Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
Ad

Risikomanagement - jetzt offensiv Marktchancen nutzen

Flexibel Chancen nutzen und profitieren – in Zeiten eines Niedrigzinsniveaus auf Dauer ist das wichtig wie nie zuvor. Deshalb gehen unsere Experten bewusst kontrollierte Risiken ein, um Ihre Anlage zu optimieren.

Anzeige
| Kommentar
twitterlinkedInXING

IMK 2018 – mein bester Moment (Kommentar)

Paradoxerweise hat ausgerechnet ein oft als Technokrat charakterisierter Star-Referent auf dem Institutional Money Kongress für einen bemerkenswert emotionalen Moment gesorgt. Das war nicht nur erfreulich und überraschend, sondern auch – und wiederum paradoxerweise – ermutigend.

regling.jpg
Der mächtige Euro-Schirmherr Klaus Regling ließ am Institutional Money Kongress kurz hinter die Fassade blicken. Das war gut so.
© Institutional Money

Der Institutional Money Kongress 2018 ist vorbei. Zwei Tage an qualitativ und quantitativ dicht gepacktem Programm haben einen Wirbel an Daten, Fakten und Eindrücken hinterlassen. Es braucht ein wenig, bis man das alles verarbeitet und für sich selbst sinnvoll eingeordnet hat.

Am Tag danach kann man sich aber auch eine simple Frage stellen: Welcher war mein bester Moment? Der eine, der sich über die große Bandbreite an hervorragenden Momenten erhebt, der Moment an dem man von seinen Notizen hochblickt, die Augenbrauen hochzieht und sich denkt: „Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet.“

Dieser Moment kann natürlich nur hoch subjektiv sein: Es kann sich um die dritte Stelle nach dem Komma einer Kennzahl handeln, die man seit Jahren zu 99, und jetzt, nach einer One to One-Session endlich zu hundert Prozent versteht. Es kann das Wiedersehen mit dem lange aus den Augen verlorenen Kollegen sein, oder das erhoffte, und nun tatsächlich angebahnte Geschäft.

Der Technokrat ...

Für mich ereignete sich dieser Moment ziemlich gegen Ende des Kongresses. Der Zeitpunkt, ab dem man unter Umständen schon ein wenig in den Seilen hängt und es im Kopf ob all der Fakten und Analysen auch mal zu surren beginnen kann. Klaus Regling, der Chef des Euro-Schutzschirmes hatte gerade seinen Vortrag beendet. Er hatte dabei seinem Ruf alle Ehre gemacht, wonach er nüchtern in der Analyse, sattelfest in den Daten und still im Ton sei. Bescheiden, nahezu gebeugt in der Haltung war sein Auftritt. Er trug seine unauffällige Brille, der Seitescheitel war exakt gezogen, Anzug, Krawatte, Hemd waren in Farben gehalten, die man im Moment, da man sie sah, schon wieder vergessen hatte. Emotional bis dahin also alles eher wenig aufwühlend – aber wahrscheinlich sollte ein Mann, der bald einem neu zu schaffenden Europäischen Währungsfonds vorstehen soll, genau so wirken: Zuverlässig, kompetent, fleißig. Dazu: Zuverlässig, kompetent und fleißig.

... und seine Emotion

Dann kam der Teil mit den Fragen und Antworten. Es wurde nach Schuldenständen Erkundigung eingezogen, dem Zustand der Peripherieländer und anderen Entwicklungen, die den Kontinent im allgemeinen, und jeden Zuhörer im Speziellen betreffen. Bis dann ein Zuhörer seine Frage mit folgenden – paraphrasierten – Worten einleitete: „Herr Regling, zunächst möchte ich mich wirklich für die Arbeit bedanken, die Sie in den letzten Jahren für uns alle geleistet haben. Ich kann mir vorstellen das war nicht immer leicht.“

Da war er also, der Moment: Klaus Regling, bis dahin höflich aber auch unnahbar gewirkt hatte, senkte den Blick auf das Rednerpult. Es war eine merkwürdig selbstvergessene Geste. Mehrere Komponenten schienen hier mitzuschwingen: Dankbarkeit dafür, dass da ein Unbekannter war, der anerkannte, wofür Regling so hart gekämpft und vor allem in Deutschland härtest attackiert worden war. Dazu ein Hauch von Stolz über eben diese Leistung, gleichzeitig eine preußisch-protestantische Scham darüber, eben diese Art von Emotion – und sei es auch nur für einen Moment – zugelassen zu haben.

Der Herr aus dem Publikum hatte, ein wenig entgegen der Usancen, zwei Fragen und bat Regling, dieser möge sich aussuchen, welche der beiden Fragen die wichtigere sei. Regling blickt pointiert auf seine Armbanduhr, dann zum Gastgeber und meinte höflich, aber für seine Verhältnisse recht bestimmt, er würde gerne beide Fragen beantworten, das müsse doch möglich sein, oder? Natürlich war es das. Und Regling nahm sich Zeit für die Beantwortung. Nicht weil die Fragen wichtiger oder schlauer gewesen wären, als die davor oder danach, sondern weil da für ein paar Minuten der Mensch vor den Technokraten getreten war.

Bemerkenswerterweise fühle ich mich in der Eurozone jetzt ein Stück weit sicherer. Ich weiß, dass ein Mensch mit Emotionen eine der wichtigsten Institutionen der Eurozone leitet. Und ich weiß jetzt auch, dass er das nicht nur tut, weil er gerne volkswirtschaftliche Daten durch Excel-Sheets laufen lässt, sondern weil ihm die Aufgabe ein zutiefst menschliches Anliegen ist und er nicht aufgeben wird, bevor er sein Ziel erreicht hat: Den Euro zu einem stabilen Anker für den Kontinent zu machen.

Für dieses Gefühl der Sicherheit möchte ich mich übrigens bedanken: Bei dem unbekannten Herrn aus dem Publikum – dafür, dass er sich bedankt hat. (hw)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen