Aktienmarkt: Nachzügler holen plötzlich auf
Investoren schichten derzeit von den großen US-Technologiewerten in andere, bislang vernachlässigte Titel um. Profiteure sind Value- und Small Caps, wie einer Julius Bär-Analyse zu entnehmen ist.

Eckpunkte:
- Die Konzentration am Aktienmarkt löst sich allmählich auf
- Faktor-Rotation: Value vor Growth, Small Cap vor Large Caps
Die jüngsten Daten zeigen, dass die Konzentration auf Mega-Cap-Technologiewerte allmählich zurückgeht und Aktien wieder stärker in der Breite nachgefragt werden. Die Rotation hält Nenad Dinic vom Equity Strategy Research von Julius Bär für eine gesunde Entwicklung und geht davon aus, dass sie sich weiter fortsetzen wird. Im Ergebnis kaufen Investoren nun andere Aktien als in den vergangenen Jahren.
Drei Jahre lang standen US-Tech-Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung für den Großteil der weltweiten Gewinne am Aktienmarkt. Nun findet eine laut Nenad Dinic ebenso bemerkenswerte wie gesunde Rotation statt. Noch machen US-Aktien rund 80 Prozent des Aktien-ETF-Universums aus, obwohl das Land nur etwa 15 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung stellt. "Die daraus folgende Fokussierung auf US Big Tech ist zunehmend untragbar geworden", merkt Dinic an.
Marktbreite nimmt dynamisch zu
Inzwischen verschiebt sich die Dynamik deutlich. Aktuell übertreffen 63 Prozent der S&P-500-Unternehmen die Benchmark – das ist der höchste Stand seit 2001. Diese Ausweitung der Marktbreite spiegelt sich auch in den Kapitalflüssen wider. Laut Daten von Bloomberg verzeichneten Aktien-ETFs, die US-Titel ausschließen, allein im Januar Zuflüsse in Höhe von 39,7 Milliarden US-Dollar und damit den höchsten jemals verzeichneten monatlichen Wert.Auch ETFs für Schwellenländer-Aktien registrieren seit 15 Wochen in Folge Zuflüsse.
Stil-Rotation
Darüber hinaus hat offensichtlich eine Stil-Rotation eingesetzt: Zum einen haben globale Value-Aktien seit Anfang November eine um 15 Prozentpunkte bessere Performance erzielt als Growth-Titel. Zum anderen liegen Small Caps um 9,3 Prozent vor Large Caps. Sowohl Value als auch Nebenwerte hatten sich zuvor vier Jahre lang unterdurchschnittlich entwickelt.
"Wir halten diese Rotationsentwicklungen für positiv und zeitgemäß. Das Konzentrationsrisiko nimmt ab, da sich die überlaufenen Positionen in US-Tech-Titeln allmählich auflösen und Raum für Diversifizierung schaffen", kommentiert diese Entwicklung Dinic.
Europa feiert eine Renaissance
Europäische Aktien etwa punkten Dinic zufolge mit einem erwarteten Gewinnwachstum von rund acht Prozent und besseren finanzpolitischen Rahmenbedingungen, insbesondere in zyklischen und Value-lastigen Segmenten. Wer eine Allokation in hochwertigen defensiven Anlagen – wie zum Beispiel Schweizer Aktien oder Health Care – beibehält, kann gleichzeitig für Stabilität sorgen.
"Auch asiatische Märkte, wie Japan, Indien und China, profitieren von den Verschiebungen, ebenso wie Schwellenländeraktien generell. Solide Gewinne und die erwartete Lockerung der Geldpolitik durch die Fed dürften weiter für Rückenwind sorgen", merkt Dinic abschließend an. (aa)

