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2/2021 | Theorie & Praxis
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»Wir sind Täter und Opfer zugleich«

Im Interview erklärt Paul Wessling, Vorstand der Müllerei Pensionskasse, ­welche Lösung er für das Problem von Negativzinsen bei Banken gefunden hat. Und warum er von bestimmten Anlageinstrumenten grundsätzlich die Finger lässt.

Was die drängenden Fragen der betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland angeht, dürfte es nur wenige geben, die ihm etwas vormachen können. Paul Wessling, Vorstand der in Krefeld ansässigen Müllerei Pensions­kasse, gilt als einer der besten Kenner der Facetten einer Zusatzvorsorge über den ­Arbeitgeber. Unter Beweis stellt er das nicht nur regelmäßig in seiner Funktion als Leiter des bei der Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte angesiedelten Fachkreises ­Kapitalanlage und Asset Management. Seit Neuestem diskutiert er als Moderator des TV-Formats „Zinsrunde digital“, das er während der Corona-Pandemie ins Leben gerufen hat, mit ausgesuchten Experten über wesentliche Fragen, die derzeit die Asset-Management-Branche beschäftigen. Im ­Interview mit Institutional Money kritisiert Wessling nicht nur manche Entscheidung der Aufsichtsbehörden in Bezug auf die ­sogenannte intensivierte Aufsicht. Er erklärt auch, warum er von einer Pflichtmitgliedschaft im Pensions-Sicherungs-Verein, der die Trägerunternehmen einer Pensionskasse seit diesem Jahr unterliegen, nicht viel hält.

Herr Wessling, gewähren Sie uns einen Blick hinter die Kulissen der MPK Pensionskasse und ihrer Mitglieder.
Paul Wessling: Auch wenn das wahrscheinlich den wenigsten Marktbeobachtern bekannt ist, aber unsere Pensionskasse blickt auf eine durchaus beachtliche Historie ­zurück, die bis in die Anfänge des vorigen Jahrhunderts zurückreicht. Die MPK wurde bereits 1911 gegründet, kurz vor Verabschiedung des Versicherungsaufsichtsgesetzes. Als überbetriebliche und rechtlich selbstständige private Pensionsversicherung sind wir als Spezialist für die betriebliche Altersversorgung als zusätzlicher Versorgungsträger neben der gesetzlichen Rentenversicherung tätig. Wir stehen dabei sämt­lichen Unternehmen aus dem Ernährungs- und Agrarbereich offen, unabhängig von der Unternehmensgröße. Neben der Altersversorgung für deren Mitarbeiter übernehmen wir auch die Altersabsicherung von Geschäftsführern und Unternehmern.

Und die Mitglieder?
Das sind in erster Linie kleinere Unternehmen der Müllereibranche, oft auch Familienbetriebe mit fünf bis 20 Angestellten. Zu unseren Trägergesellschaften gehören aber durchaus auch Großunternehmen. Auch wenn die meisten Menschen heute ihr Mehl mehr oder weniger achtlos im Supermarkt kaufen, so steckt dahinter natürlich ein Wirtschaftszweig mit einer insgesamt beachtlichen Größe. Dem einen oder anderen dürften zumindest Namen von Branchengrößen wie Aurora in Köln oder die Castellmühle in Krefeld, heute ein Tochterunternehmen der europaweit tätigen GoodMills-Gruppe, ein Begriff sein. Zu unseren Kunden gehören aber auch Tierfutterhersteller wie etwa die Deutsche Tiernahrung Cremer in Düsseldorf und Spezial­betriebe wie zum Beispiel Ölmühlen.

Sagen Sie noch etwas zu Ihren Zahlen?
Wir haben derzeit gut 6.000 Versicherte in unserem Bestand, wovon zirka 4.500 Anwärter sind, weil sie eben noch im Berufsleben stehen. Rund 1.500 unserer Versicherten sind bereits im Ruhestand und beziehen von uns eine Rente. Was unsere Jahreszahlen angeht, liegen wir bei den Beiträgen bei etwa vier Millionen Euro, unsere Versicherungsleistungen betragen rund fünf Millionen Euro, inklusive Deckungsrückstellungen sind es etwa sechs Millionen Euro. Erfreulich für unsere Kalkulation als Pensionskasse ist, dass in den letzten Jahren die Zahl der Rentner etwas abgenommen hat, während durch entsprechende Neueinstellungen bei unseren Trägerunternehmen die Zahl der Anwärter gewachsen ist. Wir hatten im vergangenen Jahr über 300 Neuzugänge. Damit liegen wir im Bafin-Ranking von 150 Pensionskassen auf Platz 99.

