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Agieren Hedgefonds heute zu konservativ und risikoscheu?

James Williams von Hedgeweek analysiert, ob die eher mauen Performanceergebnisse der Branche vielleicht auf eine zu geringe Risikofreude und einer Überbetonung von Unternehmensrisiken des Hedgefondsmanagers zurückzuführen sind.

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© mattz90 / stock.adobe.com

Ein kürzlich erschienenes White Paper von Willis Towers Watson mit dem Titel "Hedge Funds: A New Way" stellt fest, dass das Alpha-Niveau und die Volatilität von Alpha auf ihrem bislang niedrigsten Level angelangt sind. Trotzdem bricht es eine Lanze für diese Assetklasse, die in einem institutionellen Portfolio ihren Platz haben sollte. Willis Towers Watson untersuchte den Zeitraum von 1993 bis 2018 und stellte dabei fest, dass die höchste rollierenden monatlichen Alphas zwischen 1993 und 1998 erzielt wurden, während die niedrigsten 2012 bis 2018 beobachtet werden konnten. Die Gretchenfrage lautet: Handelt es sich dabei um einen temporären Zyklus, aus dem die Hedgefondsresultate auch wieder einmal ausbrechen werden oder um einen langfristigen Trend schwacher Renditen, der unweigerlich zu Abflüssen von Assets führt?

Analyse des Status quo
Der Consulter identifizierte jedenfalls mehrfachen strukturellen Gegenwind, dem die Hedgefondsindustrie ausgesetzt ist, um die schwachen Ergebnisse erklären zu können. James Williams zufolge würden Hedgefonds zu viel Bedeutung dem Unternehmensrisiko beimessen. Hedgefondsmanager hätten zu wenig Marktrisiko (Beta) - und damit auch zu wenig Volatilität - auf die Bücher genommen, das sie ihre Investoren nicht verschrecken wollten. Anstelle dessen hätten sie sich verstärkt auf die Beibehaltung ihrer Managementgebühren fokussiert. Das führte dann zu geringeren Renditen und verringerten Renditeerwartungen. Diese Betrachtung bezieht sich auf Durchschnittswerte, man darf aber nicht vergessen, dass es in den letzten Jahren sehr wohl Hedgefonds wie Two Sigma gegeben hat, die 15 Milliarden US-Dollar an Netto-Gewinnen seit Fondsauflage für ihre Investoren realisieren konnten. 

Veränderte Investorenschaft
James Williams sprach unter anderem mit Panayiotis Lambropoulos, einem Portfolio Manager of Hedge Funds bei einem öffentlich-rechtlichen Pensionsfonds, dem Employees Retirement System of Texas (ERS). Dieser beobachtete im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise, dass Hedgefondsinvestoren rasch reagierten: Sie untersuchten, welche Hedgefonds zwischen 2007 und 2009 gut performten oder zumindest das eingesetzte Kapital bewahren konnten, und wendeten sich dann an die großen, etabliertesten unter den Hedgefondsmanagers, also and die Googles und IBMs dieser (Hedgefonds)-Welt. Damit veränderte sich auch die Investorenbasis beträchtlich. Waren es zuerst 50 Prozent Dachhedgefonds und Family Offices, so gingen diese in Richtung zehn Prozent zurück, während Pensionspläne von null auf 40 bis 50 Prozent Anteil kletterten. Die Folge davon war eine veränderte - nämlich verringerte - Risikotoleranz, um den Ansprüchen der neuen Investoren zu entsprechen. 

Ein bisschen mehr Risiko darf es schon sein
Panayiotis Lambropoulos berichtete, dass man sich die Dickschiffe genauer ansah und dabei feststellte, dass diese keine breite Palette an Lösungen anboten, sondern sehr resistent gegenüber Veränderungen waren. Sie saßen auf großen Beständen an Assets, generierten hohe Gebühren von ihren Flaggschifffonds und hatten kein Interesse daran, hier viel zu ändern. Dabei bräuchte es verschiedene Renditetreiber und mehr Risiko, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Denn Manager, die ein wenig zu konservativ seien, seien nun einmal für den Pensionsplan von Texas nicht ausreichend, so Lambropoulos.

