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3/2026 | Theorie & Praxis

Zwischen BASF und Ehrenamt

Beate Petry ist seit Januar 2025 Vorstandsvorsitzende der Pensionskasse der BASF. Im Mai desselben Jahres hat sie auch den Vorstandsvorsitz der Arbeitsgemeinschaft betriebliche Altersversorgung (aba) übernommen – als erste Frau. Bei einem Ausflug ins pfälzische Wachenheim erzählt sie, wie es dazu kam, dass sie der BASF seit 30 Jahren treu ist, und was sie antreibt.

Christoph Hemmerich

Wer sich von Frankfurt am Main aus über die Autobahn A6 der rheinland-pfälzischen Stadt Ludwigshafen nähert, bemerkt es sofort: Hier ist der Chemiekonzern BASF omnipräsent. „BASF Tor 15“: So ist die erste Ausfahrt, die auftaucht, beschildert. „BASF Tor 12“ steht auf dem nächsten Schild. Der Treffpunkt für den Ausflug in die Pfalz soll an diesem wolkigen August-Montag das Tor 2 sein. So geht es runter von der Autobahn, noch ein kurzes Stück über die Bundesstraße 9 und auf den Besucherparkplatz.

Das Tor 2 ist gleich gegenüber. Um 14 Uhr soll der Pfalz-Trip starten, doch sie kommt schon etwas früher. Weinroter Hosenanzug, weiße Bluse, weiße Sneakers und den Kopf voller dunkelblonder Locken: Mit festen Schritten eilt sie heran, streckt die Hand zur Begrüßung aus. „Hallo, Beate Petry, wie schön, dass Sie da sind“, sagt die Chefin der BASF Pensionskasse. Und zum ersten Mal an diesem Tag gleitet das freundliche, zugewandte Lächeln über ihr Gesicht, das den trüben Tag gleich etwas heller werden lässt.

„Ich dachte, wir könnten nach Wachenheim fahren und eine kleine Wanderung auf die Wachtenburg unternehmen“, schlägt Petry vor. „Da findet heute auch der letzte Tag des Weinfestes statt“, berichtet sie. Sehr gern. Mit dem Auto geht es in die rund 30 Minuten entfernte Kleinstadt an der Weinstraße im Landkreis Bad Dürkheim.

Beate Petry liebt die Pfalz. Seit sie sechs Jahre alt ist, lebt sie hier, heute wieder in Bobenheim-Roxheim, dem Ort ist sie von Kindesbeinen an verbunden. Im September wird sie ihren 50. Geburtstag feiern. Und wenn ihre tatkräftige, frische Art nicht vollkommen dagegenspräche, wäre sie tatsächlich fast ein „Urgestein der BASF“ zu nennen.

Vor 30 Jahren hat sie bei der BASF ihr duales Studium der Betriebswirtschaftslehre in Kooperation mit der Fachhochschule Ludwigshafen begonnen, in den Semesterferien Praxisphasen bei BASF absolviert. Parallel lief die Ausbildung zur Industriekauffrau im Unternehmen. 2001 steigt sie ­beruflich in den Chemiekonzern ein, durchläuft verschiedene Stationen von der HR-Kommunikation bis hin zu Führungspositionen im Personalbereich. Seit Januar 2025 ist sie Vorstandsvorsitzende der BASF Pensionskasse. Im Mai desselben Jahres hat sie außerdem den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) übernommen.

„Der Weg auf die Burg ist ein bisschen steil, aber wir sind ja sportlich“, lacht die Pensionskassen-Chefin, als sie in Wachenheim aus dem Auto steigt. Sportlich – das gilt zumindest für sie selbst. Nicht nur dass sie leidenschaftlich gern Ski fährt, sie hat auch eine Ausbildung zur Skilehrerin absolviert – genau wie ihr Ehemann und ihre ältere Tochter, die inzwischen 18 Jahre alt ist. „Unsere 16-Jährige macht jetzt auch gerade ihre Ausbildung zur Skilehrerin“, erzählt Petry. Mit ihrem Mann zusammen organisiert sie regelmäßig Familienfreizeiten für einen lokalen Ski- und Snowboardclub.

„Fußball ist auch ein Familienhobby von uns“, sagt Petry, als es im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein hinauf zur Wachtenburg geht. „Fußball spielen kann ich zwar nicht“, zwinkert sie. Aber die Familie hat Dauerkarten für den Betzenberg, das Fritz-Walter-Stadion, die Wettkampfstätte des 1. FC Kaiserslautern. „Schon als ich 16 war, hatte ich eine Dauerkarte“, berichtet Petry. „Oh, hallo, na, schon mitten in den Vorbereitungen für heute Abend?“, ruft sie angekommen auf der Wachtenburg.