Arbeiten Sie denn mit einem Außendienst oder Maklern?
Nein. Unser Vertrieb oder ­unser Außendienst, das sind, wenn Sie so wollen, die Personalabteilungen unserer Mitgliedsgesellschaften. Daher entfallen bei uns jegliche Vertreter- oder Maklerpro­visionen, was durch einen entsprechend ­geringen Verwaltungsaufwand unseren ­Ver­sicherten zugutekommt. Als soziale Ein­richtung zahlt die MPK keine Steuern auf ihre erzielten Überschüsse, die satzungs­gemäß ausschließlich zu Leistungsverbesserungen der bereits bestehenden Anwartschaften und der laufenden Pensionen verwendet dürfen.

Welches Leistungsspektrum bietet die MPK Pensionskasse an?
Wir bieten beides an, sowohl die arbeitnehmerfinanzierte Vorsorge über die Entgeltumwandlung als auch die arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge. Darüber hinaus können unsere Anwärter auch Einmalbeiträge in Form von Sonderzahlungen, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld im Rahmen der Entgeltumwandlung bei uns einzahlen. Wir bieten zudem die Altersab­sicherung für Selbstständige an.

Bis vor einigen Jahren war auch die Rürup-Rente dabei. Warum haben Sie dieses Ange­bot aus dem Programm genommen?
Ich bin erst seit 2017 in meiner Rolle als Vorstand, aus diesem Grund haben meine Vorgänger bereits entschieden, auf die Rürup-Rente zu verzichten – und das aus gutem Grund. Unsere Pensions­kasse ist nach Solvency I reguliert. Hätten wir die Rürup-Rente beibehalten, so hätte das bedeutet, dass wir ab dem Jahr 2016 aufsichtsrechtlich unter die wesentlich ­strengeren Regeln von Solvency II gefallen wären. Das wäre für eine Pensionskasse ­unserer Größenordnung nicht zu leisten ­gewesen.

Von welcher Größenordnung sprechen wir denn überhaupt?
Die Höhe unserer Deckungsrückstellungen liegt bei etwa 120 Millionen Euro, in einem entsprechenden Rahmen bewegen sich unsere Kapitalanlagen. Als Pensionskasse müssen wir natürlich besonderen Wert auf die finanzielle Stabilität der von uns verwalteten Vorsorgetarife legen. Die nachhaltige Erfüllbarkeit unserer Verpflichtungen muss dabei auf jeden Fall und zu ­jeder Zeit gewährleistet sein, inklusive der Verpflichtungen aus neu abgeschlossenen Verträgen. Wir werden natürlich versuchen, für unsere Versicherten eine möglichst attraktive Überschussbeteiligung zu erzielen. Was uns dabei jedoch in gewisser Hinsicht begrenzt, das ist die Notwendigkeit, unsere Kapitalanlage stets mit unserer Risikotragfähigkeit in Einklang zu bringen.

Wobei ein vor Kurzem gesetzlich festgelegter Höchstrechnungszins von 0,25 Prozent Ihnen im Moment nicht viel Raum lässt in Bezug auf eine möglichst breite Streuung Ihrer Kapitalanlagen.
Das ist richtig, und darauf zielt auch meine Kritik an der Aufsichtsbehörde Bafin ab, die meines Erachtens die Dau­men­schrauben oft etwas zu fest anzieht. ­Etwas mehr Flexibilität wäre durchaus angebracht, dann hätten viele Pensionskassen durchaus mehr Möglichkeiten, auch heute noch Tarife anzubieten, die oberhalb des neuen Rechnungszinses liegen. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass sich inzwischen bereits 60 Pensionskassen im Run-off befinden, sprich: kein Neugeschäft mehr abschließen. Und ganze 40 Pensionskassen befinden sich unter einer sogenannten intensivierten Aufsicht …

