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Anleiherenditen weltweit auf 16-Jahres-Hoch!

Die Renditen von Staatsanleihen sind im Durchschnitt auf ein 16-Jahres-Hoch gestiegen. Die Märkte preisen damit ein Zinssenkungs-Ende und vor allem höhere Inflations- und Ausfallsrisiken ein.

© alexskopje / stock.adobe.com

Die weltweiten Anleiherenditen sind im Vorfeld der geldpolitischen Sitzung der Federal Reserve auf Werte gestiegen, die zuletzt 2009 erreicht wurden. Bloomberg sieht in einer Analyse dies als ein Signal dafür, dass die Zins­senkungszyklen von den USA bis Australien bald enden könnten.

Die Renditen in einem Bloomberg-Index langlaufender Staatsanleihen haben wieder Niveaus erreicht, die zuletzt vor 16 Jahren verzeichnet wurden (siehe Grafik unten).

Steigende Renditen allerorten
Geldmarktpositionierungen stützen dieses Bild: Händler preisen inzwischen praktisch keine weiteren Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank ein, rechnen jedoch fest mit einer Anhebung in Japan noch in diesem Monat sowie zwei weiteren Viertelpunkt-Schritten in Australien im kommenden Jahr.

Auch in den USA wandelt sich der Ausblick rasch. Die Renditen 30-jähriger Treasuries sind auf Mehrmonatshochs gestiegen, weil Investoren eine weniger günstige Perspektive für Geldpolitik, Inflation und fiskalische Disziplin einpreisen.

Das bevorzugte Preismaß der Fed stieg im September auf 2,8 Prozent und liegt damit fast einen Prozentpunkt über dem Zielwert der Notenbank. Zweifel an der Unabhängigkeit des nächsten Fed-Vorsitzenden veranlassen einige Investoren, eine Risikoprämie in die Treasury-Kurve einzubauen. Gleichzeitig belasten Schuldenaufnahmen zur Deckung eines Haushaltsdefizits von 1,8 Billionen Dollar die Anleihemärkte.

Investoren könnten umdenken
“Ein ‘Enttäuschungs-Trade’ entfaltet sich in mehreren entwickelten Märkten”, erklärt Robert Tipp, Chief Investment Strategist und Head of Global Bonds bei PGIM Fixed Income. Anleger nähmen zunehmend zur Kenntnis, dass die Zins­senkungszyklen bald enden könnten. Auch langfristige US-Renditen stünden vor Herausforderungen, sollte sich das Ende des Fed-Lockerungszyklus abzeichnen, ergänzte er.

Die Marktbewegung spiegelt wachsende Überzeugung wider, dass der Zinssenkungszyklus - der im vergangenen Jahr zur Wachstumsstimulierung eingeleitet wurde und globale Aktien zu Rekordständen sowie Anleihen zu Kursgewinnen verholfen hat - seinem Ende entgegengeht.

Anleiheinvestoren bewerten nun die Aussichten für das weltweite Wachstum, die Inflationsrisiken im Zuge von Präsident Donald Trumps Handelskrieg und die steigende Staatsverschuldung von Tokio bis London.

Auch in Japan und Deutschland sind die Renditen auf mehrjährige Höchststände gestiegen. Besonders unter Druck stehen langlaufende Anleihen, da Investoren höhere Prämien für das Halten riskanterer Wertpapiere verlangen.

Hassett-Trade geht nicht ewig weiter
Die Renditen 10-jähriger Treasuries bewegen sich nahe den Höchstständen seit September -das ist laut Bloomberg ein ungewöhnliches Phänomen, das Sorgen über die US-Schuldenlast und die Nachfolge von Jerome Powell, dessen Amtszeit im Mai endet, widerspiegelt.

Kevin Hassett, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats des Weißen Hauses, gilt als Favorit und wird weithin als Unterstützer von Trumps Vorliebe für niedrigere Zinsen gesehen.

“Wir haben in den vergangenen Tagen gesehen, wie der Hassett-Trade eine Lockerung der Geldpolitik einpreist - mit einem schwächeren Dollar, einer steileren Zinskurve und steigenden Risikoanlagen”, schrieb Gordon Shannon, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management. “Allerdings zögern die Märkte, dies weiter auszureizen – selbst eine von Hassett geführte Fed könnte durch hartnäckige Inflation eingeschränkt sein.

Höhere Inflationsraten und Schulden sorgen für höhere Risikoprämien
Derzeit signalisieren die globalen Anleihemärkte, dass der Druck auf die Finanzierungskosten anhalten wird.

Der Deutsche Bundestag soll kommende Woche Rüstungsaufträge im Rekordumfang von 52 Milliarden Euro genehmigen, während Investoren zugleich Japans größtes Ausgabenpaket seit dem Ende der pandemiebedingten Beschränkungen verarbeiten.

In Sydney hat Zentralbankchefin Michele Bullock Zinssenkungen praktisch ausgeschlossen - das ist ein abrupter Wandel in den Erwartungen, der die Renditen australischer Staatsanleihen auf die höchsten Niveaus unter den Industrieländern getrieben hat.

“Diese Renditebewegung basiert auf der Erwartung stärkeren Wachstums, weil die Welt im kommenden Jahr fiskalisch wahrscheinlich expansiver sein wird”, sagte Amy Xie Patrick, Head of Income Strategies beim Vermögensverwalter Pendal Group. (aa)

Renditen so hoch wie seit 16 Jahren nicht mehr

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