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Analyse: Wie aus dem transatlantischen Graben ein Loch wurde

Die immer stärkeren Unterschiede beim Wirtschaftswachstum in den USA und Europa reißen immer tiefere und größere Gräben zwischen den beiden westlichen Blöcken auf. Diese Divergenz sollte Investoren interessieren, meint Dr. Martin Hüfner von Assenagon.

Martin Hüfner Foto
Dr. Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon
© Assenagon

Vor dem Hintergrund, dass die Wachstumsraten der USA, des Euroraums und Deutschlands mittlerweile so weit auseinandergehen wie schon lange nicht mehr, analysiert Dr. Martin Hüfner die Gründe für diese Entwicklung. Seiner Ansicht nach sei dies keine normale Bewegung im Konjunkturzyklus, sondern ein Zeichen einer gravierenden wirtschaftspolitischen Fehlentwicklung. Dies habe erhebliche Auswirkungen auch auf die Kapitalmärkte, insbe­sondere im Aktienbereich. Ob zukünftig europäische oder erneut amerikanische Aktien besser laufen, erfahren Sie in Hüfners Kommentar, den wir nachfolgend im Originalwortlaut bringen. (aa)


"Was bei allen Klagen über die schlechte Konjunktur häufig übersehen wird: Die Weltwirtschaft ist nicht nur generell schwächer. Die Volkswirtschaften rund um den Globus entwickeln sich auch in höchst unterschiedlicher Weise.

Hervorstechend ist die Divergenz diesseits und jenseits des Atlantiks. In den USA ist das Wachstum mit 2,1 Prozent in­zwi­schen wesentlich höher als im Euroraum (1,1 %) und in Deutschland (0,5 %). Aus dem transatlantischen Graben, den es auch früher immer mal gab, ist richtiggehend ein Loch geworden. Es erinnert in fataler Weise an Krisen­zeiten der Vergangenheit, in denen Europa und Deutsch­land besonders schwach waren.

In den 80er Jahren beispielsweise gab es die Diskussion über den "défi américain" (Jean-Jacques Servan-Schreiber). In den 90er Jahren fiel Deutschland nach der Wiederver­einigung zurück. In den 2000er Jahren sprach man von Deutschland als dem "kranken Mann Europas". Jetzt sind der Euroraum und vor allem Deutschland erneut "müde Krieger" geworden. In allen früheren Fällen lösten solche Krisen wirtschaftspolitische Korrekturmaßnahmen aus.
Sie dauerten allerdings auch länger. Diesmal ist von Re­aktionen bisher jedenfalls nichts zu sehen.

Entstanden ist das transatlantische Loch im vorigen Jahr. 2017 war noch alles in Ordnung. Sowohl die USA als auch der Euroraum und Deutschland lagen beim Wachstum noch etwa gleich auf. Dann plötzlich aber schoss die Wachstums­rate in den USA regelrecht nach oben. Der Euroraum und noch stärker Deutschland fielen zurück (siehe Grafik).

In diesem Jahr setzt sich das Muster fort. Jetzt werden zwar auch in Amerika zyklische Schwächezeichen erkennbar. An sich müsste sich dadurch die transatlantische Differenz ver­ringern. In Europa und insbesondere in Deutschland geht es aber noch stärker nach unten.

Die Folge ist, dass sich der Abstand doch noch einmal ausweitet. Nach den vorliegen­den Prognosen dürfte sich die Situation erst im kommenden Jahr entspannen. Die Konjunktur sollte in Deutschland und Europa wieder an Fahrt gewinnen. In den USA geht das Wachstum dagegen etwas herunter. Das sind allerdings nur Hoffnungswerte. Jeder weiß, dass Prognostiker die Zukunft häufig gerne etwas rosiger malen.

