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AllianceBernstein-Chefökonom über die aktuelle Marktsituation

Auch wenn sich die wirtschaftliche Lage in vielen Weltregionen bessert, sollten Investoren nicht zu optimistisch werden. Denn "neue" Probleme könnten die Aktienkurse erneut belasten, meint der Chefvolkswirt von AllianceBernstein (AB).

Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).
Darren Williams, AllianceBernstein (AB)
© AllianceBerstein (AB)

Die Aussichten auf die weitere Marktentwicklung könnte sich verdüstern. Die Weltwirtschaft hat sich im dritten Quartal 2020 erholt, doch nun kommt eine schwierigere Phase: Ein erneuter Anstieg der Covid-19-Ansteckungszahlen und der allmähliche Entzug von Stützmaßnahmen könnten die Lage wieder verschlimmern. Diese Prognose gibt Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB). Was der Chefökonom für die Märkte erwartet und welche Faktoren Investoren besonders im Blick behalten sollten, erörtert der AB-Mann in einer aktuellen Markteinschätzung.

Williams zufolge werde der wirtschaftliche Schaden, den die Pandemie angerichtet hat, noch einige Monate fortbestehen und erfordere zusätzliche politische Hilfsmaßnahmen. Zwar könnten die Notenbanken, etwa die Europäische Zentralbank (EZB), ihre Anleihekauprogramme erweitern. Doch ihre Munition sei weitestgehend verschossen – und nun sei die Fiskalpolitik am Zug.

Sorgen um die USA
"Besonders große Sorgen machen wir uns um die Wirtschaft in den USA", erklärt Williams. Zwar hat die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal zugenommen und etwa zwei Drittel der Einbußen vom Jahresanfang wieder wettgemacht. Doch zusätzlich zur anhaltenden Gefahr des Corona-Virus werden Sektoren wie Reisen und Freizeit noch eine Zeitlang Schwierigkeiten haben. Mehr als zehn Millionen Menschen sind nun dauerhaft arbeitslos.

"Hinzu kommt: Mit der Einstellung von Corona-Nothilfen werden die Haushaltseinkommen einbrechen – und je länger die Erholung auf sich warten lässt, desto langanhaltender wird der Schaden", warnt Williams.

Eurozone erholt sich allmählich
Europas Wirtschaft hat dagegen angenehm überrascht: Nachdem sie im zweiten Quartal um ganze 11,8 Prozent geschrumpft war, erwarten AllianceBernstein ein Wachstum von mehr als zehn Prozent im dritten Quartal – und damit einen Output von lediglich fünf oder sechs Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Das betrifft vor allem den Einzelhandel, wo die Umsätze um 27 Prozent angestiegen sind.

Zwar könnten erneute Infektionsausbrüche der Konjunktur einen Dämpfer versetzen, doch ab dem kommenden Frühling dürfte die Erholung nachhaltiger sein – vorausgesetzt, man bekommt das Virus unter Kontrolle und die fiskalischen Stützmaßnahmen dauern fort.

Zuviel Vorfreude sei jedoch verfrüht, denn das Bild ist immer noch durchwachsen: Verarbeitendes Gewerbe, Bau und KFZ-Zulassungen sind immer noch sieben, drei beziehungsweise neun Prozent unter Vorkrisenstand und auch der Einkaufsmanagerindex PMI ist schon zwei Monate infolge gefallen, erinnert Williams.

Chinas Wirtschaft hingegen gewinnt weiter an Fahrt und Tiefe
Williams rechnet damit, dass die wirtschaftliche Erholung auch im vierten Quartal anhält, gestützt durch zusätzliche geldpolitische Impulse. Viele Indikatoren deuten darauf hin, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen verbessern, darunter die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende und nicht-verarbeitende Gewerbe.

"Dennoch sollten Investoren gewisse Risiken nicht außer Acht lassen: Die Spannungen zwischen den USA und China nehmen zu und könnten im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen eskalieren – und sich fortsetzen, sollte Donald Trump im Weißen Haus bleiben. Besonders für Unternehmen, die nicht in globale Lieferketten oder Systeme integriert sind, stellen US-Sanktionen eine Gefahr dar", erklärt Williams abschließend. (aa)

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