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Fragmentierung: hier gewünscht, dort verteufelt (Kommentar)

Jeder führt es im Mund, das Wort "Fragmentierung". EZB-Chefin Christine Lagarde kämpft wie eine Löwin gegen die Fragmentierung des EU-Staatsanleihenmarktes, während anderswo Politiker alles dazu tun, um eine Fragmentierung bestimmter Märkte zu erreichen. Ist das klug? Wohl kaum....

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"Unsinn, du siegst, und ich muss untergehen. Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens" Aus: Die Jungfrau von Orléans (Friedrich v. Schiller)
© pict rider / stock.adobe.com

Wenn das Risikobewusstsein an die Märkte zurückkehrt und von Zinserhöhungen und üblen Stagflations- beziehungsweise Rezessionsahnungen begleitet wird, dann erfahren schwache Credits nun einmal Spreadausweitungen. So geschehen bei zehnjährigen italienischen Staatsanleihen, die Mitte Juni eine Spread zu zehnjährigen deutschen Bünden von 240 Basispunkten aufwiesen. Nun schmiedet die EZB an einer Geheimwaffe, deren bloße Ankündigung dafür sorgte, dass besagter Spread sich auf weniger als 200 Basispunkte zurückbildete. Nun muss Lagarde liefern.

Wie könnte diese Wunderwaffe gegen diese erste Fragmentierung aussehen?
Eine Ausweitung der Bilanzsumme der Fed durch Ankäufe von Italo-Bonds kann es nicht sein, laufen doch die Kaufprogramme zum 1. Juli 2022 aus. Und nur die (geringen) Kupons und die Tilgungen sämtlicher Staatsanleihen in Italiener zu investieren, macht das Kraut nicht wirklich fett. Da braucht es schon eine Bazooka, damit Lagarde von den Märkten ähnlich ernst genommen werden kann wie Draghi mit seinem berühmten "Whatever it takes" vom 26. Juli 2012. Was kann man also tun, um die BIlanzsumme der EZB stabil zu halten und trotzdem Spreadausweitungen hintanzuhalten?

Hedgfondsstrategien kommen einem dabei als Blaupausen in den Sinn
Etwa "Relative Value" oder "Long/Short". Shortet man etwa (teure) deutsche Bünde und kauft (billigere) kongruente Italiener mit gleicher Laufzeit oder macht ein Duration-Matching, so könnte man entlang der ganzen Spread-Kurve den Märkten den Kampf ansagen - oder sich auch nur auf das lange Ende konzentrieren, um hier den Spread zu deckeln. Die Bilanzsumme der EZB bliebe unverändert, und an der Spreadeinengung wird von beiden Seiten her gearbeitet. Das einzige Problem dabei ist, wie man den Deutschen diese Vorgangsweise verkauft. In der gegenwärtigen Regierungskonstellation ist allerdings bestenfalls mit lauen Protesten seitens der FDP zu rechnen, alle anderen würden angesichts des Setzens eines starken Zeichens der Solidarität innerhalb des Euroraums regelrecht - nicht nur in Folge der gestiegenen Temperaturen - dahinschmelzen.

Solidarity rules
Schließlich ist man Solidarität - ein Vokabel aus dem linken Spektrum, das leider auch immer mehr angeblich Konservative in den Mund nehmen - seit dem Mittragen der Russland-Sanktionen mehr als gewohnt, koste es, was es wolle. Die eigenen nationalen Interessen hintanzustellen, ist längst Usus geworden, gilt es doch die Welt vor der "Klimakatastrophe" zu retten und die Demokratien vor den Autokraten zu schützen, um welchen Preis auch immer. Warum Bundesregierungsmitglieder bei der Leistung des Amtseides schwören, ihre  Kraft dem Wohle des eigenen Volkes zu widmen, dessen Nutzen zu mehren und Schaden von ihm zu wenden, bleibt ein Rätsel. Früher galt solch ein Verhalten als eidbrüchig.

Die zweite Fragmentierung ist wohl noch gefährlicher
EU und G7 tun alles dazu, dass die Rohstoffmärkte von global einheitlichen Preisen bei Öl, Erdgas und Gold - und künftig noch bei anderen Rohstoffen (Wie wäre es mit Nickel?) - sanktionsbedingt abrücken und zweierlei Preise herausbilden: einen für den Weltmarkt ex Russland, und einen weiteren für russische Bodenschätze, wo sich Discounts etablieren. Clevere Staaten kaufen vom Westen sanktioniertes russisches Öl und Gas mit einem hübschen Abschlag, füllen ihre Läger oder verkaufen es an den sanktionsgeilen Westen mit einem hübschen Aufschlag zum Weltmarktpreis. Bei Gold wird dieser Discount wohl nur weniger Dollar je Unze ausmachen, denn Gold ist schnell eingeschmolzen und umgegossen. Das einzige, das diese Sanktionen erreichen, ist, dass Märkte für standardisierte Güter (Rohstoffe) fragmentiert und westliche Metallbörsen und angeschlossene Futures-Märkte darunter leiden werden. Marktwirtschaftliche Mechanismen, die infolge der interventionistisch agierenden Staaten immer mehr in die Defensive geraten, werden ein weiteres Mal ausgehebelt. Staatsquoten von 50 Prozent und mehr in Europa belegen, dass Marktwirtschaft immer mehr zu Makulatur wird und eine wohlstandsgefährdende Staatswirtschaft dominiert. Wohin das führt, kann man sich vorstellen: das Paradies auf Erden sieht jedenfalls anders aus.

Fazit
Anstelle immer wieder neue wirkungslose Sanktionsrunden auszurufen, sich weiter einzugraben und Kollateralschäden bei der eigenen Bevölkerung billigend in Kauf zu nehmen, täte man gut daran, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Im Westen scheint man vergessen zu haben, dass die Ukraine beinahe das korrupteste Land Europas ist. Nach dem Transparency International Korruptionsindex rangiert sie auf Platz 122 von 180 Staaten. Nur  Russland liegt in Europa noch schlechter. Warum also ausgerechnet in der Ukraine die europäische Demokratie gerettet werden muss, bleibt - höflich formuliert - schwer greifbar. (kb) 

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