Auf dem Gelände rund um die Burg, einer romantischen Ruine mit Turm, die sich mit ihren Gemäuern auf einem Bergsporn oberhalb von Wachenheim erstreckt und als Wahrzeichen der Stadt gilt, sind Tische und Stühle aufgebaut. Stände mit pfälzischen Spezialitäten wie Saumagen oder Fleeschknepp – Fleischklöße – gibt es hier. Überall sind Fackeln und Kerzen positioniert.

„Wir haben heute schon früh angefangen“, sagt Rosemarie, die hinter dem Weinstand steht. Der „Funzelabend“, der Abend des letzten Weinfesttages, der komplett ohne künstliches Licht auskommt, will schließlich gut vorbereitet sein. „Wollt ihr etwas trinken?“, fragt Rosemarie. Hm, eigentlich ist es noch ein bisschen früh, aber gut, eine kleine Weißherbst-Schorle darf es schon sein. „Setzt euch doch hin, ich bringe euch das gleich“, sagt die Frau, deren Dialekt eindeutig ihre pfälzische Herkunft verrät.

Kennt Beate Petry sie schon länger? Sie wirkt so vertraut mit ihr. Da ist es wieder, dieses warme Lächeln. „Nein, überhaupt nicht, aber hier in der Pfalz sind die Menschen so offen und herzlich, jeder ist mit jedem gleich per du, ich liebe das sehr“, sagt die Finanzfrau. „Pälzisch babbeln“, also „pfälzisch reden“, hat sie in fast 44 Jahren in diesem Landstrich allerdings nicht richtig gelernt.

Beate Petry ist nämlich kein Kind der Pfalz. Im September 1976 kommt sie in Berlin-Neukölln zur Welt, wohnt in Kreuzberg. Aus familiären Gründen ziehen Mutter und Tochter 1982 in die Pfalz nach Bobenheim-Roxheim. Und so findet Beate Petry hier eine neue Heimat.
In Frankenthal besucht sie die Grundschule, später das Gymnasium. Schon früh schließt sie sich den Pfadfindern an, lernt, was es bedeutet, füreinander respektvoll einzustehen, gemeinsame Ziele zu verfolgen – und auch wie schön es ist, am Lagerfeuer zusammen Lieder zu singen. Soziales Engagement und mit anderen Menschen auch einfach mal Spaß zu haben, das ist ihr bis heute enorm wichtig.

Bei den Pfadfindern lernt sie schon bald ihren späteren Mann kennen. „Und als dann unsere Töchter kamen, haben wir sie auch direkt angemeldet, heute leiten sie Gruppen wie wir damals“, schmunzelt Petry. Rose­marie bringt die Weinschorle. „Lasst es euch schmecken!“, sagt sie.

„Schauen Sie mal, ganz da hinten, da ist die BASF zu sehen.“ Als die Schorle getrunken ist, gilt es, die wunderschöne Aussicht über den Rhein, die sich hier oben auf der Burg bietet, noch ein bisschen zu genießen. Beate Petry ist mit der BASF fest verwachsen. „Tatsächlich war ich beruflich nie bei irgendeinem anderen Unternehmen tätig“, sagt sie.

Nach dem Abitur im Jahr 1996 durchläuft sie einige Praktika, auch eines bei einer Bank, landet schließlich aber bei dem Ludwigshafener Chemiekonzern. Zu dieser Zeit hatte die BASF gerade einen dualen Studiengang eingeführt, der mit dem Abschluss „Diplombetriebswirtschaft FH“ endete. Viereinhalb Jahre dauert das Studium an der Fachhochschule Ludwigshafen, „nebenbei“ absolviert Beate Petry ihre Ausbildung zur Industriekauffrau. Zwei Auslandsemester verbringt sie an der University of North Carolina in Greensboro, macht 2001 ihren MBA – und bleibt der BASF treu.

„Schon in der Ausbildungszeit, in der ich in ganz unterschiedliche Unternehmensgebiete hineinschnuppern durfte, habe ich schnell gemerkt, dass ich ein Personalmensch bin“, sagt Petry. So arbeitet sie in der Folge immer im Bereich Personal, doch keine Funktion ist wie die andere.

