Agrarpreise steigen so stark wie seit 2012 nicht mehr
Kriege und Extremwetter sorgen dafür, dass die Agrarpreise in einem Monat so stark wie seit 2012 nicht mehr gestiegen sind. Angesichts der zahlreichen Bedrohungen für die Ernten weden noch höhere Preise wahrscheinlicher.

Eckpunkte:
- Der Monat August brachte stark steigende Argrarpreise gemessen an den Futures
- Das liegt an Faktoren wie dem Wetter und Versorgungsengpässe durch Kriegshandlungen
Die Preise für Agrarrohstoffe steuern auf ihren stärksten monatlichen Anstieg seit mehr als einem Jahrzehnt zu. Kriege und extremes Wetter beeinträchtigen die Versorgung und schüren damit Sorgen über eine steigende Lebensmittelinflation. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.
Der Bloomberg Agriculture Spot Index, der zehn wichtige Produkte abbildet, ist im August bis Freitag um mehr als 13 Prozent gestiegen und damit auf dem Weg zum stärksten Zuwachs seit Juli 2012. Weizen war einer der größten Preistreiber. Die Notierungen erreichten zuletzt ein Dreijahreshoch, nachdem Angriffe auf Häfen am Schwarzen Meer die Lieferungen aus einer wichtigen Anbauregion einbrechen ließen. Auch Zucker und Kakao verteuerten sich um etwa 20 Prozent, da ein sich verstärkender El Niño die Sorgen über die Wetterbedingungen schürt.
Höhere Kerninflationsraten drohen
Zwar kann es einige Zeit dauern, bis höhere Agrarrohstoffpreise in den Supermarktregalen ankommen. Doch die Preissteigerungen treffen auf bereits höhere Energie- und Transportkosten infolge des Kriegs im Iran. Das verstärkt die Sorgen über die Kosten alltäglicher Grundnahrungsmittel von Brot bis hin zu Fleisch und Milchprodukten.
Bei Weizen haben sich die Getreideexporte aus der Ukraine und Russland verlangsamt, da beide Seiten gegenseitig Schiffe und Häfen angreifen. Russland bereitet offenbar zudem eine Ausweitung seiner Angriffe vor, nachdem es zu dem Schluss gekommen ist, dass die Verhandlungen über ein Friedensabkommen in einer Sackgasse stecken, wie vergangene Woche bekannt wurde.
Höhere Getreidepreise trotz voller Läger?
Zusammen stehen die beiden Länder für mehr als ein Viertel der weltweiten Weizenexporte sowie für große Mengen an Gerste, Mais und Sonnenblumenöl. Damit gebe es nur wenige naheliegende Möglichkeiten, die entstehende Lücke zu schließen, erklärte Lachstock Consulting am Montag in einer Mitteilung. Unverkauftes Getreide häuft sich, und das ukrainische Landwirtschaftsministerium erwartet, dass die Landwirte für die Saison 2027 weniger Winterweizen anbauen werden.
“Die Qualität in Argentinien ist fraglich, Kanada stößt an Grenzen, Australien hat Kapazitätsbeschränkungen beim Export und US-Weizen wird zunehmend zum teuren Restlieferanten”, erklärte Lachstock. “Wenn die Exporte über das Schwarze Meer nicht wieder in Gang kommen, sieht es zunehmend danach aus, dass der Markt mit einem Versorgungsproblem über mehrere Saisons hinweg zu kämpfen hat und nicht mit einem kurzfristigen Logistikproblem.”
Hitzewellen schädigten die laufenden Ernten, El Niño bedroht nächste Ernten
Schlechtes Wetter bereitet ebenfalls Probleme. Die Maisernten in den USA und Europa wurden von sommerlichen Hitzewellen beeinträchtigt. Ein starker El Niño dürfte zudem bis ins kommende Jahr Risiken für die Ernten mit sich bringen. Das hat Rohstoffe wie Kakao verteuert, da Sorgen darüber bestehen, wie sich das Wetterphänomen auf die Entwicklung der Pflanzen in Westafrika, der wichtigsten Anbauregion, auswirken wird.
Die Zucker-Futures in New York sind im August um rund 20 Prozent gestiegen - so stark wie seit 2015 nicht mehr. Beim wichtigen Produzenten Indien sind die Lagerbestände knapp, während zugleich die Nachfrage vor der anstehenden indischen Festsaison mit Feiertagen wie Dussehra und Diwali steigt, in der traditionell besonders viele Süßwaren konsumiert werden. Die Regierung unternahm zuletzt den seltenen Schritt, einige zollfreie Importe zuzulassen, um die Preise einzudämmen.
Neue Spannungen im Nahen Osten lassen zudem die Sorgen über die Versorgung mit Treibstoff und Düngemitteln wieder aufleben, die für die Landwirtschaft weltweit von entscheidender Bedeutung sind. Die USA griffen am Wochenende iranische Raketenwerfer an. Es war ihre erste Militäraktion gegen das Land seit Wochen. (aa)


