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Anhaltender Optimismus treibt Aktienkurse kurzfristig nach oben

Manfred Schlumberger erwartet eine anhaltende Outperformance zyklischer Substanzwerte. Kurzfristig werden die Aktienkurse weiter steigen, so der Leiter Portfoliomanagement bei StarCapital. Danach dürften aber eher die Gesetze der Schwerkraft wirken.

Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement bei Starcapital
Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement bei StarCapital
© Starcapital

Nachdem wichtige Indizes wie der Dow Jones oder auch der DAX zuletzt neue Rekordhochs erreicht haben, nehmen die Sorgen um eine mögliche Überbewertung zu. Die Aktienmärkte sind derzeit jedoch nicht zu teuer, vor allem angesichts der ultraniedrigen Zinsen. Eine Ausnahme sind die USA, wo der Technologiesektor knapp 28 Prozent am S&P 500-Index ausmacht. "Doch auch an der Wall Street ist die Situation nicht mit der Dotcom-Blase zu Beginn dieses Jahrtausends zu vergleichen. Die Bewertung wird die Hausse sicherlich nicht beenden. Diese Rolle fällt den Zentralbanken zu", sagt Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement bei StarCapital.

Umschichtungen von Renten- in Aktienfonds haben begonnen
Bis die Währungshüter ihre geldpolitischen Zügel anziehen, wird es aber noch mindestens bis 2023 dauern, wie erst jüngst Fed-Chef Jerome Powell bekräftigte. In Europa werde sich dies noch viel länger hinziehen, so Schlumberger weiter. Das monetäre Umfeld bleibe daher weiterhin sehr günstig, es sei reichlich Liquidität für die Aktienmärkte vorhanden, nicht zuletzt durch die monetäre Staatsfinanzierung. Die Zuflüsse in globale Aktien seien so hoch wie nie, zumal nun erstmals Gelder aus dem Rentenmarkt in Dividendentitel flössen.

Deutliche Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr
Die Konjunktur zeige unterdessen ein zweigeteiltes Bild: Während der Industriesektor in Europa sich im Aufschwung befinde, zeige der Dienstleistungssektor wenig positive Tendenzen. Hauptgrund sei die im Gegensatz zu den USA sehr schleppende Impfkampagne gegen das Corona-Virus. Auf Sicht der kommenden sechs Wochen könnte es im Dienstleistungssektor kritisch werden: Die dritte Corona-Welle ist bereits da und viele europäische Staaten werden in den Lockdown zurückgehen. Schlumberger führt aus: "Geht man davon aus, dass die Impfquoten auch in Europa steigen, ist im zweiten Halbjahr – getrieben von Nachholeffekten im Konsum – mit einem kräftigen Boom im Dienstleistungssektor zu rechnen. Dies lassen auch die hohen Sparquoten vermuten. Sind die vermögenden deutschen Rentner geimpft, werden sie die Kreuzfahrtschiffe stürmen und dies zu deutlichen Preisanstiegen führen."

Deflationsphase ist vorbei
Die Phase der Deflation ist dank des großen Engagements der Notenbanken definitiv vorbei. So schürten zuletzt auch steigende Rohstoffpreise und der nachlassende Wettbewerb Inflationsängste. Gefährlich werde es aber nur, die Teuerungsrate dynamisch und nachhaltig über die Schwelle von drei Prozent anstiege, so der Experte.

Bewertungsabschlag zwischen Value und Growth auf Rekordhoch
Die Zinskurve dürfte vor diesem Hintergrund steiler werden und dazu führen, dass sich zyklische Value-Titel besser entwickeln als Wachstumswerte. Dies liegt nicht zuletzt im Finanzsektor begründet, der unmittelbar von einer steigenden Zinskurve profitiert: Banken etwa können sich am kurzen Ende günstig refinanzieren und am langen Ende die Kreditzinsen erhöhen. Substanzwerte entwickeln sich grundsätzlich dann am besten, wenn die Konjunktur aus der Rezession kommt und kräftig anzieht. Der im zweiten Halbjahr zu erwartende Konjunkturboom dürfte aufgrund der immensen Nachholeffekte bis einschließlich 2022 anhalten. Für eine Outperformance der Substanzaktien spreche auch die Tatsache, dass der Bewertungsabschlag zwischen Value und Growth so hoch wie nie zuvor sei, so Schlumberger.

Goldminenaktien im Kommen
Während dieser Effekt im Finanzsektor aufgrund der strukturellen Probleme in diesem Bereich eher ein vorübergehendes Phänomen sein wird, dürften Goldminen wie Barrick Gold im Jahresverlauf wieder ein großes Thema sein – insbesondere, wenn die Inflation steigt und der Realzins dadurch sinkt.

Je höher die Märkte laufen, desto größer wird das Risiko einer heftigen Korrektur
Die Stimmung am Markt ist aktuell von viel Optimismus geprägt. Damit werde die Luft zunehmend dünner. 15.000 Punkte im Dax und 4.000 Punkte im S&P 500-Index seien kurzfristig möglich, prognostiziert Schlumberger. Danach dürften jedoch die Gesetze der Schwerkraft wirken, möglicherweise ausgelöst durch die Zinsentwicklung. "Im langfristigen Durchschnitt korrigiert der DAX einmal pro Jahr um achtzehn Prozent. Dies muss zwar nicht zwangsläufig in diesem Jahr der Fall sein. Doch je höher die Märkte laufen, desto größer wird das Risiko einer heftigen Korrektur. Anleger sollten daher auf die Sentiment-Indikatoren achten, ob der Markt überhitzt und das Bremspedal im Auge behalten. Nach größeren Turbulenzen im Sommer dürften die Märkte spätestens im vierten Quartal wieder deutlich anziehen – wenn die Pandemie dann auch in Europa im Griff ist". (kb)

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