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Amundi-Insti-Chef Löschmann: "2020 war wirklich ein breites Feld"

Tobias Löschmann, Head of Institutional Sales Germany bei Amundi, spricht im Exklusiv-Interview mit "Institutional Money" über die Entwicklung des Bereichs Institutional Sales in Deutschland und welche Themen Großanleger derzeit interessieren.

Tobias Löschmann, Amundi
Tobias Löschmann, Amundi: "2020 war für Amundi Deutschland ein besonders erfolgreiches Jahr."
© Axel Gaube für Institutional Money

Für Amundi Deutschland war 2020 trotz aller Corona-Probleme ein besonders erfolgreiches Jahr, wie Tobias Löschmann, Head of Institutional Sales Germany bei Amundi, im Gespräch mit "Institutional Money" berichtet. So verzeichneten die Franzosen Ende des zweiten Quartals  Zuflüsse sowohl bei Geldmarktfonds als auch in den anderen Asset Klassen. Die ausgeschiedene CEO Evi Vogl hinterlässt also ein geordnetes Feld.

IM: Herr Löschmann, Amundi Deutschland blickt auf ein gutes Jahr im Bereich Institutional Sales zurück. Können Sie hierzu ein paar Zahlen nennen?
Löschmann: 2020 war ein bewegendes Jahr. Trotzdem können wir als Team auf das erfolgreichste Jahr im institutionellen Geschäft zurückschauen. Gestartet sind wir letztes Jahr sehr gut – mit mehreren neuen Mandaten und deutlichen Aufstockungen auf bestehende Mandate bereits in den ersten zwei Monaten. Am Anfang der Lockdown-Phase waren die Mittelflüsse dann auch bei uns negativ. Im März und April sahen wir einige Abflüsse aus Geldmarktfonds.

Erfreulicherweise hat sich das zum Ende des zweiten Quartals 2020 gedreht, sodass wir ab Juni Zuflüsse – sowohl bei Geldmarktfonds als auch in den anderen Asset Klassen – hatten. Im zweiten Halbjahr 2020 hatten wir viele neue Mandate aufgelegt. Seit 2017 haben wir im institutionellen Geschäft unsere Asset-Basis um mehr als 50 Prozent steigern können.

Welche Asset Klassen wurden von institutioneller Seite 2020 besonders nachgefragt?
Löschmann: Spannenderweise können wir hier über ein breites Feld berichten, von kurzfristigen Geldmarktlösungen bis hin zu alternativen Lösungen. Besonders stark nachgefragt waren im zweiten Halbjahr 2020 Geldmarktfonds, da die Unternehmen in der Pandemie liquide Mittel erst einmal nicht ausgaben.

Sehr erfolgreich war im vergangenen Jahr aber auch unser Vario-Ansatz, eine Multi-Asset-Strategie mit Wertsicherung, bei dem der Kunde ein Risikobudget festlegt. Dieser ist zunehmend für strategische Liquidität – also mit einem Anlagehorizont von über zwei Jahren – interessant, weil Kunden mit diesem Liquiditätsblock noch positive Erträge erzielen wollen.

Aber auch die traditionellen Asset Klassen waren gefragt, sowohl passive Aktienstrategien als auch globale, europäische und EM-Aktien-Lösungen. Bei Renten waren im vergangenen Jahr eher aktive Strategien gefragt. Und auch Emerging Markets waren beliebt, sowohl aktien- als auch rentenseitig. Es war 2020 wirklich ein breites Feld.

Wie läuft das Thema Immobilien?
Löschmann: Die Immobilienquoten sind bei den meisten Investoren bereits hoch, und sie werden wohl weiter hoch bleiben oder sogar noch aufgestockt werden – wie die meisten Assets aus dem „Alternatives-Bereich“.

Und wie wird das Thema ESG bei den Investoren behandelt?
Löschmann: ESG ist natürlich bereits seit geraumer Zeit bei allen ein Thema, mit den unterschiedlichsten Fragestellungen: Nach welchen Prinzipien will ich investieren? Wie kann ich daraus Anlagerichtlinien entwickeln und diese dann praktisch im Portfolio umsetzen? Wir sind hier mit vielen Kunden in enger Diskussion. Mit den Pensionsfonds großer Konzerne sprechen wir z.B. über Low-Carbon-Strategien, die wir bei Amundi schon seit 2014 anbieten. Die Kunden sind hier unterschiedlich weit in der Umsetzung.

ESG wird auch 2021 ein großes Thema bleiben, da wird auch von der Regulierungsseite noch mehr kommen… Taxonomie, Offenlegungsverordnung und so weiter. Amundi ist hier gut aufgestellt; wir haben eine eigene ESG-Businessline, die Kunden bei ihrer ESG-Aufstellung berät, Services wie Trainings und Reporting anbietet und natürlich ESG-Portfolios managt.

