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20 Jahre Nullzinsen in Japan: Grässliche Blaupause für die EZB?

Im Oktober wird die Nullzinspolitik 20 Jahre alt – in Japan. Die Meinungen über ihre Wirkung sind geteilt. Aber die Tatsache, dass diese Geldpolitik dort schon so lange betrieben wird, zeigt, dass sie nicht das Erhoffte gebracht hat. Denn die Geldpolitik löst keine strukturellen Probleme.

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LBBW Chefvolkswirt Uwe Burkert sagt: "Wenn eine ultraexpansive Geldpolitik dazu dienen soll, mit Kredit Unternehmen zum Investieren und private Haushalte zum Konsumieren anzuregen, ist die Nullzinspolitik in Japan in der Tat gescheitert."
© LBBW

Das „Geschenkte Geld“ wurde in Japan verschmäht. Dies zeigt ein Blick auf die Verbindlichkeiten: Die Verschuldung der Unternehmen ist trotz Nullzinsen in Relation zum BIP ab Mitte der 1990er Jahre gesunken. Unternehmen und Banken hatten genug zu tun, ihre zerrütteten Bilanzen in Ordnung zu bringen. "Die Erfahrungen der Bubble-Jahre haben das Investieren mit „Leverage“ diskreditiert. Selbst die Möglichkeit, sich zu Nullzinsen zu verschulden, wurde verschmäht. Im Unternehmenssektor zeigt sich bis heute kein signifikant stimulierender Effekt auf die Verschuldungs- bzw. Investitionsbereitschaft", so Burkert weiter.

Nur der Staat verschuldete sich ordentlich in Japan
Da die Japaner fleißige Sparer sind, war auch die Verschuldungsbereitschaft der privaten Haushalte nie ausgeprägt. Diese wiesen immer sehr hohe Ersparnisse auf, so dass die Notwendigkeit von Konsumkrediten gering war. An der hohen Sparneigung bzw. der geringen Verschuldungsbereitschaft hat sich auch durch die niedrigen Zinsen nichts geändert.
Einer aber hat seine Verschuldung massiv erhöht – der Staat. Und zwar auf beängstigende 240 Prozent des BIP. Die japanische Nullzinspolitik hat also lediglich die Staatsausgaben und mithin die Staatsverschuldung beflügelt. Der Staat ist inzwischen seiner eigenen Droge verfallen – dem billigen Geld. Deutlich höhere Zinsen könnte er sich derzeit gar nicht leisten.

Nullzinsen verdrängen den privaten Konsum
Die Nullzinsen führten aber zur Erosion der Zinseinnahmen der Sparer. Deren Einnahmeverlust gegenüber einem fiktiven Zinsniveau von vier Prozent beläuft sich auf ca. 250 Milliarden Euro  pro Jahr. Burkert dazu: "Was in Japan geschieht, ist ein Verdrängen des privaten Konsums durch den Staat im großen Stil. Dies ist ein Grund für die zähen deflationären Tendenzen. Die Nullzinspolitik hat zwar zunächst geholfen, einen stärkeren konjunkturellen Einbruch zu verhindern. Mit zunehmender Dauer wirkte sie aber kontraproduktiv. Diesen Fehler sollten und müssen wir in Europa vermeiden." 

Macht die EZB denselben Fehler wie die BoJ?
Fehler zu vermeiden, ist leichter gesagt als getan. Seit Mai 2013 ist der Leitzins der EZB bei 0,5 Prozent oder tiefer. In dieser Zeit haben die Staaten im Euroraum ihre Schuldenquote von 92 unter 87 Prozent verringert – dank niedriger Kreditzinsen und längstem konjunkturellen Aufschwung. "Inzwischen schwächt sich die Konjunktur ab, und die EZB hat den Ausstieg aus der Nullzinspolitik versäumt. Zugleich sehen wir eine Tendenz zur Blasenbildung, etwa am deutschen Immobilienmarkt. Die volle Wucht dieser Entwicklung trifft die Generation der jetzt unter 40-jährigen: Sie haben kaum Wohneigentum, können aber keine angemessene Verzinsung ihrer Ersparnisse und Altersrückstellungen erwarten", stellt Burkert fest. Auch Nullzinsen gebe es eben nicht umsonst.... (kb)

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