Individuelles Design sticht
Willis Towers Watson meint, um die Hedgefondsperformance zu optimieren, sei es notwendig, die einzelnen speziellen Skills der Manager zu isolieren und breit aufgestellte Multi-Strategie-Fonds zu meiden, damit man schließlich neue, kreative Mandate (Customised Solutions) designen könne, die die Anforderungen bestünden. Eine Veränderung - weg vom Unternehmensrisiko und hin zum Marktrisiko - zwecks Erreichung eines angemessenen Risiko-/Ertrags-Profils zeichnen jene Fonds aus, mit denen Willis Towers Watson kooperiert. Der Consulter empfiehlt Hedgefonds, die zu sehr auf Operationales und Infrastruktur fokussiert sind, um Carve-Outs und individuelle Mandate managen zu können, diese Teile auszulagern und sich wieder ganz auf ihr eigentliches Geschäft zu konzentrieren. 

Carve-outs
Diese sind beileibe kein Novum, rücken aber verstärkt in den Fokus von Pensionsfonds, Staatsfonds und Consultants, die aus ihren Hedgefondsallokationen das meiste herausholen wollen. Aufstrebende junge Manager sind ein idealer Ideen-Pool, um solche Experimente durchzuführen, da sie ungleich williger sind, mit Investoren in einer frühen Phase ihrer noch jungen Unternehmensgeschichte an Speziallösungen zum gegenseitigen Vorteil zu arbeiten. 

Lambropoulos bestätigte, dass sein ERS solche maßgeschneiderten Lösungen im Compartment "Directional Growth" laufen habe. Innerhalb dieser Applikation fänden sich Strategien mit Short Extension, also 130/30 und 150/50-Ansätze, bei denen Performance Fees nur dann fällig würden, wenn eine zuvor vereinbarte Benchmark outperformt werde. Doch diese Lösungen seien eher Ausnahme denn Regel. Man müsse sich nur früh genug mit dem aufstrebenden Manager in einem Dialog einlassen, um seine DNA zu verstehen und an Daten zugelangen, die eine gründliche Performanceattribution ermöglichen. Das ermögliche dann auch Gespräche auf Augenhöhe, so ​Lambropoulos.

Kunst, die richtigen Manager aufzuspüren
Hedgefondsinvestments zu tätigen, ist mehr als bloße Arbeit, geht es doch um das Aufspüren der Perlen, die sich einem nicht sofort erschließen. Technologie und Analyse von Lebensläufen helfen dabei. Lambropoulos ist ein großer Verfechter von einer entsprechenden IT-Infrastruktur, um die den Hedgefondsansätzen wirklich zugrundeliegenden Risiken zu erkennen. Das gilt im Übrigen für traditionelle Assets genauso wie im Alternative-Bereich. 

Keine vergebliche Liebesmüh`
Angesichts dieser vielfältigen Herausforderungen wäre es für Willis Towers Watson ein Leichtes, seinen Kunden zu empfehlen, die Finger von Hedgefonds zu lassen. Doch der Consultant glaubt, dass es in der Hedgefondsszene viele Talente aufzuspüren gibt, die bei Portfolios mit vielen Freiheitsgraden - also einem im besten Fall Unconstrained-Ansatz - eine Menge Alpha generieren können. Nur die Art und Weise, wie man das Alpha extrahiere, müsse sich ändern. In Flaggschifffonds mit vielen Anlageeinschränkungen (Constraints) zu gehen, sei nicht der Weg der Zukunft. Gerade jetzt, wo viele fürchteten, dass die Märkte heißgelaufen seien, sei eine Hedgefondsallokation ein probates Mittel zur Diversifikation und Absicherung. (kb)

 

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