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Alpbacher Finanzmarktgespräche: Wie kommt Europa aus dem Schuldensumpf? Inkl. Fotogalerie

Alpbacher Finanzmarktgespräche: Schuldenmachen in der EU ist die Achillesferse - inkl. Fotogalerie

Am 2. und 3. September fanden in diesem Jahr - eingebettet in das allseits bekannten Europäische Forum Alpbach" (18.8. bis 3.9.2011) - erstmalig die „Alpbacher Finanzmarktgespräche" statt. So ließen es sich nationale und internationale Größen der Finanzbrache nicht nehmen, um sich in dem idyllischen Tiroler Bergdorf über die derzeit heißen Fragen und Themen rund um die Finanzmärkte, darunter vor allem der europäischen Schuldenkrise, auszutauschen. Wer alles von INSTITUTIONAL Money gesichtet wurde, entnehmen Sie dieser Fotogalerie.

Debattiert wurden Fragen wie „Welche Rolle spielen Staaten als Schuldner?", „Wie können wir den Euro und die Eurozone gegen Krisen rüsten?", oder „Wie sollen wir die Finanzierung der Realwirtschaft in Hinkunft gestalten?". Barbara Bertolini von INSTITUTIONAL Money war für Sie vor Ort und hat das Wichtigste zusammengefasst:

Mayer_Thomas„Viele Städte der Währungsunion sind zu stark verschuldet. Wir müssen diese alle wieder auf den Stand zurückbringen, wie Anfangs geregelt. Meines Erachtens ist Europa noch nicht reif für eine politische Gemeinschaft", so Thomas Mayer (Bild links), Chefvolkswirt der Deutschen Bank, in seinem Anfangsplädoyer. Laut dem Finanzexperten gäbe es drei Maßnahmen zur Rettung der Währungsunion:

1. Die EZB müsse sich wieder auf ihre Kernaufgabe fokussieren

2. Wir dürfen das Prinzip der nationalen Haftung nicht verletzen

3. Wir brauchen einen Krisenmanagement-Mechanismus, der seinem Namen auch gerecht werde

Wege aus Schuldenfalle?

Wie dies in die Praxis umgesetzt werden könne, würde Mayer über zwei „Abteilungen" regeln: „Eine Abteilung kümmert sich um Länder, die in Verdacht auf Insolvenz stehen. Diese Abteilung soll begrenzte Kapitalaufnahme haben. Damit soll im äußersten Falle auch die Umschuldung gelingen", ist Mayer überzeugt. Die zweite Abteilung soll seiner Ansicht nach für Finanzstabilität sorgen und an keinerlei Grenzen zur Kapitalaufnahme stoßen.

Ansonsten gäbe es laut dem Finanzexperten auch keine Alternative zur Konsolidierung der Staatsfinanzen. „Wenn der Finanzmarkt die Länder so gegen die Wand stellt wie im Moment, haben sie keine Wahl mehr." In vielen Staaten lasse das Wirtschaftswachstum bereits nach. Daher müsse die Budgetsanierung über Einsparungen und nicht über Steuerhöhungen laufen, so Mayer weiter. Es mangelt seines Erachtens klar an Effektivität im Umgang mit größeren Risiken für Finanzstabilität.

Nowotny_EwaldÖsterreichs Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny (Bild links) gab sich - wenig überraschend - äußerst optimistisch: „Wir verzeichnen 1,97 Prozent Inflation seit der Einführung des Euros. Es ist Preisstabilität gegeben und die EZB hat ihre Aufgaben erfüllt. Die Geldmarktpolitik hat in den schwierigen Zeiten funktioniert." Sorgen macht Nowotny allerdings die Schuldenregulierung: „In der Fiskalpolitik haben wir noch viel zu kämpfen. Wir brauchen eine neue Sicht auf die öffentliche Verschuldung." So müsse Österreich 2011 und 2012 knapp 38 Milliarden Euro für sein Budgetdefizit und zur Finanzierung von bereits aufgenommenen Schulden aufwenden. In Deutschland seien es 439 Milliarden, in Griechenland 107 und in Irland 41 Milliarden. Österreich sei daher noch zu sehr von der Finanzierungsbereitschaft der Kapitalmärkte abhängig. Nowotny: „Ein Land mit hoher Verschuldung ist nicht wirklich ein souveränes Land. Die strukturelle Verschuldung, die wir derzeit haben, können wir dauerhaft nicht aufrecht erhalten", warnt dabei Nowotny und verlangt selbst von der Notenbank einen „steady hand approach". Nur mit harter, seriöser Arbeit, ohne dabei in Hysterie zu verfallen, könne die Null-Linie erreicht werden.

Einbahnstraße Euro Bonds

Das man nicht mit Euro Bonds aus der Situation herauskomme, bekräftigte Univ.-Prof. Dr. Lars P. Feld von der Universität Freiburg, der Anfang dieses Jahres in den Rat der fünf Wirtschaftsweisen vom Bundeskabinett berufen wurde und als entschiedener Verfechter der Haushaltskonsolidierung gilt. „Da höhlen wir die Pfeiler der Europäischen Union aus, die wir eigentlich brauchen. Es zählt das außerordentliche Kriterium", so Feld. Die große Herausforderung sei allerdings nach wie vor Griechenland, da hier die Zinsen und CDS-Prämien ungebremst weitersteigen. Deshalb müsse es mit einem 50-prozentigen Schuldenschnitt, gekoppelt mit einer rund 20 Milliarden Euro umfassenden Stützung der dortigen Banken, geben. Nur so könne ein Übergreifen der Krise auf deutsche oder französische Finanzinstitute verhindert werden. „Je schneller die Umschuldung für Griechenland umgesetzt wird, desto besser", schließt der Wirtschaftsweise.

Side-Event der 3 Banken-Generali Investment GmbH

Im Rahmen des Europäischen Forums lud am 2.9 Dr. Gustav Dressler von der 3 Banken Generali KAG am späten Nachmittag noch zu einem spannenden Wirtschaftsdialog u.a. mit Google-Deutschland Boss Dr. Stefan Tweraser, Microsoft Österreich Geschäftsführerin Mag. Petra Janner, Univ. Prof. Dr. Wolfgang Mazal von der Universität Wien sowie Dr. Adam Lessing von Fidelity International Österreich. Einen netten Ausklang dieses Dialoges, mit rund 150 interessierten Gästen und Zuhörern, fand im Anschluss im bekannten „Böglerhof" statt, wo noch bis tief in die Nacht debattiert wurde ....

Veranstaltungshinweis:

Am 28. und 29.2. findet in Frankfurt bereits der fünfte INSTITUTIONAL Money KONGRESS statt! Einen Rückblick sowie weitere Informationen erhalten Sie hier. (bb/aa)
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