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Acht-Jahres-Deal: Deutschland setzt auf argentinisches Fracking-Gas

Argentinien hat erstmals langfristige LNG-Vereinbarungen getroffen, der Abnehmer ist Deutschland. Der von Berlin verstaatlichte Energiehändler Securing Energy for Europe hat dafür eine Acht-Jahres-Vereinbarung über die Lieferung von bis zu zwei Millionen Tonnen LNG pro Jahr ab 2027 unterschrieben.

Javier Mileis Argentinien wird zu einem großen Erdgas-Exporteur dank der Vaca Muerta-("Tote Kuh")-Lagerstätte.
Javier Mileis Argentinien wird zu einem großen Erdgas-Exporteur dank der Vaca Muerta-("Tote Kuh")-Lagerstätte.© Bloomberg / Bloomberg News

Dieser Schritt markiert Argentiniens Einstieg in den globalen LNG-Handel. Sefe (Securing Energy for Europe), ein ehemaliges Gazprom-Unternehmen, das nach der russischen Invasion in der Ukraine von Deutschland verstaatlicht wurde, sucht seit Jahren nach neuen Bezugsquellen, um die Abhängigkeit von Moskau zu verringern. Die Vereinbarung soll auf FOB-Basis geschlossen werden und hängt noch von der finalen Ausarbeitung des Liefervertrags ab, wie Bloomberg berichtet.

Sefe will seinen Altvertrag mit Russland bis Anfang 2027 beenden
Dann tritt das Verbot der Europäischen Union für Geschäfte mit russischem Flüssigerdgas in Kraft, wodurch Unternehmen aus ihren Verträgen aussteigen können. Auf argentinischer Seite steht ein Konsortium von Erdgasproduzenten unter Führung der Pan American Energy Group, die zu 50% dem britischen Energiekonzern BP gehört.

Die argentinische Seite bezeichnet die Vereinbarung als Durchbruch
Das Abkommen, das noch finalisiert werden muss, sei “ein zentraler Meilenstein für die künftige Entwicklung der Gasressourcen in Vaca Muerta”, erklärte Rodolfo Freyre von Pan American, der das Konsortium namens Southern Energy leitet. Die Lieferungen sollen Ende 2027 beginnen und einen Großteil der Kapazität der ersten schwimmenden Verflüssigungseinheit von Southern Energy auslasten, die von Golar LNG bereitgestellt wird. Rund ein Jahr später soll Golar eine zweite Einheit liefern und die Gesamtkapazität auf etwa sechs Millionen Tonnen jährlich erhöhen.

Vaca Muerta zählt zu den weltweit größten Schiefergas- und Schieferöl-Vorkommen
Für Argentinien ist das Abkommen eine weitere Bestätigung seiner Schiefergas-Strategie. Während die Öl- und Gasförderung in der Vaca-Muerta-Region boomt, waren die Exportperspektiven für Gas bislang schwieriger, da umfangreiche Infrastrukturinvestitionen und langfristige Lieferzusagen nötig sind. Mit dem Export können Außenhandelsdefizite reduziert und Staatseinnahmen über Exporterlöse und Steuern generiert werden — Teil einer Strategie von Präsident Javier Milei, Argentinien zu einem energieexportierenden Staat zu machen.

Zweites Projekt
Ein zweites LNG-Projekt unter Führung des staatlichen Unternehmens YPF wurde noch nicht offiziell freigegeben. Indien hat jedoch bereits Interesse als potenzieller Abnehmer signalisiert. (kb)

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