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An der Wall Street ist das Unmögliche jetzt Realität - dank Pandemie

Trotz des scheinbar endlosen Arsenals an Intelligenz und Spitzentechnologie, die auf den Finanzmärkten zum Einsatz kommen, fühlt es sich manchmal so an, als ob niemand wirklich etwas weiß. Die Reaktion der Finanzmärkte auf Corona hat dieses Gefühl noch verstärkt.

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© vege / Fotolia

Das ist vielleicht die am schwersten zu ertragende Lektion aus den letzten anderthalb Jahren, in denen die Leitindizes der US-Börsen sich so schnell verdoppelt haben wie seit 1932 nicht mehr: Die kumuliere Weisheit der Wall Street kann schnell an Wert verlieren. 

Hohe Kurse heute trotz wiederum hoher Fallzahlen
„Als Covid im März letzten Jahr zum ersten Mal sein hässliches Haupt hob, wenn mir da jemand gesagt hätte, dass wir 18 Monate später genauso hohe – wenn nicht sogar höhere – Fallzahlen haben wie an diesem Tag, dass sich der Markt jedoch binnen 18 Monaten verdoppelt, ich hätte ihn ausgelacht“, sagt Steve Chiavarone, Portfoliomanager und Leiter Multi-Asset-Lösungen bei Federated Hermes, im Gspräch mit Bloomberg.

Mehr Demut stünde den Akteuren gut an
Eine der entscheidenden Lehren aus dieser Zeit sei daher, immer etwas Demut zu haben. „Selbst wenn man das Virus vorhersagen könnte, liegt man beim Markt nicht unbedingt richtig“, so Chiavarone. „Selbst wenn man einen Wahlausgang prognostizieren könnte, macht man es in Bezug auf den Markt nicht notwendigerweise richtig.“

Viele Prognosen lagen während der Pandemie kräftig daneben
So ist es zwar nichts Außergewöhnliches, dass Unternehmen die Prognosen der Wall-Street-Analysten übertreffen. In den vergangenen fünf Quartalen schnitten die S&P-500 Unternehmen jedoch durchschnittlich mehr als 19 Prozent besser ab. Vor der Pandemie war es rund drei Prozent. Die Diskrepanz führte im Baisse-Tief im März 2020 dazu, dass Aktien gemessen an den prognostizierten Firmengewinnen etwa ein Fünftel teurer erschienen, als dies tatsächlich der Fall war.

S&P 500-Schätzungen klaffen weit auseinander
Vielleicht hilft dies zu erklären, warum Anleger die Börsen weiter nach oben treiben, obwohl Aktien so teuer scheinen wie nie zuvor. Unter den Wall-Street-Strategen gehen die Meinungen über die weitere Entwicklung indessen weit auseinander. Die höchste Jahresendschätzung für den S&P 500 liegt bei 4.825 Punkten, die niedrigste bei 3.800 Zählern.

Hohes Wachstum wie schon lange nicht mehr, dazu mehr Inflation
Julian Emanuel, Chefstratege für Aktien und Derivate beim Maklerhaus BTIG, weist darauf hin, dass die Erzeugerpreise so schnell steigen wie seit 13 Jahren nicht mehr und dass die US-Wirtschaft voraussichtlich mit einer jährlichen Rate von 6,2 Prozent wachsen wird, womit das Wachstum fast dreimal so schnell wäre wie im Jahrzehnt vor der Pandemie.

Warum werden Anleihen in diesem Umfeld nicht abverkauft?
In diesem Umfeld sollte man erwarten, dass Anleihen aggressiv verkauft werden, so der Stratege mit 30 Jahren Wall-Street-Erfahrung. Nur so erreichten die Renditen Niveaus, die sowohl mit der Inflation Schritt halten können als auch mit den Investitionsmöglichkeiten in einem wachstumsstarken Umfeld. “In welcher Welt hätten Sie sich vorstellen können, dass die Renditen zehnjähriger Anleihen eher bei 1,2 Prozent liegen würden?”, fragt Emanuel, der vor Corona dachte, am Markt schon alles gesehen zu haben und nun auf Verlusten sitzt. “Das absolut Unmögliche ist jetzt buchstäblich Alltag.” (kb)

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