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Am Sparen allein wird die Welt nicht genesen

Die Frage nach der Schuld an den Niedrigzinsen wird oft mit Verweis auf Zentralbanken beantwortet. Dabei sind das Spar- und Investitionsverhalten ebenso wichtig, stellen die Experten der DWS Group fest.

Die Renditen für Staatsanleihen der Eurozone sind seit ihren Tiefstständen im August zwar wieder gestiegen, bewegen sich aber weiterhin fest im negativen Bereich. Man muss schon sehr lange Laufzeiten wählen oder bereit sein, Kreditrisiken einzugehen, um Anleihen zu finden, die zumindest eine positive Rendite ausweisen. Häufig werden Zentralbanken für die missliche Lage der Sparer verantwortlich gemacht, insbesondere die EZB. Doch EZB-Präsidiumsmitglied Philip R. Lane sieht andere Gründe für das aktuelle Renditeniveau: das rückläufige Potentialwachstum, die Demografie und den zunehmenden Wunsch nach sicheren Anlagen seien für den gesunkenen "natürlichen Zinssatz r*" verantwortlich. 

Erklärung für das niedrige Renditeniveau
Der folgende Chart liefert einen anderen Ansatz, um das niedrige Renditeniveau zu erklären. Meist wird Sparen, besonders in Deutschland, als tugendhaft, Kreditaufnahme hingegen als verwerflich charakterisiert. Wie ein Zins überhaupt erwirtschaftet wird, wird hingegen meist ausgeblendet: Sparer leihen ihre Ersparnisse an Kreditnehmer (etwa Unternehmen), die dann in der Realwirtschaft investieren (z.B. durch den Bau einer Fabrik), wodurch eine Rendite generiert wird. Ein Teil dieser Rendite wird dann wieder an die Sparer zurückgegeben. Wenn der Privatsektor keinen Kredit aufnehmen kann oder will, erschallt der Ruf an die Finanzminister, diese Aufgabe zu übernehmen. Aber es gibt Hürden: Da viele Kreditnehmer sich über die Maßen verschuldeten, haben vor allem deutsche Experten die Welt immer wieder über die Vorteile des Sparens belehrt und gleichzeitig gemahnt, bei der Aufnahme neuer Kredite vorsichtig zu sein. Das scheint vielerorts beherzigt zu werden.

Wie ein Leistungsbilanzüberschuss die Renditen nach unten drückt

Eurozone mit hohem Überschuss an Ersparnissen: Folge deutscher Tugend?
Aktuell weist die Eurozone einen Ersparnisüberschuss von mehr als 300 Milliarden Euro pro Jahr auf, konstatiert Oliver Eichmann, Head Fixed Income Rates EMEA bei der DWS. So zeigt der Leistungsbilanzsaldo der Eurozone, d.h. die Kehrseite der Ersparnisbilanz, eine erstaunliche Korrelation mit realen Renditen, wie der Chart der DWS zeigt.

Aus dieser Sicht stelle sich weniger die Frage, ob die EZB die Zinsen wieder anheben werde, sondern wie ein Umfeld geschaffen werden könne, in dem der Unternehmenssektor wieder bereit seien, zu investieren. Das könne die Geldpolitik nicht allein lösen, so die DWS-Experten. (kb)

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