… im Grunde das, was der vor Kurzem ausgeschiedene Bafin-Präsident Felix Hufeld etwas flapsig als „Manndeckung“ bezeichnet hat. Auch Ihr Unternehmen ist davon betroffen, richtig?
Wir waren sogar eine der ­ersten Pensionskassen, die bereits im Jahr 2018, als die Bafin diese Vorgehensweise eingeführt hat, unter diese intensivierte ­Aufsicht gestellt wurden. Vor allem weil wir bis vor Kurzem noch einen Tarif mit einer Verzinsung von 175 Basispunkten angeboten haben. Das wäre in früheren Zeiten vielleicht noch akzeptiert worden, inzwischen aber ist die Bafin in dieser Beziehung ziemlich stringent und entlässt eine Pensions­kasse letztlich nur dann aus dieser inten­sivierten Aufsicht, wenn diese nachweist, dass ihre Trägergesellschaften für den Fall einer möglichen Unterdeckung entweder schon zusätzliche Einschüsse ins Eigenkapital geleistet haben oder zumindest ein eindeutiges und belastbares Commitment in diesem Sinne abgegeben haben.

Und wenn man beides nicht hat?
Dann ist schwer zu argumentieren, warum man aus dieser intensivierten Aufsicht entlassen werden möchte. Und das halte ich einfach für ein zu enges Korsett, das die Bafin anlegt. Denn ich kenne wirklich keine Pensionskasse, die Kapitalanlagen tätigt, deren Rendite sich unterhalb von einem Prozent bewegt. Zumal sich das ­meiste im illiquiden Bereich abspielt, aber nicht in täglich handelbaren Assets.

Aber heißt das nicht automatisch auch, dass man ein höheres Risiko eingeht?
Paul Wessling: Wenn man in Hybridkapital wie Nachrangdarlehen investiert, ist das ­Risiko natürlich etwas höher. Aber im illiquiden Bereich lassen sich über Schuldscheindarlehen oder Namenspapiere auch ohne erhöhtes Risiko noch Zinserträge zwischen drei und vier Prozent erzielen.

Kurz nachgefragt: Welche konkreten Konsequenzen hat eigentlich eine intensivierte Aufsicht in der Praxis?
Im Grunde muss die entsprechende Pensionskasse entweder jedes Vierteljahr oder jedes halbe Jahr ein Niedrigzinsszenario an die Bafin berichten. Letztlich ist das eine Prognose, wie sich ihre Verpflichtungen und ihre Kapitalanlagen auf Sicht der nächsten zehn und 15 Jahre entwickeln werden. Und der Bericht muss Antworten geben in Bezug auf die Entwicklung der Beiträge, der Leistungen sowie der Kos­ten der Pensionskasse; im Prinzip die Eckpunkte, an denen man festmachen kann, ob in der Zukunft Leistungskürzungen drohen, weil man seine Verpflichtungen nicht mehr einhalten kann.

Wie sieht denn die Situation bei der MPK aus?
Wir befinden uns natürlich noch nicht in einer Äquivalenz in Bezug auf das Verhältnis von Beiträgen und Rentenansprüchen. Denn am Ende können wir über die Beiträge allein die notwendige Höhe für unsere Rentenzahlungen nicht darstellen, ­einen Teil müssen wir aus unseren Kapitalerträgen finanzieren. Hätten wir hier eine vollkommene Äquivalenz oder würden wir sogar mehr Beiträge einnehmen, als wir auf der Rentenseite ausgeben, so hätten wir wahrscheinlich gute Chancen, aus dieser ­intensivierten Aufsicht auch ohne Commitments unserer Trägerunternehmen entlassen zu werden. Wir haben es immerhin geschafft, dass wir bereits seit 2019 zu einem halbjährlichen Berichtsturnus übergehen konnten.

Mit welcher Konsequenz?
Zum einen müssen dann nur noch Vorstand und Aufsichtsrat Stellung nehmen, aber nicht mehr der Wirtschaftsprüfer wie im vierteljährlichen Szenario. Daher sind wir inzwischen schon etwas besser gestellt. Und wir haben zum Glück die Rückendeckung unseres Aufsichtsrats, der nicht müde wird, gegenüber der Bafin zu betonen, dass er nicht einsieht, warum wir bei unseren Prognosen letztlich noch immer unter Manndeckung stehen. Denn am Ende gab es bei der MPK bisher noch nie irgendwelche Leistungskürzungen, und die stehen auch in den nächsten zehn Jahren nicht an. Außerdem hoffen wir natürlich, dass der Zins irgendwann wieder ein normales Niveau erreichen wird. Dazu müsste die ­Europäische Zentralbank aber von einer rein politisch getriebenen zu einer vom Markt getriebenen Zinspolitik zurückkehren. Danach sieht es im Moment aber noch nicht wirklich aus.

