Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Kommentar

| Kommentar
twitterlinkedInXING

EZB ist fast unbemerkt zum Global-Macro-Hedgefund mutiert (Kommentar)

Von der Brexit-Diskussion zugedeckt, geschah Ende Juli Wesentliches in Bezug auf die Refinanzierung griechischer Banken: Diese dürfen griechische Staatsanleihen (GGBs) als Pfand einreichen und refinanzieren sich billiger. Ein Hellas Bond-Ankauf durch die EZB im Rahmen von PSPP kommt wohl auch bald.

hedgefonds1.jpg

Geschickt hat die Europäische Zentralbank (EZB) ein Zeitfenster Ende Juni genutzt, um relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit ihre Politik in Bezug auf die Qualitätsanforderungen von Collateral zu ändern. Sie will nunmehr griechische Staatsanleihen, die nur Ramsch-Status aufweisen, wieder als Sicherheit akzeptieren. Das geht aus einer dürren Pressemeldung hervor. Dort heißt es, dass ab dem 29.06.2017 eine entsprechende Sonderregelung erneut in Kraft treten wird. Begründet wurde diese Entscheidung mit der Verpflichtung des Landes, sich dem ESM-Programm, als jenem des Europäischen Rettungsschirms, zu unterwerfen. Die Zentralbank hielt fest, das sie davon ausgehe, dass Griechenald die darin erteilten Auflagen erfüllen werde.

Neuerlicher Sündenfall....
Für Kritiker der aktuellen EZB-Politik ist dies natürlich Wasser auf deren Mühlen, hatte man doch aus dem Glaspalast in Frankfurt immer verlauten lassen, dass man beim Collateral auf Investment Grade-Qualität wertlege. Nun ist man als bei Ouzo Bonds wieder gegen alle Prinzipien großzügig und akzeptiert High Yield als Sicherheit für Kredite an griechischen Banken, die damit ihre Refinanzierungskosten deutlich drücken können. Diese können nun die relativ teuren ELA-Notkredite durch die wesentich günstigere Einreichung der GGBs als Pfand für neues Geld substituieren und damit zirka einen Prozentpunkt an Kosten sparen. Aus der griechischen Zentralbank sei zu vernehmen gewesen, dass sich die griechischen Geldhäuser dadurch bis zu einer halben Milliarde Euro an Zinskosten ersparen könnten, berichtete die dpa. Zudem bedeutet die Tatsache, dass GGBs wieder salonfähig geworden sind, dass die griechischen Banken an den Langfristkreditprogrammen der EZB (TLTROs) teilnehmen können und damit an weiteres billiges Geld, das unter Umständen sogar negativ verzinst sein kann, herankommen. 

... und Ankündigung eines weiteren
Zwar hieß es seitens der EZB, dass noch keine Entscheidung im Hinblick darauf, ob auch griechische Staatsanleihen im Rahmen des PSPP-Anleihekaufprogramms (Public Sector Purchase Programme) erworben werden können, getroffen worden sei, doch bei entsprechenden Fortschritten in Griechenland könne darüber zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Angesichts der Machtverhältnisse zugunsten der Südflanke in der Eurozone wird dies wohl nur eine Frage der Zeit sein. Für den gewievten Investor bedeutet dies, dass GGBs nach unten wohl gut abgestützt sind. Für EMD-Investments muss man also nicht unbedingt in die weite Ferne schweifen.

EZB als Global Macro Hedgefund?
Spannend dürfte nur werden, welches politische Großereignis, das die Medienlandschaft voll in Anspruch nimmt, dafür herhalten muss, um wiederum relativ unbemerkt einen weiteren Sündenfall zu begehen. Steter Tropfen höhlt bekanntlich ja den Stein. Wetten werden angenommen, wann auch die EZB ähnlich wie die Bank of Japan Aktien ankaufen wird und damit vollends zum Makro-Hedgefonds mutiert.

Dass durch die Geldflut Wesentliches wie die gesamte zweite Säule in der Altersvorsorge kaputtgeht und Wachstum trotzdem - siehe Japan - nicht angestoßen werden kann, scheint nur mehr von peripherem Interesse zu sein. (kb) 

 

 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen