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Deutscher Staatsfonds: Ja, aber hängt die Trauben hoch! (Kommentar)

Zehnjährige Renditen um null Prozent sollten Deutschland ermutigen, Gelder aufzunehmen und damit einen viele Milliarden schweren Staatsfonds aufzusetzen, der vornehmlich in gelistete und nicht-gelistetes Real Assets investiert. Unverzinste Target 2-Buchforderungen hat man schon genug.

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So wie Füchse um die süßen Trauben schleichen, würden dies Politiker bei einem Staatsfonds tun, um ihn früher oder später zu melken. 
© Archiv

Deutschland ist in der Bredouille. Per Ende März 2019 lagen die Target 2-Salden bei 941 Milliarden Euro und damit auf dem zweithöchsten Stand seit Einführung des Euro-Zahlungsausgleichssystems. Bekanntlich sind diese Forderungen im Zentralbanksystem unbesichert, aktuell unverzinst und können nicht fällig gestellt werden. Solange die Südflanke Europas wirtschaftlich nicht auf die Füße kommt - und danach sieht es nicht aus, denn die Währung ist für den Club Med einschließlich Frankreich zu stark -, wird es schon alleine aufgrund der deutschen Exporterfolge und des Kapitaltransfers besorgter Südeuropäer in den Euro-Zentralraum zu keiner nachhaltigen Besserung der Target 2-Saldenbilanz kommen können.  

Gedankenexperiment
Hält man gedanklich an der Billion Euro an unverzinslichen Target 2-Salden fest, könnte Deutschland die Gunst der Stunde - und der Niedrigstzinsen, so überhaupt vorhanden - nutzen und über mehrere Jahre hindurch insgesamt mehrere hundert Milliarden Euro aufnehmen, die in Aktien, Private Equity und Private Real Estate eines "Deutschen Generationenfonds" à la Norwegen investiert werden. 

Idee mit Charme
Das charmante daran wäre, dass die Erträge etwa zum Bezahlung der nicht gefundeten Pensionsversprechen herangezogen werden könnten. Zudem stiege Deutschlands Verschuldungsgrad, was den Euro unter Umständen schwächen und die Exportchancen des Euroraums und damit auch des Club Med in der Welt erhöhen würde. Und der Staat schüfe mit realen Vermögenswerten ein Gegengewicht zu den ertragslosen und wackeligen Target-Salden. Zudem ist nicht gesagt, dass ein solches Programm die Bonität Deutschland schwächen würde, ganz im Gegenteil: Durch den Erwerb von Real Assets könnten die Investoren auch durchaus geneigt sein, darin ein bonitätserhöhendes Moment zu sehen. Denn ein Weiterwursteln des Exportweltmeisters mit expandierenden Target 2-Salden und grünen Baumwolllappen vulgo US-Dollars als Entgelt für deutsche Qualitätsprodukte ist alles andere nachhaltig inspirierend. Dazu kommt noch, dass durch die stufenweise Aufnahme der Mittel am Kapitalmarkt und deren Investment ein gewisses Cost-Averaging betrieben wird. 

Warum ein solcher Generationenfonds in Deutschland niemals funktionieren wird
Zurück aus dem Land der Träume in die Niederungen der Realpolitik. Ein solcher Fonds hätte aus mehreren Gründen keine Chance - man denke nur an den Kaltstart des staatlichen Atom-Entsorgungsfonds und das Aufheulen im Blätterwald ob der Momentbetrachtung zum Jahresende 2018, die völlig irrelevant angesichts des langen Anlagehorizonts ist. Zudem gibt es dort ein Kuratorium, das "die Einbindung des politischen Meinungsspektrums und der Bundesregierung gewährleistet". Dies kling nach einer gefährlichen Drohung - und ist wohl auch eine. Schließlich setzt das Kuratorium den Vorstand ein und überwacht dessen Geschäftsführung der Stiftung. Hochrangige Vertreter dreier Bundesministerien machen sich dort breit genauso wie alle Fraktionen des Deutschen Bundestages. Einziger Lichtblick ist der Anlageausschuss, der allerdings nur beratende Funktion für das Kuratorium besitzt und aus fünf Mitgliedern besteht, die über langjährige Erfahrungen im Bereich der Portfolioverwaltung, Mittelanlage oder Risikosteuerung verfügen.

Was wäre zu tun?
Jede Menge, dies wäre eine wahrhaft herkulische Aufgabe. Denn die süßen Trauben müsste so hoch gehängt werden, dass die Polit-Füchse keinen Einfluss mehr nach Errichtung des Vehikels nehmen können. Das könnte etwa durch Kooptierungsrechte in den Gremien geschehen. Der Einfluss der Politik müsste gänzlich aus einem solchen Generationenfonds eliminiert werden, um Begehrlichkeiten bezüglich Substanz oder Ertragsverwendung, die dem ursprünglichen Zweck zuwiderläuft, auszuschließen. Dies könnte zum Beispiel dadurch geschehen, dass sämtliche Änderungen einer verpflichtenden Volksabstimmung unterzogen werden müssten. Die Anlagerichtlinien müssten einen möglichst großen Spielraum zulassen und eindeutig den Fokus auf Real Assets festschreiben, damit der Generationenfonds nicht eines früheren oder späteren Tages mit Staatspapieren aus der Eurozone aus Gründen einer falsch verstandenen Solidarität vollgesogen wird. 

Gleichzeitig müsste das ökonomische Verständnis der Bevölkerung entwickelt werden, etwa dadurch, dass man in den Schulen Kapitalmarktwissen anstelle von Genderismus und Klimawahn unterrichtet und in den öffentlich-rechtlichen Medienanstalten seinem Bildungsauftrag endlich nachkommt, statt einseitig gefärbte Berichterstattung zu betreiben. 

Wem wäre so eine Titanenaufgabe noch am ehesten zuzutrauen?
Einem Bundeskanzler, der Kapitalmarkterfahrung besitzt und nach innen und außen das Vertrauen ausstrahlt, das eine solche unorthodoxe Maßnahme erfordert. Da fällt einem nur Friedrich Merz ein, dessen Stunde nach der EU-Wahl und den wohl jetzt schon mit Sicherheit verlorenen Landtagswahlen im Herbst schlagen sollte. 

Umdenken
Die Deutschen von der Lebensversicherung und Termingeldern in Richtung Beteiligung am Produktivkapital zu bewegen, kann nicht von heute auf morgen gelingen. Das Schweizer Vorbild - man denke nur an die Schweizerische Nationalbank, die Devisenreserven in Aktien angelegt hat - mag helfen, setzt aber auch eine faire und ausgewogene Berichterstattung der Medien voraus, von der man hierzulande freilich nur träumen kann.

Betrachtet man die Linksverortung der schreibenden Zunft und den vielerorts gepflegten "Haltungsjournalismus", kann man von einer gewissen Kapitalmarktaffinität nur träumen. "Viel Feind, viel Ehr'" (© Georg von Frundsberg) muss das Motto dessen lauten, der sich an das Thema heranwagt. (kb)

 

 

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