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Anleihen: Iran-Konflikt bringt Zinsrisiko auf die Agenda

Durch die Hormus-Krise leiden Staatsanleihen unter gestiegenen Inflationserwartungen. Unternehmensanleihen jedoch zeigten sich robuster, sagt Wolfgang Bauer von Royal London AM. Hier die Gründe…

Für die Diversifikation eigneten sich Staatsanleihen zunehmend weniger. Man müsse Anleihenportfolios heute anders aufstellen, findet Wolfgang Bauer von Royal London Asset Management. 
Für die Diversifikation eigneten sich Staatsanleihen zunehmend weniger. Man müsse Anleihenportfolios heute anders aufstellen, findet Wolfgang Bauer von Royal London Asset Management. © Royal London AM

Eckpunkte:

  • Kreditrisiko in Krisenzeiten robuster als Staatsrisiko
  • Unternehmensanleihen stabiler als Staatsanleihen
  • Alpha entstehe vor allem am Primärmarkt
  • Nischen böten Mehrwert, wenn Liquidität stimmt

Die vergangenen Monate haben viele Anleiheinvestoren überrascht. Als der Konflikt im Iran an Bedeutung gewann, funktionierten Anleihen nicht als sicherer Hafen. Traditionell sind es in solchen Phasen vor allem Staatsanleihen und die Zinsduration im Portfolio, die Schwankungen abdämpfen. „Dieses Mal war das nicht erkennbar. Wir sehen dafür mehrere Gründe. Sie verändern auch, wie wir Anleiheportfolios heute aufstellen“, schreibt Wolfgang Bauer, Fondsmanager Fixed Income bei Royal London Asset Management (RLAM) in einem aktuellen Marktkommentar.

Kurzläufer besonders unter Druck, aber auch Langläufer litten
Bei kurzlaufenden Anleihen spielten Inflationserwartungen eine große Rolle. Die Schließung der Straße von Hormus setzte Öl-, Gas- und Aluminiumpreise deutlich unter Aufwärtsdruck, was sich in gestiegenen Inflationserwartungen niederschlug. „Das veränderte, wie Investoren über Zinsrisiko denken. Im Februar preiste der Markt noch einen halben Zinssenkungsschritt der EZB ein, wenige Wochen später war bereits von drei Zinserhöhungsschritten die Rede. Diese Verschiebung setzte vor allem das kurze Ende der Zinsstrukturkurve unter Druck, überraschenderweise litt aber auch das mittlere und lange Ende“, so Bauer.

Staatsverschuldung als strukturelles Thema
Hinzu komme die Höhe der Staatsverschuldung als weiteres strukturelles Thema. „Bei einer Staatsverschuldung von rund 100 Prozent der Wirtschaftsleistung in Großbritannien oder rund 120 Prozent in den USA fragen sich Investoren zunehmend, ob das dauerhaft tragfähig ist. Diese Zweifel sind unserer Ansicht nach ein Grund dafür, dass Investoren nicht mehr in dem Maße wie früher in lange Staatsanleihen investiert haben“, erläutert Bauer die Gründe für den Rückzug der Anleger aus diesem Segment.

Unternehmensanleihen hätten sich in diesem Umfeld deutlich stabiler gezeigt. Zwar könnten auch sie sich Zinsbewegungen nicht entziehen, doch die Kreditrisikoprämie, der sogenannte Credit Spread, sei bemerkenswert stark geblieben. Sobald sich Spreads etwas weiteten, fanden viele Investoren die Gesamtrendite dieser Anleihen wieder attraktiv und kauften nach, wodurch sich die Spreads erneut einengten“, hat Bauer beobachtet.

Unternehmen erstaunlich profitabel
Ein Blick auf die europäischen Credit Spreads im Investment-Grade-Bereich, zeigt: „Das Jahr startete auf einem Indexniveau von 80 Basispunkten, also 0,5 Prozent Zusatzrendite gegenüber Staatsanleihen“, so Bauer. Zwischenzeitlich habe sich dieser Wert geweitet, inzwischen liege er wieder bei 80 Basispunkten. „Als wäre nichts geschehen. Zwei Faktoren erklären das aus unserer Sicht. Der erste ist ein technischer Effekt, wonach bei hoher Gesamtrendite verlässlich Geld in den Markt fließt. Der zweite ist die erstaunlich stabile Profitabilität vieler Unternehmen“, so Bauer.

Primärmarkt biete Chancen
In diesem Umfeld sei breite Diversifikation wichtig. „Zinsrisiko nutzen wir nur in geringen Dosen, um das Risikoprofil des Portfolios nicht zu stark zu belasten. Stattdessen sind wir sehr aktiv am Primärmarkt. Es gibt aktuell sehr viele neue Emissionen mit großen Volumina, sowohl im Euro- als auch im Dollarmarkt“, weiß Bauer. Hier ließe sich häufig eine Emissionsprämie mitnehmen. Bei Unternehmensanleihen gebe es immer wieder einzelne Anleihen, die günstig bewertet seien, „weil andere Marktteilnehmer noch nicht erkannt haben, dass sie besichert sind, einen vorteilhafteren Status haben oder das Kreditrisiko geringer ist als angenommen. Diese Bewertungsunterschiede sind eine direkte Folge der Marktstruktur und eine wiederkehrende Quelle für Mehrwert“, so Bauer.

Mut zur Nische
Ein weiterer Vorteil des Unternehmensanleihemarkts liege zudem in seinen Nischen. Dazu zählen etwa nordische Unternehmen im Hochzinsbereich oder europäische Unternehmensanleihen im US-Dollarmarkt. „Die Bewertung dieser Dollaranleihen ist oft deutlich besser als die vergleichbarer Euroanleihen, obwohl das Kreditrisiko äquivalent ist“, so Bauer. Die Nischenallokation erfordere allerdings striktes Liquiditätsmanagement. Solange dieses Management diszipliniert bleibe, zahle sich der Mut zur Nische aus.

Insgesamt zeige das aktuelle Umfeld, dass sich die Funktion von Staatsanleihen als Portfolio-Stabilisator nicht mehr voraussetzen lässt. Kreditrisiko, aktives Emissionsresearch und selektive Nischenallokation gewönnen dagegen an Bedeutung, sofern Liquidität und Risikoprofil im Blick bleiben. (de)

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