„Ich war zum Beispiel in der Kommunikation tätig, da ging es darum, Mitarbeitern Personalthemen nahezubringen und sie zu informieren“, berichtet Petry. Später ist sie bereits als Führungskraft für die Rekrutierung von Auszubildenden verantwortlich. „Damals wurden pro Jahr rund 1.000 Auszubildende in 30 Berufen eingestellt“, sagt Petry. Schon immer hatte sie Freude daran, mit jungen Leuten zu tun zu haben. Das ist bis heute so. Nach zwei weiteren Führungspositionen steigt Beate Petry im Jahr 2022 in den Bereich der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ein, die bei der BASF eine lange Tradition hat. Seit fast 140 Jahren gibt es die Pensionskasse des Chemieunternehmens. „Und mich hat Altersversorgung schon immer interessiert“, sagt Petry.

„Wollt ihr was essen?“, fragt eine Kollegin von Rosemarie, als es schon fast wieder von der Burg nach unten zum Parkplatz gehen soll. Der Grill ist in Betrieb, die Pfälzer Bratwurst verlockt durchaus. Ein kleiner Snack kann ja nicht schaden – und dabei lässt es sich gemütlich reden. „Im Jahr 2022 bin ich Head of Global Pensions & Benefits geworden“, erzählt Beate Petry. Und sie erklärt auch gleich, was unter diesem Titel zu verstehen ist.

„Ich bin global verantwortlich für die personalseitige Steuerung aller Pensionsaktivitäten der BASF und für die sogenannten Insurable Employee Benefits“, sagt sie. Darunter sind alle Versicherungen zu verstehen, die das Unternehmen für seine Mitarbeiter abschließt, kurz alles, was zusätzlich zum Gehalt noch dazu kommt.

Mit ihrem neunköpfigen Team ist Petry zudem für die Steuerung der globalen Altersversorgung des Chemiekonzerns mit seinen mehr als 108.000 Beschäftigten in 93 Ländern verantwortlich. Dabei geht es zum Beispiel um die Betreuung und Beratung der BASF-Standorte in anderen Ländern, wenn dort neue Pensionspläne eingeführt oder bestehende geändert werden sollen.

Dies kann zum Beispiel bei Gesetzesänderungen der Fall sein. „Außerdem sind wir in die Due-Diligence-Phase eingebunden, wenn die BASF ein Unternehmen kauft oder verkauft“, erläutert Petry. Auch sämtliche Direktzusagen liegen bei Beate Petry und ihrem Team.

Die Pensionskasse ist davon getrennt, doch auch für diese trägt Petry zusammen mit Kollegen aus dem HR- und Finanzbereich die Verantwortung. „Wir haben hier drei Tarife“, sagt sie. Der erste ist ein Bedarfs­deckungstarif mit fest definierten Leistungen. Im Jahr 2004 hat die BASF auf einen versicherungsförmigen Tarif mit einem Rechnungszins in Höhe von 2,5 Prozent umgestellt. „In der lang anhaltenden Niedrigzinsphase hat uns die Finanzaufsicht Bafin dann mitgeteilt, dass wir den Zins senken müssen“, berichtet die Chefin der Pensionskasse. Daher wurde der zweite Tarif im Juli 2021 geschlossen, der dritte sieht nun einen Rechnungszins von null Prozent vor.

„Für die versicherungsförmigen Tarife haben wir trotz der regulatorischen Anforderungen und der lang anhaltenden Niedrigzinsphase ungefähr drei Prozent Rendite erwirtschaftet“, erzählt sie. „Aber selbst solch einen Ertrag frisst die gestiegene Inflation ja schnell wieder auf“, erklärt sie. Um für die Beschäftigten etwas mehr herauszuholen, investiert die Pensionskasse traditionell breit diversifiziert über verschiedenste Anlageklassen wie Anleihen, Aktien, Private Equity und Infrastrukturprojekte.

„Auf diesen Gebieten haben sich die Kolle­gen schon lange vor meiner Zeit eine hohe Expertise aufgebaut. Ich bin auch eine Verfechterin davon und denke, gerade Privatmarkt-Assets gehören in jedes gut diversifizierte Altersversorgungsportfolio“, sagt Petry. „Zentral bei der Steuerung der Kapitalanlage einer Pensionskasse sind die aufsichtsrechtlichen Anlagevorschriften und -quoten wie zum Beispiel die Risikoquote, die gerade auf 40 Prozent erhöht wurde, und weitere Spezialquoten“, erklärt Petry. Auf ihre Kollegen in Kapitalanlage, Risikomanagement und Bestandsverwaltung ist sie sehr stolz. „Sie machen das super, und schließlich kommt alles, was wir erwirtschaften, den Mitarbeitenden zugute, wenn sie in Rente gehen“, so Petry.

