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Anleihen: Der Markt setzt auf fallende Kurse

Einem Kommentar von Bantleon ist zu entnehmen, dass viele Marktteilnehmer auf steigende Renditen respektive fallende Kurse bei Anleihen mit längeren Laufzeiten setzen. Das zeigen der Terminmarkt und die Charttechnik. Durch geschickte Positionierungen kann man davon jedoch profitieren.

Marcio Costa, Bantleon: "Das charttechnische Bild für US-Treasuries und Bunds ist negativ zu werten."
Marcio Costa, Bantleon: "Das charttechnische Bild für US-Treasuries und Bunds ist negativ zu werten."© Thomas Wieland / Bantleon

Staatsanleihen haben einen positiven Jahresauftakt verzeichnet. Erste Turbulenzen löste jedoch Japans Premierministerin Sanae Takaichi aus. Mit ihrem politischen Kurs einer Ausweitung des Haushaltsdefizits versetzte sie die Anleihenmärkte in Unruhe. Die Renditen lang laufender japanischer Staatsanleihen stiegen zeitweise um rund 30 Basispunkte und zogen auch die Renditen lang laufender deutscher Bundesanleihen sowie von US-Treasuries mit nach oben, berichtet Marcio Costa, Senior Portfoliomanager bei Bantleon, in einem aktuellen Marktkommentar.

Japan wieder unter Kontrolle
Aus heutiger Sicht spricht laut Costa wenig dafür, dass Japan zum dauerhaften Belastungsfaktor wird. Zum einen ist die Volatilität am Anleihenmarkt – gemessen am MOVE-Index – seither sogar gesunken, was darauf hindeutet, dass die Marktteilnehmer die Ereignisse nicht als nachhaltig ansehen. Zum anderen mehren sich Spekulationen, dass die BoJ bei einer Zuspitzung zunächst über flexible Marktoperationen dämpfend eingreifen könnte. "Eine Rückkehr zu einer expliziten Kurvensteuerung (Yield Curve Control) gilt am Anleihenmarkt derzeit jedoch eher als unwahrscheinlich", hält Costa fest.

Short-Positionen auf historischen Höchstständen, Edelmetalle werden Konkurrenz
Die Anleihenvolatilität nähert sich gemessen am MOVE-Index erstmals wieder den Niveaus aus dem Jahr 2021 – also der Zeit, bevor der kräftige Zinsanstieg die Anleihenmärkte durchrüttelte. An der Positionierung der Marktteilnehmer zeichnet sich jedoch laut Costanoch keine erhöhte Nachfrage ab: "So liegen die Short-Positionen gemäß CFTC-Daten in 2- und 10-jährigen US-Treasuries mit 75 Prozent und 70 Prozent der ausstehenden Kontrakte weiterhin auf historischen Höchstständen. Auf Long-Positionen entfällt entsprechend nur ein Anteil von 25 Prozent und 30 Prozent."

Die starke Nachfrage nach Sachwerten, allen voran Gold und Silber, belastet den Anleihenmarkt zusätzlich. Es ist davon auszugehen, dass Staatsanleihen erst wieder an Popularität gewinnen, wenn die Preisdynamik bei Edelmetallen anhaltend nachlässt.

US-Staatsanleihen verlieren an Vertrauen
Ein weiterer wesentlicher Treiber steigender Renditen ist Costa zufolge die zunehmende Skepsis gegenüber US-Treasuries – beispielhaft erkennbar an der Entscheidung des dänischen Pensionsfonds AkademikerPension, die Bestände in US-Staatsanleihen zu veräußern. Gleichzeitig nimmt die Sorge vor mangelnder Budgetdisziplin und weiter steigenden Schuldenständen vielerorts zu, was die Renditen am langen Ende der Zinskurve zusätzlich steigen lässt.

Steigende Renditen am langen Ende auch im Kernland der Eurozone
Frankreich etwa hat den Haushalt 2026 nur mithilfe des Notparagrafen 49.3 durch das Parlament gebracht. Trotz dieses Kraftakts steht weiterhin ein Defizit von über fünf Prozent im Raum. Die Renditen 30-jähriger deutscher Bundesanleihen sind im Jahr 2025 um 88 Basispunkte gestiegen, während die Renditen fünfjähriger Bundesanleihen nur einen Anstieg von 29 Basispunkten verzeichneten. Es ist davon auszugehen, dass die Zinskurven ihren Versteilerungstrend fortsetzen.

