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Aberdeen: Märkte trotzen steigenden Risiken

Aberdeen Investments hat seinen aktuellen vierteljährlichen „House View“ zur makroökonomischen Lage und zu den Anlageaussichten veröffentlicht. Demnach dürfte die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2026 und darüber hinaus weiter wachsen – trotz steigender Risiken.

Aus Sicht von Peter Branner, Chief Investment Officer bei Aberdeen Investments, dämpfen geopolitische Risiken und schwankende Inflationsraten die Zuversicht. 
Aus Sicht von Peter Branner, Chief Investment Officer bei Aberdeen Investments, dämpfen geopolitische Risiken und schwankende Inflationsraten die Zuversicht. © Aberdeen Investments

Eckpunkte:
• Globales Wachstum über langfristigem Trend, Inflationsrisiken bleiben
• Geopolitische Unsicherheiten und Spätzyklusrisiken dämpfen die Zuversicht
• Ausblick für Aktien und Anleihen moderat positiv; KI bleibt zentraler Treiber


Dem aktuellen „House View“ von Aberdeen Investments für das dritte Quartal zufolge dürfte die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2026 und darüber hinaus weiter wachsen. Unterstützt werde diese Entwicklung durch Investitionen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI), einen stabilen Konsum sowie eine lockerere Fiskalpolitik. Für das laufende Jahr erwartet Aberdeen Investments ein Wachstum von rund 3,2 Prozent, das damit über dem langfristigen Trend liegt. Gleichzeitig bleibe die Inflation infolge des jüngsten Energieschocks erhöht.

Fed: Zinssenkungen erst 2027
Aberdeen Investments geht in Bezug auf die Inflation davon aus, dass diese länger erhöht bleibt als bislang erwartet. Ursache seien vor allem Nachwirkungen des Energieschocks, auch wenn sich der zugrunde liegende Preisdruck allmählich abschwächen dürfte. Vor diesem Hintergrund könnten die Zentralbanken ihre Leitzinsen weniger stark lockern, als derzeit vom Markt eingepreist, erwartet der Asset Manager. So dürfte die US-Notenbank Fed ihre Leitzinsen 2026 unverändert lassen und erst 2027 wieder Senkungen vornehmen. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE) dürften demnach ihren Straffungszyklus ebenfalls pausieren. Für die Bank of Japan wird erwartet, dass diese ihren Kurs gradueller Zinserhöhungen voraussichtlich fortsetzen wird.

Unsicherheit bleibt hoch
Während das makroökonomische Umfeld weiterhin Rückenwind für Risikoanlagen biete, weist Aberdeen auf ein hohes Maß an Unsicherheit hin. Geopolitische Risiken, schwankende Inflationsraten und die Dynamiken der Spätphase des Konjunkturzyklus dämpfen die Zuversicht des Asset Managers hinsichtlich des positiven Szenarios. „Die Weltwirtschaft zeigt sich weiterhin widerstandsfähig, gestützt durch starke Unternehmensgewinne und den anhaltenden Investitionszyklus rund um Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig befinden wir uns in einer komplexeren Phase des Konjunkturzyklus, in der geopolitische Risiken hoch bleiben und Inflationsschocks häufiger auftreten“, erklärt Peter Branner, Chief Investment Officer bei Aberdeen Investments. „Unser Basisszenario geht von einer Stabilisierung der Ölmärkte und einer Fortsetzung des globalen Wachstums aus. Die Abwärtsrisiken bleiben jedoch erheblich. Anleger sollten daher weiterhin grundsätzlich positiv auf risikobehaftete Anlagen blicken, gleichzeitig aber auf Diversifikation und Widerstandsfähigkeit ihrer Portfolios achten.“

Schwache Binnennachfrage in China
China profitiere Aberdeen Investments zufolge weiterhin von der Nachfrage nach KI- und Green-Tech-Lösungen. Gleichzeitig dürften die schwache Inlandsnachfrage und die Herausforderungen im Immobiliensektor zusätzliche gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen erforderlich machen. Auch die Schwellenländer insgesamt zeigten sich robust, gestützt durch KI-getriebene Investitionen, wenngleich sich die Entwicklung regional unterschiedlich gestalte.