Inwiefern hat sich das Nachfrageverhalten durch die Corona-Krise verändert?
Löschmann: Wie bereits erwähnt, haben wir im vergangenen Jahr nur bei Liquiditätsstrategien nennenswerte Nachfrageänderungen gesehen. Aber durch die hohe Verschuldung wird jetzt immer deutlicher, dass wir uns mit dem niedrigen Zinsniveau wohl viel länger abfinden müssen, als von den meisten erhofft. Für Investoren, die höhere Renditen brauchen, heißt das im Endeffekt: Sie müssen ihr Risiko erhöhen oder mit neuen Anlageklassen breiter diversifizieren, aber auch Risiken besser managen. Das bereits erwähnte Wertsicherungskonzept, das wir mit unserem Multi-Asset-Vario-Ansatz anbieten, passt gut zu diesen Anforderungen.

Welche Trends in Sachen Asset Allocation können Sie bei Ihren institutionellen Kunden ausmachen?
Löschmann: Da können wir zum einen die Bewegung von Credit zu Aktien beobachten, und die dürfte im Sinne der Ertragserwartung noch stärker werden. Dann sehen wir das Thema Smart Income, wo gefragt wird: Wo kann ich auf der Rentenseite noch mehr Ertrag bekommen? Im Rentenbereich geht der Trend hin zu Emerging Markets, Private Debt und Loans. Credit ist auch noch gefragt, aber nicht mehr so stark.

Die Nachfrage nach Staatsanleihen sinkt, wobei Investoren hier immer einen gewissen Anteil halten werden, wegen der Liquidität. Insgesamt glauben wir, dass sich der Schritt zu mehr Diversifizierung und nach unkorrelierten Strategien fortsetzen wird, z.B. nach Absolute Return-Strategien und Gold.

Wie sieht es aktuell mit der strategischen Liquiditätshaltung bei institutionellen Kunden aus?
Löschmann: Das ist von Kunde zu Kunde sehr unterschiedlich. Wir sehen, dass unsere Vehikel, die für Anlagezeiträume zwischen einer Woche und einem Jahr vorgesehen sind und ein Settlement von t+0- und t+1 haben, beliebt sind. Für einen Anlagehorizont von zwei Jahren plus setzen unsere Kunden dann lieber auf unser Vario-Konzept.

Gibt es bei der Beliebtheit von Cash-Vehikeln eventuell einen Zusammenhang mit dem höheren Anteil an illiquiden Anlagen in den Portfolien?
Löschmann: Liquiditätsfonds werden unter anderem genutzt, um Liquidität bis zu einer Investition zu parken. Und hier gibt es den Fall, dass es bei Fonds für illiquide Anlagen eine gewisse Zeit dauert, bis die Gelder abgerufen werden. Solange können Investoren ihre Gelder in unseren Cash-Fonds anlegen.

Gibt es größere Änderungen auf der regulatorischen Seite, die erwarten lassen, dass sich das Nachfrage-Verhalten der Institutionellen künftig verändert?
Löschmann: Hier wird wohl in den nächsten Jahren der Fokus immer stärker auf das ESG-Thema gerichtet sein.

Wohin geht hier der Trend?
Löschmann: Der Trend geht zu allen Strategien, die die globale Energiewende vorantreiben. Amundi arbeitet hier mit internationalen Organisationen an der Weiterentwicklung der „grünen“ Märkte zusammen. Mit der Weltbank haben wir z.B. den bisher größten Green-Bond-Fonds aufgelegt, der zudem ausschließlich in Emerging Markets investiert.

Ein zunehmender Fokus gilt auch dem Social-Teil von ESG. So haben wir 2020 unseren ersten Social-Bond-Fonds aufgelegt. Dieser Markt, bei dem in Projekte investiert wird, die messbar auch soziale Ziele verfolgen, wächst global.

Seit Anfang dieses Jahres steht Christian Pellis an der Spitze von Amundi Deutschland, welche Änderungen erwarten sie?
Löschmann: Mit Christian Pellis haben wir zum 1. Januar einen neuen CEO bekommen, der sehr gute Kontakte zu unserem Headoffice in Paris hat. Von dort aus war er die letzten Jahre für Amundi als Global Head of Distribution tätig und bringt langjährige Erfahrungen aus dem internationalen Geschäft mit. Davon werden wir sicherlich auch im Vertrieb profitieren und somit den 2020 erfolgreich eingeschlagen Weg weiter gehen.

Danke für das Gespräch! (ad)/(aa)

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