A. Bezalel und H. Richards: Europas Bondmärkte könnten die USA abhängen
Der Iran-Konflikt sorgt laut Jupiter AM für neue Chancen an den Rentenmärkten. Besonders Eurozonen-Anleihen und Schwellenländerbonds in Lokalwährung erscheinen attraktiv, während US-Staatsanleihen kurzfristig nur begrenztes Potenzial bieten.

Eckpunkte:
- Eurozonen-Anleihen bieten Chancen
- US-Staatsanleihen mit begrenztem Potenzial
- Schwellenländeranleihen in Lokalwährung besonders attraktiv
- Hohe Volatilität an den Zinsmärkten dürfte anhalten
Der anhaltende Konflikt zwischen Iran, Israel und den USA könnte laut Jupiter Asset Management zu asymmetrischen Chancen an den globalen Rentenmärkten führen. Besonders Eurozonen-Anleihen sowie Schwellenländeranleihen in Lokalwährung erscheinen aus Sicht der Fondsmanager Ariel Bezalel und Harry Richards derzeit attraktiv. US-Staatsanleihen böten dagegen kurzfristig nur begrenztes Potenzial.
Hintergrund sind die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts rund um die Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion transportiert wird. Die anhaltenden Spannungen hätten die Ölpreise steigen lassen und Inflationssorgen wieder verstärkt. „Mit dem Eintritt des Krieges in den dritten Monat stellt sich zunehmend die Frage: Kommt es zu einer Deeskalation oder zu einem langwierigen Konflikt?“, schreiben die Fondsmanager in einem Marktkommentar.
US-Notenbank dürfte vorerst stillhalten
Die US-Wirtschaft zeige sich trotz der geopolitischen Risiken bislang robust. Vor allem Investitionen in künstliche Intelligenz stützten weiterhin das Wachstum. Gleichzeitig dürften steigende Energiepreise die Inflation hoch halten. Zinssenkungen der US-Notenbank seien daher kurzfristig eher unwahrscheinlich. „US-Staatsanleihen bieten aus unserer Sicht daher kurzfristig nur begrenztes Potenzial“, so Jupiter.
Für Europa zeichnet sich dagegen ein differenzierteres Bild ab. Die Konjunktur bleibe schwach und die Abhängigkeit von Energieimporten erhöhe die Anfälligkeit für Angebotsschocks. ennoch sehen die Fondsmanager nur begrenzten Spielraum für weitere geldpolitische Straffungen durch EZB und Bank of England. Daraus ergäben sich insbesondere am kurzen und mittleren Ende europäischer Zinskurven attraktive Chancen. „Im Falle einer Deeskalation könnten Eurozonen-Anleihen deutlich zulegen und dabei möglicherweise besser abschneiden als ihre Pendants in den USA“, heißt es in der Analyse.
Lateinamerika rückt in den Fokus
Positiv beurteilt Jupiter zudem Schwellenländeranleihen in Lokalwährung, insbesondere in Lateinamerika. Länder wie Brasilien oder Mexiko profitierten von hohen Realrenditen, vergleichsweise stabilen makroökonomischen Rahmenbedingungen und ihrer geografischen Distanz zum Konflikt. „Staatsanleihen in Lokalwährung zählen derzeit zu den attraktivsten Chancen innerhalb der globalen Rentenmärkte“, betonen Bezalel und Richards.
Mit Blick auf die kommenden Monate rechnen die Fondsmanager weiterhin mit hoher Volatilität und stark auf geopolitische Entwicklungen reagierenden Zinsmärkten. (dv)