Rolling Down-Effekt gewinnt an Dynamik
Ein Nebeneffekt steiler werdender Zinskurven ist Costa zufolge die zunehmende Relevanz des Roll-down-Effekts. Dieser tritt ein, wenn sich die Restlaufzeit von Anleihen im Zeitverlauf verkürzt und ihre Rendite durch die positive Kurvensteilheit fällt. In einem Umfeld unveränderter Zinskurven ermöglicht dies einen Ertrag oberhalb der Rendite auf Endfälligkeit. Im Fall einer 5-jährigen italienischen Staatsanleihe mit einer aktuellen Rendite von 2,80 Prozent würde sich die Rendite unter der Annahme einer unveränderten Zinskurve innerhalb eines Jahres um 0,22 Prozent-Punkte auf 2,58 Prozent reduzieren, was bei einer durchschnittlichen Duration von 4,5 Jahren einem zusätzlichen (Roll-down-)Ertrag von 0,99 Prozent entspricht. Die Ertragserwartung für ein Jahr läge damit bei 3,79 Prozent. Vergleicht man dies mit der Dividendenrendite des Eurostoxx, der die rund 300 liquidesten Titel der Eurozone umfasst, (2,9 Prozent) oder des Dow Jones Select Dividend Index (3,7 Prozent), wird deutlich, dass der laufende Ertrag von Anleihen mit der Dividendenrendite von Aktien konkurrieren kann.

Charttechnisches Verkaufssignal für US-Treasuries
Das charttechnische Bild ist sowohl für zehnjährige US-Treasuries als auch für deutsche Bundesanleihen negativ. Bei US-Tresauries liefern der MACD-Indikator sowie der exponentielle Moving Average und diverse kurz laufende gleitende Durchschnitte ein Verkaufssignal.

Darüber hinaus haben die zehnjährigen Treasury-Renditen mit dem Anstieg auf 4,30 Prozent ihre seit September anhaltende Seitwärtsrange nach oben verlassen und dabei die 200-Tage-Linie nach oben durchbrochen. Kurzfristig ist laut Costa damit zu rechnen, dass die Renditen ein weiteres Mal die Marke von 4,30 Prozent testen. Nach dem Überschreiten würden die Renditen Kurs auf die zyklischen Hochs bei 4,40 Prozent und anschließend 4,50 Prozent nehmen, wo sie auf einen starken Widerstand treffen. Wird die Marke von 4,20 Prozent nachhaltig unterschritten, so wäre die jüngste Bewegung als Fehlausbruch zu werten und die Renditen würden sich weiterhin zwischen 4,00 Prozent und 4,20 Prozent einpendeln.

Renditen deutscher Bundesanleihen im Aufwärtstrend
Bei zehnjährigen deutschen Bundesanleihen zeigt sich laut Costa ein ähnliches charttechnisches Bild. Zusätzlich zu den genannten Indikatoren liefern die Bollinger-Bänder ein negatives Signal. Die zyklischen Hochs vom Sommer 2025 wurden Anfang Dezember überschritten, wobei die Renditen nun die kritische Marke von 2,90 Prozent (Hoch vom März 2025) testen. Nach der Überschreitung wäre das Hoch vom September 2023 bei 3,00 Prozent eine starke Widerstandsmarke. Auf einem Niveau über 3,00 Prozent lägen die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen erstmals seit 2011 wieder oberhalb von 3,00 Prozent und würden mittelfristig Kurs auf die 3,50 Prozent-Marke (Hoch vom April 2011) nehmen. Im Fall einer Unterschreitung der Marke von 2,80 Prozent wäre auf dem Niveau der 200-Tage-Linie bei 2,70 Prozent mit der nächsten Unterstützungsmarke zu rechnen. Damit ist Costa zufolge das charttechnische Bild für US-Treasuries und Bunds negativ zu werten. (aa)

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