Und Ihr Portfolio? Welche Struktur haben die Kapitalanlagen der Pensionskasse?
Als ich vor rund vier Jahren angetreten bin, war unser Portfolio noch nicht wirklich gut diversifiziert. Damals ­hatten wir den Großteil unserer Gelder in Schuldscheindarlehen und Namenspapiere von Finanzinstituten investiert. Seit 2018 aber haben wir unser Gesamtportfolio auf eine deutlich breitere Basis gestellt. Ein Großteil, etwa 50 Prozent unserer Investments, ist zwar nach wie vor in die erwähnten Bankanleihen investiert, weil es nun mal nicht fungible Papiere sind. Allerdings werden wir diesen Teil unseres Portfolios über die nächsten Jahre weiter diversifizieren.

Und die andere Hälfte?
Die haben wir in einen über die MEAG aufgelegten Spezialfonds inves­tiert, dessen einziger Anteilseigner wir bisher sind. Bei der Entscheidung für den Vermögensverwalter der Münchener Rück und der Ergo-Gruppe war uns wichtig, einen Partner zu haben, der das Versicherungs­geschäft kennt und gleichzeitig die Professionalität einer Kapitalverwaltungsgesellschaft mitbringt.

Was können Sie über die Gesamtstruktur ­Ihrer Investments sagen?
Auch wenn festverzinsliche Anlagen künftig sicherlich eine dominante Rolle in unserem Kapitalanlagebestand einnehmen werden, so sind wir inzwischen deutlich breiter aufgestellt. Außerdem werden wir angesichts der nach wie vor anhaltenden Niedrigzinsphase vorerst keine großen Neuengagements im Anleihensegment eingehen. Unsere Aktienquote liegt bereits heute bei rund zehn Prozent. Und wir haben auch unser Immobilien-Exposure auf derzeit rund 20 Prozent deutlich erhöht.

Worauf setzen Sie bei Immobilien – eher ­direkte oder indirekte Investments?
Nach dem wir uns im vergangenen Jahr mit einem durchaus beachtlichen Erlös von einer Pflegeheimimmobilie getrennt haben, halten wir inzwischen nur noch eine Immobilie als Direktanlage in ­unserem Bestand. Das ist das Gebäude, in dem unsere eigenen Geschäftsräume untergebracht sowie insgesamt 35 Wohneinheiten sind. Aber auch davon werden wir uns möglichst zeitnah trennen, um den Erlös in indirekte Immobilienanlagen wie Immobilienfonds zu investieren. Für eine Pensionskasse unserer Statur ist der Verwaltungsaufwand im Zusammenhang mit direkt gehaltenen Immobilien einfach zu hoch.

Für eine Pensionskasse spielt doch sicher auch das Thema Liquidität keine unbedeutende Rolle. Wie gehen Sie mit dem Problem von Negativzinsen um, das sich inzwischen bei nahezu jeder Bank stellt?
Auch wir standen natürlich vor dem Problem, als selbst die Geschäftsbanken, die 2019 noch auf die Berechnung von Negativzinsen verzichtet haben, der Reihe nach ihre Versprechen nicht mehr einhalten konnten. Wir haben daraus die Konsequenzen gezogen und den größten Teil unserer Liquidität in einem Renten-ETF mit kurzen Laufzeiten geparkt. Damit haben wir zum einen kein Abschreibungs­risiko für diese Anlagen zu befürchten, zum anderen können wir damit sogar noch 15 oder 20 Basispunkte verdienen.

