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Analyse von Japans kontraintuitiver Arbeitsmarktdynamik

Die hohe Profitabilität japanischer Unternehmen hat das wirtschaftliche Gewicht des Unternehmenssektors gestärkt. Obwohl die Arbeitslosigkeit seit mehreren Jahren sinkt, ging das zum Teil auf Kosten der Arbeitsbevölkerung. Was sind die Gründe für diese kontraintuitive Dynamik an Japans Arbeitsmarkt?

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Dan Carter, Fondsmanager des Jupiter Japan Select SICAV bei Jupiter Asset Management, analysiert: "Die Profitabilität japanischer Unternehmen hat sich in den letzten Jahren dramatisch und strukturell verbessert. Dadurch sind die Vorsteuer-Gewinnmargen aus der Spanne ausgebrochen, in der sie sich über mehrere Jahrzehnte bewegt hatten."
© Jupiter AM

Durch die deutlich höheren Gewinnmargen japanischer Unternehmen hat sich auch der Anteil des Unternehmenssektors an der japanischen Wirtschaftsleistung erhöht. Und nicht nur das – der höhere Anteil der Unternehmen am Volkseinkommen ist auf Kosten anderer Anspruchsgruppen gegangen. Dabei fällt der relative Bedeutungsverlust der Erwerbstätigen mit einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit zusammen. Das scheint dem gesunden Menschenverstand zu widersprechen. Eigentlich müsste eine niedrigere Arbeitslosigkeit doch die Verhandlungsmacht der Arbeiter stärken und zu höheren Löhnen führen?

Ältere männliche Gutverdiener durch jüngere weibliche Schlecherverdiener ersetzt
Dan Carter:  "Wie wir argumentiert haben, gibt es hier einen Faktor, der den Unternehmen in die Hände spielt: die sich verändernde Struktur der Erwerbstätigen, da besser bezahlte ältere Männer durch weniger gut bezahlte Arbeiter ersetzt worden sind. Darüber hinaus geht das Beschäftigungswachstum der letzten Jahre hauptsächlich auf den vermehrten Eintritt weiblicher Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt zurück. Das hat die strukturelle Verengung des Arbeitsmarktes durch die Alterung (Verrentung) der Erwerbstätigen gemindert.

"Perverse demografische Dividende" für Japans Unternehmen
Hinzu komme, so Carter, dass die Unternehmen ihre bestehenden Personalressourcen aufgrund des akuten Mangels an Nachwuchskräften nur noch für die profitabelsten Projekte eingesetzt haben: "Wir haben dieses Phänomen bereits in der Vergangenheit als „perverse demografische Dividende“ für den Unternehmenssektor bezeichnet. So richtig diese Erklärungen auch sind, lassen sie aber einen wichtigen dritten Faktor außen vor: die Tatsache, dass die Basislöhne tatsächlich weniger stark gestiegen sind, als die meisten Ökonomen in einem derart engen Arbeitsmarkt erwartet hätten."

Werden die Gewerkschaften Gas geben können?
Im Februar hatten die Gewerkschaften erneut die Chance, diese Lücke zu schließen: Mit den Tarifgesprächen zwischen dem japanischen Gewerkschaftsverband Rengo und Japans größtem Arbeitgeberverband Keidanren fiel in diesem Monat der Startschuss für die jährlichen Tarifverhandlungen. Angesichts des insgesamt nachlassenden Inflationsdrucks – der japanische Verbraucherpreisindex ohne frische Lebensmittel und Energie ist im Dezember 2018 um nur noch 0,3 Prozent gestiegen – meinen wir, dass der Unternehmenssektor in diesen Verhandlungen die Oberhand behalten dürfte. Zudem sind die Möglichkeiten der Unternehmen für die bereits erwähnte Reallokation ihrer Personalressourcen sicherlich noch längst nicht erschöpft. Nicht mehr sehr viel Luft dürfte es dagegen für eine weitere Ausweitung der Erwerbstätigenquote bei japanischen Frauen geben. Außerdem drängen stimmhungrige Politiker auf höhere Lohnsteigerungen für ihre potentiellen Wähler.

Résumé
"Insgesamt gehen wir davon aus, dass die japanischen Unternehmen vom engen Arbeitsmarkt weiterhin eher profitieren werden. Gleichzeitig ist uns aber auch bewusst, dass das Tempo der strukturellen Verbesserung nachlassen könnte. Daher werden wir das Risiko potenTiell ertragsschmälernder Lohnforderungen auf Einzeltitelebene genau prüfen", gibt Carter zu bedenken. (kb)

 

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