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2. Anlauf: Rio Tinto und Glencore jetzt vor weltgrößtem Bergbau-Deal?

Die Rio Tinto Group verhandelt über den Kauf von Glencore. Entstehen würde dadurch der größte Bergbaukonzern der Welt mit einem kombinierten Börsenwert von mehr als 200 Milliarden US-Dollar, berichtet Bloomberg.

Rio Tinto-CEO Simon Trott
Rio Tinto-CEO Simon Trott© Bloomberg / Bloomberg News

Rio Tinto und Glencore sprechen über einen Zusammenschluss einzelner oder aller Geschäftsbereiche. Diskutiert wird auch eine vollständige Übernahme gegen Aktien. Das teilten die beiden Bergbaukonzerne in separaten Mitteilungen mit.

Ein Zusammenschluss wäre der größte Deal, den die Branche je gesehen hat
Der Sektor erlebt derzeit eine Welle von Übernahmen. Große Produzenten wollen ihre Kupferbestände ausbauen. Kupfer ist ein Schlüsselmetall für die Energiewende. Die Preise liegen nahe an Rekordständen. Sowohl Rio als auch Glencore besitzen große Kupferprojekte. Gemeinsam würden sie einen neuen Branchenriesen schaffen. Bislang gilt die BHP Group als größter Bergbaukonzern der Welt. Nach britischem Übernahmerecht hat Rio bis zum 5. Februar Zeit, ein Angebot vorzulegen oder sich für sechs Monate zurückzuziehen. Die Glencore-Aktie legte in London in einer ersten Reaktion um 8,2 Prozent zu. Für die Rio-Tinto-Aktie geht es 2,8 Prozent abwärts.

Rio Tinto-CEO vor großer Bewährungsprobe
Im vergangenen Monat hatte Rio Tinto-Chef Simon Trott angekündigt, die Kosten zu senken und Assets zu verkaufen mit dem Ziel eines schlankeren Konzerns mit Fokus auf Eisenerz und Kupfer. Trott leitete zuvor die Eisenerzsparte. Er übernahm den Chefposten im August. “Das ist Simons erste Bewährungsprobe als CEO”, sagte John Ayoub, Portfoliomanager beim Rio-Aktionär Wilson Asset Management, im Gespräch mit Bloomberg. “Ich erwarte, dass sich sein disziplinierter Ansatz auch bei Übernahmen zeigt. Bei der Kohle fehlen klare Aussagen. Man würde erwarten, dass Kohle zu den ersten Verkäufen eines fusionierten Konzerns gehört. Aber derzeit spekulieren alle.”

Rio und Glencore führten bereits 2024 Gespräche
Diese scheiterten an unterschiedlichen Vorstellungen zur Bewertung. Seitdem hat Rio seinen CEO ausgetauscht, während Glencore öffentlich seine Wachstumspläne im Kupfergeschäft präsentierte. In vertraulichen Gesprächen bezeichnete Glencore-Chef Gary Nagle einen Zusammenschluss mit Rio als den naheliegendsten Deal der Branche. Dennoch hat sich die Bewertungslücke seit den letzten Gesprächen vergrößert.

Die Mühen der Niederungen
Analysten haben jedoch wiederholt auf mögliche Hürden hingewiesen. Glencore ist einer der weltweit größten Kohleproduzenten. Rio hat sich aus diesem Geschäft bereits zurückgezogen. Zudem unterscheiden sich die Unternehmenskulturen deutlich.

Die Verhandlungen fallen in eine Phase extrem hoher Kupferpreise
Das Metall stieg Anfang der Woche auf Rekordwerte von über 13.000 US-Dollar je Tonne. Gründe sind Minenausfälle und Vorratskäufe in den USA aus Sorge vor möglichen Zöllen der Trump-Administration. Zugleich wächst die Erwartung, dass das Angebot knapp bleibt. Neue Minen entstehen zu langsam. Die Nachfrage steigt durch künstliche Intelligenz und höhere Verteidigungsausgaben.

Für Rio würde ein Deal die Kupferproduktion deutlich erhöhen
Der Konzern bekäme zudem einen Anteil an der Collahuasi-Mine in Chile. Sie zählt zu den ergiebigsten Lagerstätten der Welt. Rio hat sie seit Langem im Blick. Trotz großer Kupferassets erzielen Rio und Rivale BHP weiterhin einen erheblichen Teil ihrer Gewinne mit Eisenerz. Die Nachfrage in diesem Markt ist unsicher. Chinas jahrzehntelanger Bauboom läuft aus. “Das ergibt sehr viel Sinn”, sagte Ben Cleary, Portfoliomanager bei Tribeca Investment Partners, im Talk mit Bloomberg. “Es ist der eine große Bergbau-Deal, der noch offen ist.”

Die neuen Gespräche sind Teil einer breiteren Fusionswelle
Jüngst vereinbarte Anglo American den Kauf von Teck Resources. Zuvor hatte Anglo eine Übernahmeofferte von BHP abgewehrt. Rio-Verwaltungsratschef Dominic Barton erklärte, der Konzern habe aus früheren Fehlkäufen gelernt. Künftig wolle man offener für Übernahmen sein. (kb)

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