Was ist der Grund für die unterschiedliche Entwicklung dies­seits und jenseits des Atlantiks? Oft wird hier die aggressive Handelspolitik des amerikanischen Präsidenten genannt. Er belegt die Handelspartner mit Restriktionen, um dadurch der eigenen Wirtschaft zu helfen und den anderen zu scha­den. Tatsächlich spielt dieser Faktor für die Wachstumsdif­ferenz bisher aber eher eine untergeordnete Rolle. Der Pro­tektionismus schadet allen, nicht nur den betroffenen Han­delspartnern, sondern auch den Amerikanern selbst. 

Entscheidend ist etwas anderes. Es ist die Finanzpolitik. En­de 2017 gab es eine große Steuersenkung der Amerikaner und dazu noch starke Ausgabensteigerungen. Das öffentli­che Defizit stieg um über 100 Milliarden US-Dollar. Das galt am Anfang als höchst unseriös. Es würde die Inflation anheizen, die Zin­sen nach oben treiben und das Vertrauen in die öffent­lichen Finanzen untergraben. Keine der Befürchtungen ist aber eingetreten. Die amerikanische Wirtschaft erhielt vielmehr einen deutlichen Wachstumsschub. Es gab neue Arbeitsplätze. Im Nachhinein muss man Trump – allerdings nur in dieser Hinsicht – Abbitte leisten.

Statt Trump zu kritisieren hätten die Europäer besser daran getan, die Herausforderung anzunehmen und ebenfalls die Steuern zu senken. Das wäre aus heutiger Sicht die besse­re Alternative gewesen. Ein konjunkturelles Problem, wie wir es jetzt haben, hätte es dann nicht gegeben. Die Wett­bewerbsfähigkeit der Unternehmen hätte sich verbessert. Natürlich wären die Probleme der deutschen Automobilin­dustrie dadurch nicht verschwunden. Aber vielleicht müss­ten die Unternehmen bei der Elektromobilität dann nicht so stark um Subventionen in Berlin betteln. Sie könnten mehr aus eigenen Gewinnen finanzieren.

Auch das Selbstbewusstsein der Europäer wäre gestiegen. Sie müssten sich nicht nur wortreich auf die gemeinsamen Werte berufen (was sie natürlich mit vollem Recht tun). Sie könnten darüber hinaus auch auf handfeste wirtschaftliche Erfolge verweisen. Ihr politisches Standing nicht zuletzt in den Augen von Trump wäre gewachsen. Sie hätten Hand­lungsfähigkeit gezeigt. Stattdessen hecheln sie jetzt hinter den Amerikanern her. Deutschland kann sich nicht zu einer Steuersenkung auf­raffen.

Den Konflikt mit Italien über die Fiskalpolitik, der so viel Zeit in Anspruch genommen hat, hätte es nicht gegeben. Öster­reich gehört zu den wenigen in Europa, die gezeigt haben, wie hilfreich Steuersenkungen für das Wachstum sind.

Aus dem müden Krieger wäre ein wettbewerbsfähiger Glob­al Player geworden. Der Preis wäre allerdings gewesen, dass das öffentliche Defizit und die Staatsverschuldung nicht so stark zurückgegangen wären.

Für den Anleger
Die transatlantische Wachstumsdifferenz hat sich am Ka­pitalmarkt vor allem darin gezeigt, dass die US-Aktien in den letzten eineinhalb Jahren stärker gestiegen sind als die europäischen. Das wird sich, so wie es derzeit aussieht, fortsetzen. An sich müsste sich auch die Zinsdifferenz zu den USA ausweiten. Sie ist inzwischen aber schon sehr groß. Zudem hat der Bondmarkt zuletzt vollkommen ver­rückt gespielt. Anleger sollten sich daher vorerst einmal zurückhalten. Der US-Dollar hat sich als Folge der Wachs­tumsdifferenz befestigt. Er befindet sich bei einem Niveau von USD 1,10 bis 1,15 je Euro in einem labilen Gleichge­wicht. Es gibt genauso viel Argumente für einen stärkeren wie einen schwächeren US-Dollar."

 

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