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NGO FIAN: "Argumente der Ärzteversorgung bleiben dünn und vage"

FIAN (FoodFirst Informations- & Aktions-Netzwerk) ist die Internationale Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung mit Mitgliedern in 60 Ländern. Sie kritisiert das Land-Investment der ÄVWL (Ärzteversorgung Westfalen-Lippe) in Brasilien heftig und antwortet auf deren letzte Stellungnahme.

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© Archiv

Zur Erinnerung: Die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe (ÄVWL) wird von FIAN beschuldigt, durch ein Fondsengagement Landgrabbing in Brasilien anzuheizen und von der dort grassierenden Bodenspekulation zu profitieren. Das ließen die Münsteraner so nicht stehen und antworteten hier ausführlich. Nun holt FIAN zum Gegenschlag aus, bezieht sich dabei auf die hauseigenen Studie und führt wie folgt aus: 

Nachhaltigkeitskriterien würden eingehalten
Die von der ÄVWL genannten Nachhaltigkeitskriterien "Principles for ​Responsible Investment“ (PRI) sind eine private Initiative der Investoren-Welt. Die sechs Prinzipien der PRI sind Absichtserklärungen. Sie beinhalten Formulierungen wie „wir streben an“, „wir werden aktiv zu sozialen Themen arbeiten“ oder „wir werden für diese Prinzipien werben“. Die suggerierten roten Linien, die beispielsweise Menschenrechtsverstöße ausschließen, gibt es dort nicht. Damit greife der Verweis der ÄVWL auf die Prinzipien zu kurz, sagt FIAN.

Fonds sei nicht „in die Konversion oder Bewirtschaftung von Agrarflächen“ involviert
Tatsächlich werden die gekauften Landflächen an Farmmanager verpachtet. Dies jedoch als Argument zu nehmen, man habe nichts mit großflächigen Rodungen oder der Anlage der Gensoja-Monokulturen zu tun, sei absurd, sagt FIAN. Der Landbesitzer – also der Fonds und damit die Fondbeteiligten – entscheide, wem das Land unter welchen Kriterien verpachtet werde. Zudem seien bei der von NGOs vor Ort untersuchten Farm Landkonflikte mit den lokalen Gemeinden dokumentiert, und auch die großflächige Rodung von Wald bis 2018 (Daten zu 2019 sind noch nicht vorhanden) dokumentiert und in der Studie festgehalten. Auf diese konkrete Rodungen sei die ÄVWL nie eingegangen.

Als Beleg hiefür führt FIAN die folgende Grafik ins Treffen, die in pink markierte Waldrodungen und Farmgrenzen der Farm Ludmila 2012-2018 anführt.

Quelle: FIAN

FIAN sei nicht kooperationsbereit
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Es ist nun wirklich nicht die Aufgabe von Menschenrechtsorganisationen, mit den Akteuren, die in Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind, zu kooperieren. Wir haben der ÄVWL trotzdem von Beginn an regelmäßig relevante Informationen zur Verfügung gestellt und sind in den letzten Jahren immer aktiv auf die ÄVWL zugegangen - die ÄVWL hingegen nicht. Die Ärzteversorgung hat zudem 2018 ein Treffen mit einer Delegation aus Brasilien ausgeschlagen. Weiterhin hat FIAN der ÄVWL zuerst vorgeschlagen, dass diese selbst unabhängige Experten beauftragt, die Vorwürfe vor Ort zu untersuchen und sich nicht einseitig auf die Informationen des Hauptinvestors verlässt. Dies wäre aus unserer Sicht ein angemessener und praktikabler Weg für die ÄVWL gewesen", sagt Roman Herre,  Agrarreferent bei FIAN.

Es gebe eine hohe Transparenz bei deren Landgeschäften in Brasilien
Eine grobe Karte mit ungenauer Gebietsangabe wurde zwar veröffentlicht, ist jedoch wenig hilfreich, um konkrete Landkonflikte und Grenzstreitigkeiten zu verifizieren. Die Vor-Ort-Recherche durch FIAN war daher auch extrem schwierig. Herre dazu: "Es konnte nur eine Farm inklusive konkreter Grenzen genau lokalisiert werden. Und hier wurden direkt Landkonflikte dokumentiert. Zu diesem konkreten Fall hat sich die ÄVWL bis heute nicht geäußert. Auch Betroffene vor Ort kannten den hinter den Landaufkäufen stehenden Fonds nicht. Transparenz sieht anders aus."  

Fazit
Für FIAN bleibt es weiterhin hoch problematisch, dass die ÄVWL mit dem Investment 133.000 Hektar Land in Brasilien für die industrielle Agrarproduktion aufkauft. Das entspricht der Hälfte der Ackerfläche des Münsterlandes. 

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In einer Ad Hoc-Reaktion zeigte sich die ÄVWL jedenfalls überrascht darüber, dass die Anwendung international anerkannter und weithin etablierter Nachhaltigkeitskriterien wie der „Principles for Responsible Investment (PRI)“ von FIAN kritisiert wird. Mit den „PRI Farmland Guidelines“, an deren Entwicklung TIAA beziehungsweise Nuveen seit 2011 maßgeblich beteiligt waren, werde zudem ganz explizit auch ein Bezug zur Wahrung der Menschenrechte hergestellt, lässt man verlauten.  

Bezogen auf eine mögliche unabhängige Prüfung der Vorwürfe vor Ort sei zudem zu berücksichtigen, dass die einseitige Auswahl und Mandatierung eines externen Gutachters allein durch die ÄVWL im Hinblick auf die notwendige beiderseitige Akzeptanz der Untersuchungsergebnisse nach Ansicht des Versorgungswerks nicht zielführend sein könne. Hier bedürfe es eines abgestimmten Vorgehens beider Seiten. (kb)

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