat. Dann begannen große Klienten den Ausstieg zu suchen, sie zogen netto 3,5 Milliarden US-Dollar in den ersten sieben Monaten ab. Consultants erwarten noch mehr Abflüsse bis Jahresende. Damit noch nicht genug, verlor Dalio ein Schiedsverfahren gegen Ex-Mitarbeiter, befehdet sich mit seinem  ehemaligen Co-CEO und hat dutzende Mitarbeiter vor die Tür gesetzt.

Das ist eine bemerkenswerte Wende, der sich der 71-Jährige gegenübersieht, der sich als großen Vordenker vor allem im Hinblick auf die Analyse der Weltwirtschaft und des Managements geriert. Bridgewater-Insider sind beunruhigt und meinen, die Firma sei vom Weg abgekommen, seitdem sich Dalio ikonoklastisch gebe, den Davos-Zirkus mitmache und seinen Bestseller "Principles", der die Regeln fürs Leben und Geschäft beinhaltet, publiziert habe.

In verschiedenen virtuellen Meetings und Kundenbriefen versuchen Dalio und seine führenden Mitstreiter, die Co-CIOs, Optimismus zu verströmen. Man würde eben mehr aus Niederlagen als aus Siegen lernen, und nun sei man gerade dabei, ordentlich viel auf einmal zu lernen.

Renditetechnisch hinkt man hinterher
Trotz der Unruhe, die die Firma erfasst hat, gibt man sich selbstsicher im Hinblick auf die Performance, die man für seine Kunden erzielen kann. "Nicht ohne Grund sind wir der weltgrößte Hedgefonds", sagt Ray Dalio in einem Bloomberg-TV-Interview vom Dienstag letzter Woche. "Wir hatten niemals einen signifikanten Rückgang, nur positive Jahre, aber wir wissen, dass die schlechten Tage einmal kommen müssen. Wir haben den Marktrückgang im Zuge der Corona-Pandemie nicht gesehen, das ist die Realität. Aber wir arbeiten operativ, wie wir das immer getan haben." Rivalen von Bridgewater wie Caxton Associates und Brevan Howard Asset Management können year-to-date zweistellige positive Renditen vorlegen. 

Fehler 2020: zu prozyklisches Verhalten
Die Unfähigkeit von Bridgewater, heuer Kapital aus seinen Ideen zu schlagen, könnte das Tüpfelchen auf dem i sein, das dafür sorgt, dass einige Investoren die Reißleine nach einem Jahrzehnt schwacher einstelliger Renditen und hoher Managementgebühren ziehen. Insidern zufolge soll Bridgewater im März, als der Markt stark fiel, Risiko herausgenommen haben und sich dann bei der darauffolgenden Erhöhung von Risikopositionen zulange Zeit gelassen haben, und das sogar dann noch, als die Fed Unterstützung in noch nie dagewesenem Ausmaß bekanntgab. Obwohl man für Aktien long, Goldkäufe und Wetten long Yen/ short US-Dollar warb, gelang es in den Fonds nicht, von den eigenen Vorhersagen zu profitieren. 

Fehler 2019: den Turnaround zum Jahresanfang nicht geschafft
Damals im Januar machte Bridgewater einen weiteren gravierenden Fehler, als Fed-Chairman Jerome Powell signalisierte, man werde alles in seiner Macht stehende tun, um die Wirtschaft weiter wachsen zu lassen. Nachdem man 2018 hauptsächlich dank der Prognose des Kursverfalls im Dezember eine Jahrenrendite von 14,6 Prozent erzielte, schaffte es Bridgewater nicht, sich zum Jahresanfang 2019 bullisher aufzustellen, sodass man in den ersten beiden Monaten des Jahres 2019 mehr als fünf Prozent verlor. Als Reaktion darauf schraubte man an seinen Modellen herum, damit sich diese an den Paradigmenwechsel besser anpassen können. 

Modellfrage
Während Rivalen wie Renaissance Technologies mit mathematisch quantitativen Methoden zur Sache gehen, hat Dalio seine Firma und seinen Erfolg auf Modellen aufgebaut, die die Ökonomie wie eine Disziplin betrachten, die den ewig gültigen Gesetzen der Physik folgt. Einige Insider berichten, Dalio weigere sich, die Computermodell auszutauschen und neue Arten von Daten zu integrieren, wie dies viele andere Hedgefonds tun, etwa indem man Öltanker verfolgt und Kreditkarten-Aktivitäten miteinbezieht. Nach dem sich eine einzigartige Geldflut über die Märkte im Zuge der Bekämpfung der Pandemiefolgen ergoß, schraubte Bridgewater wieder an den Modellen herum, um noch nie dagewesene Interventionen und den fast kompletten Shutdown der weltgrößten Volkswirtschaften miteinzubeziehen. Man brauchte angeblich mehr als einen Monat, um Strategien abzustellen, die in dieser neuen Umgebung nicht mehr funktionieren würden, und andere passend zu machen, von denen man glaubte, dass sie weiterhin anwendbar wären. Dalio selbst verbrachte wöchentlich 70 Stunden im Büro, und die Risikolevels bleiben im historischen Durchschnitt seit August.