Gibt es bestimmte Investments, von denen Sie grundsätzlich die Finger lassen?
Die gibt es durchaus, was nicht zuletzt mit meinen persönlichen ­Erfahrungen im Lauf meiner beruflichen Laufbahn zusammenhängt. Ich gehörte zu den Mitarbeitern der US-Investmentbank Bear Stearns, die im Jahr 2008 noch vor der späteren Lehman-Pleite vor der Insolvenz stand, die am Ende nur aufgrund der Übernahme durch J.P. Morgan verhindert werden konnte. Seitdem bin ich extrem zurück­haltend gegenüber der Verbriefung von fremden Kreditrisiken, die nur mit einem extrem hohen Aufwand überwacht werden können. Da setze ich lieber auf Hypotheken im Direktgeschäft, bei denen wir selbst als Darlehensgeber fungieren, oder auf grundpfandrechtlich besicherte Schuldscheindarlehen.

Was beschäftigt Sie beim Blick nach vorn?
Bei dieser Frage muss ich auf das Thema Regulierung zurückkommen. Der Durchführungsweg Pensionskasse war mehr als 100 Jahre lang von der Pflicht zur Mitgliedschaft im Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) befreit. Das ist seit Anfang des Jahres anders. Mit der Verabschiedung der EbAV-II-Richtlinie – das ist die einschlägige europäische Richtlinie für Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung – wurde unter anderem den Pensionskassen beziehungsweise ihren Trägerunternehmen auferlegt, sich einem Absicherungsmechanismus, in dem Fall dem PSV, anzuschließen.

Wie kam es denn überhaupt dazu?
Ein Rentenanwärter hatte vor dem Europäischen Gerichtshof geklagt, weil seine Pensionskasse die ihm in Aussicht gestellte Rente kürzen musste. In ­einem solchen Fall ist normalerweise der Arbeitgeber aufgrund der sogenannten Subsidiarität in der Haftung. Tritt nun aber der Fall ein, dass gleichzeitig der Arbeitgeber insolvent wird oder gar nicht mehr existent ist, dann gibt es keinen mehr, der die Haftung übernehmen würde, denn es gibt eben keine Rückversicherung. Deshalb hat der EuGH entschieden, dass der deutsche Gesetzgeber das ändern muss. Im Endeffekt sind wir dadurch plötzlich Täter und Opfer zugleich.

Wie meinen Sie das?
Bei Pensionskassen wie auch bei der Direktversicherung stand seit jeher die Bafin als Garant für zugesagte Leistungen nach dem Motto: Dahinter steht ja eine Aufsichtsbehörde, die darüber wacht, dass schon nichts passieren wird.

Deshalb gab es eben nie eine PSV-Pflicht. Das gilt nun aber nicht mehr. Dabei waren es nicht die Pensionskassen, die nicht mehr darauf geachtet haben, dass die Maastricht-Kriterien eingehalten werden. Es war vielmehr die Politik, die im Endeffekt den Grundstein dafür gelegt hat, dass wir zum Opfer einer Schlampigkeit geworden sind, die mit dazu geführt hat, dass wir nun zusehen müssen, trotz ­rekordniedriger Zinsen unser Geschäft im Sinne unserer Kunden aufrechtzuerhalten. Aber auch das werden wir schaffen.

Wir danken für das Gespräch.    

Hans Heuser


Ein Meister seines Fachs

Paul Wessling ist seit 2018 Vorstandschef der in Krefeld ansässigen Müllerei Pensionskasse (MPK). Er gilt nicht nur als ausgewiesener Experte für die betriebliche Altersvorsorge. Bereits seit Oktober 2006 leitet Wessling den Fachkreis Kapitalanlagen und Asset Management, der bei der Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte angesiedelt ist. Begonnen hat für ihn alles mit einer Ausbildung zum Krankenversicherungskaufmann beim früheren Assekuranzunternehmen Berliner Verein. Sein anschließendes Stu­dium der Versicherungswirtschaft hat ­Wessling an der Univer­sität Köln absolviert. Es folgten diverse Stationen in einer ganzen Reihe von kleineren und mittelgroßen Versicherungsunternehmen – eine Zeit, in der er zudem diverse Softwarelösungen für die ­Versicherungsbranche selbst programmiert hat. In der Zeit von 2009 bis 2018 hat Wessling sich darüber hinaus als Vorstand der Gerther Sterbekasse einen Namen als findiger Sanierer gemacht. Das durch Ver­untreuung in Schieflage ­geratene Unternehmen hat er in dieser Zeit so weit ­saniert, dass es auf eine andere Sterbegeldver­sicherung übertragen ­werden konnte.

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