Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Kommentar
twitterlinkedInXING

Trump oder Clinton - oder besser gar kein Präsident?

Wer die Wahl zwischen zwei Übeln hat, darf doch zumindest darüber nachdenken, ob keine Regierung nicht das geringste Übel darstellt.

vorhersage-usa.jpg

Es wird Zeit, dass endlich der Wahltag in den USA kommt, damit das aufgeregte Gegacker allerorten ein Ende findet. Leicht hat es der US-Wähler ja nicht: Entscheidet er sich für die alles andere als mitreißende, aber berechenbarere Hillary, die "more of the "same" verspricht - sprich mehr Schulden, mehr geopolitische Einmischung und Spannungen mit Russland und China - oder den verhaltensoriginellen Donald, dessen Unterhaltungswert deutlich höher einzuordnen ist und der als Milliardär gegen das Ostküsten-Establishment aufbegehrt. 

Fest steht: Clinton wird nicht dafür sorgen, dass ein Ruck durch die Gesellschaft geht, dafür fehlt das Charisma. Negative Überraschungen sind aber auch bei ihr möglich. Eingriffe in das Gesundheitssystem und die Medikamentenpreise könnten für den Pharma- und Health Care-Sektor das bedeuten, was Merkel für die konventionellen Energieversorger mit ihrer überhasteten Energiewende darstellt: Eine Vernichtung von Zig-Milliarden an Marktkapitalisierung. Die Low-Vol- und Minimum-Varianz-Investoren werden dann die Rechnung präsentiert bekommen und den Tag verfluchen, an dem sie sich als Hillary-Aficionados geoutet haben.

Interessanterweise weiß der Markt wie immer mehr. In weiser Voraussicht gewinnen die Zykliker an Momentum, während  sich der Schwung aus den hervorragend gelaufenen, defensiven Sektoren verabschiedet, worauf Stratege Hassan Malik von Ned Davis Research beim 4. Expertenforum der Kathreinbank kürzlich hinwies.

Im Falle der unwahrscheinlichen Wahl von Trump würden viele Karten neu gemischt. So wäre eine isolationistischere Außenpolitik inklusive einer Entspannung mit Russland für den Weltfrieden nicht das Schlechteste. Und wer sagt denn, dass dieser Mann, dem man ein gewisses Charisma nicht absprechen kann, nicht mit seinen Aufgaben wachsen kann? Ronald Reagan als Schauspieler tat es ja auch und konnte das, was für eine US-Präsidenten wohl das Wichtigste ist: Die amerikanische Nation inspirieren und Leadership ausstrahlen. Gerade das ist einer Welt der Beliebigkeit, die alles relativiert und sich in Details verliert, ein nicht zu unterschätzendes Plus. 

Die Kapitalmärkte lieben aber keine Überraschungen, sie wollen Stabilität und Berechenbarkeit, auch um den Preis der Durchschnittlichkeit. Apropos Berechenbarkeit: Noch berechenbarer als Clinton wäre ein politischer Stillstand - gar keine Regierung, kein Präsident. Dann würden keine neuen Gesetze gemacht, keine neuen Steuern eingeführt, und der sich in immer mehr private Lebensbereiche einmischende Super-Nanny-Staat hätte Pause.

Beispiele gefällig? In Belgien ging es mehrere Monate ohne Zentralregierung erstaunlich gut, und auch in Spanien war der regierungslose Zustand mit einem kommissarischen Premierminister dem Wachstum nicht abträglich, das Land versank nicht gerade im Chaos. Auch das Schuldenmachen wird dadurch aufgehalten. Dafür wissen die Bürger, was zu tun ist: Je mehr Sicherheit, dass keine marktverzerrenden  und -manipulierenden Eingriffe drohen, desto ungestörter und unbeeindruckter können sie ihren Geschäften nachgehen, müssen ihre Planungen nicht revidieren - offensichtlich eine Horrorvision für sogenannte Politikgestalter. (kb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen