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Aktien sind wieder teuer für Edmond de Rothschild Asset Management

Die Corona-Pandemie breitet sich weiter aus und stellt auch weiterhin eine Bedrohung dar. Trotzdem setzen die Finanzmärkte ihren Erholungskurs fort. Aber: „Die Renditen unterschiedlicher Anlageformen und Sektoren variieren“, warnt Benjamin Melman von Edmond de Rothschild Asset Management.

Benjamin Melman
Benjamin Melman, Global Chief Investment Officer von Edmond de Rothschild Asset Management
© Edmond de Rothschild Asset Management

Die Zentralbanken haben ihre Staatsanleihenkäufe intensiviert. Selbst das lange Ende der Zinsstrukturkurve bewegt sich derzeit nur noch wenig bei Nachrichten, die normalerweise größere Verschiebungen verursachten. „Aber der Einfluss der Zentralbanken geht weit über die Renditen von Staatsanleihen hinaus“, gibt Benjamin Melman, Global Chief Investment Officer von Edmond de Rothschild Asset Management, zu bedenken. So stimme es zwar, dass Rating-Agenturen ihre Ausfallprognosen reduziert hätten. „Das Ausmaß, in dem sich die Spreads von Unternehmens- und Schwellenländeranleihen verringerten, ist jedoch das Ergebnis der massiven Liquiditätszufuhr der Zentralbanken“, so Melman.

Ist Technologie wirklich der Krisen-Gewinner?
An den Aktienmärkten herrscht wieder Feierlaune. Der Nasdaq 100 ist seit Jahresanfang um mehr als 30 Prozent gestiegen, und die Rallye seit den Tiefständen im März gleicht einer Parabel-Kurve. Seit Anfang 2019 hat sich der Index-Stand sogar verdoppelt. „Zugegeben: Im Gegensatz zur Dotcom-Blase Ende der 90er-Jahre haben Technologieaktien zumeist die Gewinnerwartungen erfüllt“, so Melman. So bestehe kein Zweifel, dass relativ betrachtet Technologie als der große Gewinner aus der Corona-Krise hervorgegangen sei. Weniger klar sei jedoch, ob dies auch in absoluten Zahlen der Fall sei. „Wenn nach dem sehr schwierigen laufenden Jahr die Budgetplanungen für 2021 beginnen, wird es interessant sein zu sehen, wie hoch die IT-Investitionen der Unternehmen tatsächlich ausfallen.“ Erst dann zeigt sich nach Ansicht des Experten, ob die großen Hoffnungen tatsächlich gerechtfertigt sind, auf denen die aktuellen Bewertungen basieren.

Andere Aktienmärkte wesentlich weniger dynamisch
Andere Aktienmärkte, darunter Europa und die Schwellenländer, haben längst nicht solch eine dynamische Entwicklung wie die Nasdaq vollzogen. Für den Experten von Edmond de Rothschild Asset Management ist dennoch klar: „Angesichts der Bedeutung des US-amerikanischen Technologiesektors sowie der Gewichtung des US-Marktes in den globalen Indizes sind die Aktienmärkte insgesamt inzwischen wieder teuer.“ Dies gelte sowohl im Vergleich mit historischen Maßstäben als auch vor dem Hintergrund des weiterhin sehr unsicheren ökonomischen Umfelds. Dies erlaubt Melman einige Einschätzungen der mittel- bis langfristigen Aussichten: „Die Marktrenditen werden niedriger ausfallen – während gleichzeitig jeder Schock einen größeren Ausverkauf auslösen kann.“ Aus dieser grundsätzlichen Perspektive könne man jedoch keine Aussage über die kurzfristigere Wertentwicklung innerhalb der kommenden Quartale ableiten, stellt der Experte klar.

Wann kommt der Impfstoff?
Die unterstützende Geldpolitik dürfte noch eine ganze Weile andauern, was die Federal Reserve gegenüber Investoren auch durch ihr geändertes Inflationsziel unterstrich. Gleichzeitig schreitet die Erholung nach dem Lockdown voran. Eine zentrale Frage innerhalb der kommenden Wochen dürfte sein, ob ein Medikament gegen Covid-19 marktfähig wird. „Es besteht Grund zur Annahme, dass noch vor Jahresende ein solcher Impfstoff zugelassen wird“, denkt Melman. „Sollte dies der Fall sein, dürften sich zyklischere Märkte wie Europa, Japan und die Schwellenländer erholen. Aus diesem Grund haben wir unsere Gewichtung in europäische Aktien auf Kosten von US-Aktien erhöht.“

Der Kampf ums Oval Office
Beim US-Wahlkampf sieht auch Melman zwar große Unterschiede zwischen den Programmen der Demokraten und der Republikaner. Dennoch ist der überzeugt: „Was die Märkte wirklich wollen ist, dass Kongress und Weißes Haus auf einer Wellenlänge liegen.“ Zwar möchten die Demokraten Donald Trumps Steuersenkungen zurückdrehen und die Regulierung in Bereichen wie Energie, Gesundheitswesen und Technologie erhöhen. Gleichzeitig zeigen sie sich aber auch am entschlossensten bei der Frage, ein Konjunkturprogramm auf den Weg zu bringen. „Sollte Trump wiedergewählt werden, ist einzig und allein gewiss, dass es keine Änderung des fiskalischen Rahmens geben wird. Eine Regulierung von Technologieunternehmen oder der Gesundheitsbranche kann dagegen nicht ausgeschlossen werden.“ Ebenfalls budgetäre Stimuli hält der Finanzexperte in diesem Fall sowohl für weniger stark ausgeprägt als auch für unwahrscheinlicher.

Pattsituation zwischen Weißem Haus und Kongress wäre ungünstigEine ungünstige
 „Und das schlimmste Szenario wäre, wenn die Wahlergebnisse infrage gestellt würden – gerade angesichts der bereits massiven politischen Polarisierung in den Vereinigten Staaten“, so Melman. Doch nicht einmal für diesen Fall sieht der Finanzexperte eine Notwendigkeit dafür, die Investment-Allokation seines Hauses grundsätzlich infrage zu stellen. „Wir sind uns bewusst, dass dies die Volatilität erhöht. Aber für uns wäre es kein Grund, die Anlage-Politik zu ändern.“ (kb)

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