Störungen der Lieferketten
Und Paul Diggle, Chief Economist bei Aberdeen Investments, erläutert: „Die Weltwirtschaft befindet sich zunehmend in einem Umfeld höherer Inflationsvolatilität, das unter anderem von geopolitischen Entwicklungen und Störungen der Lieferketten geprägt wird. Auch wenn sich der jüngste Energieschock als vorübergehend erweisen dürfte, könnten angebotsseitige Schocks künftig häufiger auftreten. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von Marktphasen, in denen sich Aktien und Anleihen gleichläufig entwickeln. Dies unterstreicht die Bedeutung einer breiten Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und Regionen hinweg.“

US-Dollar: Weiter mit Aufwertung rechnen
Für den US-Dollar hat Aberdeen seine Einschätzung leicht reduziert, rechnet jedoch weiterhin mit einer Aufwertung der Währung. Hintergrund ist ein Rückgang der geopolitischen Risikoprämie. Unterstützt werde der Dollar weiterhin durch das vergleichsweise starke Wirtschaftswachstum in den USA, KI-bedingte Kapitalzuflüsse sowie die Möglichkeit eines dauerhaft restriktiveren Kurses der US-Notenbank. Langfristig könnten jedoch eine schrittweise Diversifizierung weg vom Dollar sowie steigende Goldreserven der Zentralbanken Gegenwind erzeugen.

Bedenken bei Direct Lending
Während Investment-Grade-Segmente im Private-Credit-Markt robust bleiben und attraktive Renditeaufschläge gegenüber öffentlichen Märkten bieten, zeigten sich in Teilen des Direct-Lending-Marktes erste Belastungserscheinungen, so Aberdeen Investments. Dazu zählten Bedenken hinsichtlich der Kreditvergabestandards, der Fondsliquidität sowie möglicher Verschlechterungen der Rahmenbedingungen im weiteren Konjunkturverlauf. Man halte an einer neutralen Einschätzung für den Private-Credit-Markt fest, so der Asset Manager.

Immobilien: Verbesserung der Fundamentaldaten
Der Asset Manager bleibt für direkte Immobilienanlagen weltweit positiv gestimmt. Eine robuste Mieternachfrage und stabile Ertragsströme stützen den Sektor. Die Entwicklung werde regional und sektoral zunehmend ausgewogener, was auf eine Verbesserung der Fundamentaldaten hindeute. Ausgewählte Sektoren wie etwa Studentenwohnheime im Vereinigten Königreich sind nach Ansicht von Aberdeen Investments nach wie vor weniger attraktiv. Insgesamt bietet der Sektor in einem von größerer Unsicherheit geprägten makroökonomischen Umfeld weiterhin attraktive laufende Erträge.

Infrastruktur: Langfristige Megatrends profitieren
Digitalisierung, Dekarbonisierung und steigende Verteidigungsausgaben stützten weiterhin als starke strukturelle Treiber den Infrastruktursektor. Der weltweit hohe Investitionsbedarf im Infrastrukturbereich dürfte zudem eine nachhaltig attraktive Pipeline an Investitionsmöglichkeiten schaffen, so Aberdeen Investments, wobei privates Kapital eine immer wichtigere Rolle spiele. Während erneuerbare Energien weiterhin den Großteil der Transaktionen ausmachten, gewinne digitale Infrastruktur zunehmend an Bedeutung. Attraktive Bewertungen fänden sich derzeit insbesondere im Small- und Mid-Market-Segment.

Schwellenländer: Spielraum in Lateinamerika für Zinssenkungen
Für Anleihen und Aktien aus Schwellenländern bleibt Aberdeen Investments positiv gestimmt. Das Wachstum liege vielerorts weiterhin über dem Niveau vor der Pandemie und profitiere insbesondere in Asien von KI-bedingten Investitionen. Während der jüngste Energieschock rohstoffarme Volkswirtschaften kurzfristig belasten könnte, blieben die strukturellen Rahmenbedingungen günstig. Mehrere lateinamerikanische Länder verfügten zudem über Spielraum für weitere Zinssenkungen. Allerdings nehme die Streuung innerhalb der Region zu, wobei die Entwicklung zunehmend von einer kleinen Gruppe technologieorientierter Exporteure getragen werde. (de)

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