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Angst geht um, der ETF-Boom könnte zu einer Blase führen. Zu Recht?

Vielerorts hört man, die berühmten FAANG-Aktien wären durch den ETF-Boom weiter befeuert worden und würden sich dadurch in einer Blase befinden. Doch hält dieses Gerücht einer nüchternen Betrachtung stand? "Nein", sagt Ned Davis Research (NDR), und führt dafür gute Gründe ins Treffen.

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© Smith / stock.adobe.com

NDR stellte jüngst fest, dass die Aktien von Immobiliengesellschaften und Versorgern am meisten vom Aufstieg der passiven Vermögensanlagen profitiert haben. ETFs halten 11,0 Prozent aller Immobilien- und 9,8 Prozent der Versorger-Aktien. Bei einzelnen Aktien liegt die Quote deutlich höher. Zu nennen ist hier die weitgehend unbekannte Aktie von Tanger Factory Outlet Centers, einer Immobiliengesellschaft, die in Shopping Centers investiert. Fast 32 Prozent der Aktien von Tanger Factories werden von ETFs gehalten. Das ist einsamer Rekord. Die Gefahr einer Blasenbildung droht damit offensichtlich aus einer anderen Ecke als von Amazon & Co.

Beispiel Tanger 
Fest steht laut NDR, dass Real Estate- und Versorger-Aktien die beiden Sektoren sind, die am meisten von der Zunahme der passiven Anlagen profitiert haben. Neben Tanger Factory Outlet Center nennt NDR American States Water und die California Water Service Group, bei denen mehr als 23 Prozent der frei zirkulierenden Aktien von ETFs gehalten werden. Fast an diesen Wert heran reicht der Besitz von ETFs an Aktien des Washington Real Estate Investment. An Amazon und anderen großen Tech-Titeln halten ETFs hingegen wesentlich geringere Anteile des Free Float.

Es sind also NDR zufolge kleinere Aktien wie Tanger, auf die die Investoren ihr Augenmerk richten sollten, wenn es um mögliche Blasenbildungen infolge großer passiver Besitzanteile geht. Will Geisdorf (Bild links), ETF-Stratege bei NDR, sagt dazu bildhaft: "Tanger ist der Prototyp einer Aktie, die in einer passiven Blase gefangen ist. Sollten Investoren die Aktien verkaufen wollen, besteht die Gefahr, dass sie vor dem Ausgang zertrampelt werden."

Trotz massiver ETF-Zuflüsse ist Tanger ein starker Underperformer
So fiel die Aktie 2017 und 2018 um mehr als 20 Prozent. In diesem Jahr gab sie bis dato mehr als 18 Prozent ab, während der S&P Dividend ETF (SDY), der 13 Prozent ihres Free Floats besitzt, year-to-date um mehr 13 Prozent zugelegt hat, wie die folgende Grafik illustriert. Aktie wie ETFs sind auf 100 indexiert.

Quelle: FactSet

Dividendenaristokrat leidet unter massivem Shorten
Geisdorf nennt Tanger einen Shopping Mall-Aristokraten, ist das Unternehmen doch Teil einer Gruppe von Firmen, die im SDY enthalten sind und ihre Ausschüttungen über zumindest 20 Jahre regelmäßig erhöht haben. Short Seller scheinen nicht davon überzeugt zu sein, dass Tanger diesen Status noch lange halten kann, sind doch 40 Prozent des Floats an Short Seller verliehen. Sollte sich der Druck auf klassische Retailer verstärken, werde das operative Ergebnis von Tanger unter Druck kommen, was es der Firma erschwere, die Dividende weiter anzuheben, gibt Geisdorf zu bedenken. 

Angstmachende ETFs
Der steigende Anteil passiver Investments wie ETFs wird von vielen Marktteilnehmern damit in Verbindung gebracht, dass in den letzten Jahren nur mehr ganz wenige Aktien wie Microsoft, Apple, Amazon und Facebook als Leader fungierten und den Gesamtmarkt nach oben zogen. Doch ETFs besitzen an diesen Aktien, die über die größte Gewichtung im S&P 500 verfügen, nur jeweils in etwa fünf Prozent des Free Floats.

Dass Werte wie Tanger nicht auf den Radarschirmen der Investoren erscheinen, könnte laut dem NDR-Experten daran liegen, dass sie weit weniger bekannt sind. So sei Tanger in keinem ETF unter den Top 10-Titeln zu finden, die auf den Factsheets in aller Regel abgebildet würden. Tanger sei der heimliche König der passiven Blase, so lautet Geisdorfs abschließendes Urteil. (kb) 


 

 

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