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Kommentar: Die Krypto-Kennzahl des Todes

Institutional Money-Redakteur Hans Weitmayr über schwer nachzuvollziehende Transaktionszahlen, die die Befürchtungen aufkommen lassen, dass der nächste Paukenschlag bei diversen Krypto-Handelsplattformen nicht mehr lange auf sich warten lässt.

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Welche Kennzahlen sind für den tatsächlichen Wert einer Krypto-Börse wirklich ausschlaggebend? Eine, die möglichst schonungslos sein muss. Wir wollen sie an dieser Stelle – wahrscheinlich mit einem leichten Augenzwinkern – KKDT nennen.
© Myst / stock.adobe.com

Die Hauptgefahr für eine reinrassige Fiat-Währung lautet: Vertrauensverlust. Wie sich ein solcher auswirken kann, erlebt man am Markt für Kryptowährungen nahezu täglich. Der Faktor "Vertrauen" ist hier umso relevanter, als es kaum Kennzahlen gibt, mit denen man den Wert einer Krypto-Währung festsetzen kann. Bei traditionellen, staatlichen Währungen kann man sich an volkswirtschaftlichen Daten wie Inflation, BIP-Wachstum oder Handelsbilanz orientieren, bei Kryptowährungen stehen an harten Fakten nur der Preis selbst und in Wirklichkeit die Anzahl der Marktteilnehmer zur Verfügung.

Umso wichtiger für den Währungskurs und den Wert der inzwischen verfügbaren und für Investoren handelbaren Derivate ist also, in welchem Zustand sich die Krypto-Börsen und das dort stattfindende Trading darstellen. Pleiten einzelner Plattformen, egal auf welchem Kontinent, haben bislang immer wieder zu massiven Vertrauensverlusten mit entsprechenden Kurseinbrüchen geführt. Nachrichten über immer mehr Nutzer und anscheinend automatisch steigende Kurse haben sich hingegen immer wieder selbst verstärkt und für immer weitere Kursschübe gesorgt.

Gewaltige Umsätze
Insofern sollte sich also folgende Nachricht positiv auf die Kurse von digitalen Währungen auswirken: Der in Singapur ansässigen Plattform BitForex ist es gelungen, tägliche Umsätze von mitunter mehr als 5 Milliarden Dollar zu generieren. Damit befindet man sich auf dem selben Niveau wie die altehrwürdige London Stock Exchange mit einer Geschichte von 217 Jahren im Rücken.

Wenn Sie an dieser Stelle fragen: "Bit... was?", müssen Sie sich nicht genieren, sie dürfen sich vielmehr dazu gratulieren, auf Anhieb den Finger in eine offene Wunde gelegt zu haben. Denn der Aufstieg von BitForex, das mit Abstand das höchste Handelsvolumen unter den Kryptobörsen weltweit auseiste, ist nicht nur gewaltig, er ist noch dazu rasant.

Noch vor vier Monaten war BitForex in die Kategorie "unter ferner liefen" einzuordnen, wie die Traffic-Daten von Similarweb zeigen:

Quelle: Similarweb

 

Doch inzwischen hat das Management das sogenannte Transaction Mining eingeführt. Im konkreten Fall gestaltet sich das laut Bloomberg-Informationen so aus, dass ein Trader für jeden Dollar, den er an Transaktionsgebühren zahlt, Token im Gegenwert von 1,2 US-Dollar erhält. Damit sind Schein-Geschäfte, in denen Positionen zum selben Preis hin- und hergeschoben werden, um die Transaktions-Prämie einzustreifen eine relativ logische Folge. Diese Deals können automatisiert werden und wären eine Erklärung für das spektakuläre Wachstum der Plattform. Noch einmal zur Erinnerung: 5 Milliarden Dollar pro Tag.

Die Betreiber der Seite räumen ein, dass ein derartiges Vorgehen "technisch machbar" wäre, einen eindeutigen Beleg gibt es allerdings nicht – dafür einen starken Verdacht, den wir mit einer Kennzahl veranschaulichen wollen, die wir KKDT nennen wollen – "Krypto-Kennzahl des Todes." Es handelt sich hierbei um das von der Nachrichtenagentur Bloomberg grafisch zusammengefasste Verhältnis von 30 Tages-Volumen zu den monatlichen Website-Visits. Das stellt sich dann folgendermaßen dar:

Im Falle der ersten drei Börsen kann von durchaus beeindruckende Zahlen sprechen. Bei BitForex würde das beispielsweise bedeuten, dass bei jedem Besuch der Seite Kryptowährungen im Ausmaß von 145.000 Dollar gehandelt würden.

Zahlen wie diese nähren den bereits bestehenden Verdacht, dass die Höchststände, die vor wenigen Monaten etwa beim Bitcoin-Kurs erzielt wurden, ähnlich künstlich zustande gekommen sind wie möglicherweise die gegenwärtigen Transaktionsvolumina mancher Krypt-Plattformen. Dem Vertrauen in das an sich wichtige Zukunftskonzept Kryptowährung ist das alles andere als zuträglich – ganz abgesehen davon, dass der Anspruch solcher Plattformen, auf Augenhöhe mit etablierten Börsen wahrgenommen werden zu wollen, nachgerade absurd erscheint. (hw)

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