„Hat es geschmeckt?“, fragt die Dame am Essensstand. „Hervorragend, dann alles Gute für den Funzelabend heute“, antwortet die Pensionskassen-Chefin. Es wird langsam Zeit, den Rückweg anzutreten. Hinab geht es durch den Wald zurück zum Parkplatz. Beate Petry hat heute noch viel zu tun, einen halben Wochentag in der Pfalz zu verbringen, das ist schon eine Ausnahme. Neben ihrer Tätigkeit als Vorstandsvorsitzende der BASF Pensionskasse hat Petry seit Mai 2025 auch noch den Vorstandsvorsitz der aba inne, des Fachverbands für betriebliche Altersversorgung. „Der aba-Vorstand ist ein ehrenamtliches Gremium, wir sind 17 Mitglieder aus unterschiedlichen Bereichen, etwa von Versicherungen, Beratungshäusern, Verbänden und großen Unternehmen. Als ständige Gäste sind die Leiter der vier aba-Fachausschüsse in die Vorstandsarbeit eingebunden. Der Vorstand wird ergänzt durch eine kleine, aber schlagkräftige Geschäftsstelle mit neun Mitarbeitenden“, erklärt Petry.

Gemeinsam arbeiten sie daran, die betriebliche Altersversorgung nach vorn zu bringen. „Was ich an der aba schätze, ist die riesengroße Expertise, die dort zusammenkommt. Es macht mir unheimlich Spaß, mit den Menschen dort zu arbeiten“, so Petry. Immer wieder ist sie für Anhörungen auch in Berlin, trifft Bundestagsabgeordnete. „In der letzten Zeit ging es eigentlich immer um das Betriebsrentenstärkungsgesetz II und ganz aktuell natürlich um die Empfehlungen der Alterssicherungskommission“, lächelt Petry.

Ebenfalls aktiv ist sie in der Selbstverwaltung der Deutschen Rentenversicherung (DRV), sitzt im Bundesvorstand und ist Vorstandsvorsitzende der rheinland-pfälzi­schen DRV. Altersversorgung ist einfach ihr Thema. Das bringt sie auch bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und beim Bundesarbeitgeberverein der chemischen Industrie (BAVC) in verschiedenen Ausschüssen immer wieder ein.

In der BASF engagiert sich die Pensionskassen-Chefin sehr gern für junge Leute. Ihr ist es wichtig, dass sie die Bedeutung einer guten Altersvorsorge früh erkennen. „Vor einiger Zeit haben wir in einem Projekt eine duale Studentin ein Erklär-Video zur bAV in einfacher Jugendsprache drehen lassen“, berichtet Petry. Das kam nicht nur im Unternehmen sehr gut an. „Wir haben dafür auch den dritten Platz beim deutschen bAV-Preis erhalten“, sagt Petry stolz.

Über die Autobahn geht es nun zurück. Was macht Beate Petry, wenn sie nicht arbeitet? Womit verbringt sie ihre Freizeit? „Ich habe einige Ehrenämter“, berichtet sie. Wenn es die Zeit erlaubt, managt sie an Sonntagvormittagen die öffentliche Bücherei der katholischen Kirche in Bobenheim-Roxheim, engagiert sich auch sonst kirchlich, organisiert mit ihrem Mann die Skifreizeiten, hilft auch schon mal auf der Kerwe, den örtlichen Festen, aus und leitet auch noch eine Frauenfitnessgruppe. „Mir sind der Austausch mit anderen Menschen und soziale Werte einfach unheimlich wichtig“, sagt Petry, als sie auf dem Besucherparkplatz aus dem Auto steigt. „Und ich liebe Fehler, denn daraus kann man immer etwas lernen.“

Fast will sie schon die Hand zum Abschied ausstrecken, doch eine Frage muss noch sein. Welche Eigenschaften braucht eine starke Frau, die einer Pensionskasse vorsteht? „Keine anderen als ein Mann“, sagt Beate Petry klar. „Es sind doch die Qualifikationen, die darüber entscheiden sollten, wer für einen Job am besten infrage kommt“, findet sie. Ihre große Stärke sieht sie in ihrer Energie und ihrer Begeisterungsfähigkeit. „Und ich bin ein absoluter Teamplayer“, erklärt Petry. „Ich hasse Ellenbogen. Für mich zählt, dass man gemeinsam etwas erreicht.“ Dann sagt sie: „Auf Wiedersehen, es hat wirklich Spaß gemacht heute.“

ANDREA MARTENS

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