Es wird persönlich
Dispute zwischen Führungsfiguren sind alles andere als vorteilhaft, und zwar nach innen wie nach außen. So verklagte die ehemalige Co-CEO von Dalio, Eileen Murray, Bridgewater im Juli wegen aufgeschobenen Vergütungen und behauptete, dass die Firma Diskriminierung aufgrund des Geschlechts vornehme, dies alles in einem Streit um den Golden Handshake, den sie anlässlich ihres Ausscheidens zu bekommen hat. Das irritierte Consultants gleichermaßen wie Investoren. 

Langfristperformance stimmt 
Investoren, die seit 1991 dabei sind, haben annualisiert 10,4 Prozent pro Jahr verdient und werden von einer intensiven Kundenbetreuung serviciert. Fast 200 Mitarbeiter und damit zirka die Hälfte aller Beschäftigten arbeiten mit Kunden. Die Firma produziert einen Newsletter mit Marktanalysen, maßgeschneiderte Kundenberichte, die etwa auch umfangreiche Risikoanalysen und die Auswirkung von Inflation auf ihre Bestände darstellen. 

Vergiftete Atmosphäre
Ein Schiedsverfahren läuft zwischen der Firma und zwei ehemaligen Mitarbeitern des Investmentteams, Lawrence Minicone and Zachary Squire, die sich unter der Marke Tekmerion Capital Management selbstständig machen wollen. Ein Schiedsspruch stellte im Juli fest, dass Bridgewater gerichtlich den Vorwurf gestohlener Handelsgeheimnisse gegen die beiden unter Vortäuschung falscher Tatsachen aufbrachte, um dem Duo die Firmengründung zu erschweren.

Bridgewater kämpfte gegen den Schiedsspruch an, dass man dem Duo die Rechtskosten ersetzen müsse, hat den Fall aber in der Zwischenzeit bereinigt. Verbliebene Angestellte mussten mitansehen, dass eine Scheidung in Frieden mit Bridgewater kaum möglich ist. Entsprechend restriktive Klauseln in den Arbeitsverträgen speziell mit den leitenden Mitarbeitern für den Fall eines Jobwechsels  sorgen immer wieder für Unmut. Bridgewater entgegnet hierauf regelmäßig, man wolle nur sein geistiges Eigentum schützen und unterstütze ausscheidende Mitarbeiter bei ihren Karrieren nach dem Ausscheiden. 

Modelländerungen könnten sich bezahlt machen
Die diesjährigen Änderungen an den Modellen könnten sich auszahlen, wenn man die Historie heranzieht: Schließlich hat Bridgewater in der Vergangenheit nach schlechten Jahren herausragend gute Performances abgeliefert. Während man etwa 20 Prozent in der Finanz-und Wirtschaftskrise 2008 verlor, schloss man das Jahr mit einem Plus ab. Dazu kamen noch ein Plus von 45 Prozent in 2010 und 25 Prozent in 2011. Als man in der Dot-Com-Krise 2000 22 Prozent abgelegt hatte, konnte man drei Jahre in Folge, beginnend mit 2002, auf Zuwächse von mehr als 20 Prozent verweisen. 

Zu spät?
Eine Wiederauferstehung könnte dieses Mal für einige Investoren aber zu spät kommen, die das Vertrauen in Ray Dalio verloren haben. Sie finden die gestiegenen Medienpräsenz von Dalio alles andere als vertrauenserweckend. "Ich bin seit mehr als 30 Jahren im Geschäft und habe viele Hedgefondsmanager gesehen, die Milliardäre wurden und sich mit anderen Dingen außer ihrer Firma beschäftigen", sagt Brad Alford. Er leitet die Hedgefondsinvestments bei der Emory Universität und der Duke Stiftung. "Ich habe viele Firmen gesehen, deren Assets explodiert sind, und das Wachstum bringt wirklich schlechte Performance."

Dry Powder
Bridgewater besitzt 45 Kapitalzusagen von Investoren, wovon viele in der Ein-Milliarden-Dollar Sphäre liegen, wobei die Firma allerdings nicht angab, ob die Mittel in die teureren Long/Short Pure Alpha Hedgefonds oder in billigere Long-Only-Fonds gehen würden. Ob dadurch die Performance besser wird? Man wird sehen.... (kb)

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