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1/2022 | Theorie & Praxis
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»Wir sind die Innovationstreiber!«

Immer mehr Investoren interessieren sich für Private Equity und heben ihre Investmentbudgets entsprechend an. Wir unterhalten uns mit Ulrike Hinrichs, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), über diese Assetklasse.

Lange Zeit haben die Stiftungen der US-amerikanischen Universitäten vorgemacht, dass Portfolios mit einem nennenswerten Private-Equity-Anteil eine Outperformance erzielen können. Beispielsweise hat das Management der Harvard-Stiftung im Finanzjahr 2021 rund ein Drittel des Stiftungsvermögens in Private Equity allokiert und damit einen Return von 77 Prozent erzielt. Mittlerweile haben auch viele Investoren aus Europa ihre Private-Equity-Allokationen erhöht und freuen sich über die hohen Returns in diesem Segment. 
 
Frau Hinrichs, was tut sich im Bereich Private Markets in Europa?
Ulrike Hinrichs: Als die Corona-Pandemie ausbrach, gingen sowohl die Stimmung als auch die Zahlen für Private Equity erst einmal nach unten, vor allem die Stimmung ­erreichte einen historischen Tiefpunkt. Das hat sich jetzt gelegt, insofern ist Corona ­erfolgreich überwunden. Derzeit verzeichnen wir Rekordzahlen beim investierten ­Volumen in Deutschland, sowohl in Private Equity (PE) als auch bei Venture Capital (VC). Im Jahr 2020 hatten wir 14,8 Milliarden Euro investiertes Volumen in PE, und 2021 werden wir das aller Voraussicht nach toppen. Allein im ersten Halbjahr 2021 ­lagen wir schon bei 6,5 Milliarden Euro.
 
Und wie sieht es bei Venture Capital aus?
Ich bin jetzt zehn Jahre im Amt, und in dieser Zeit hatten wir bei VC meistens unter eineinhalb Milliarden Euro investiertes Volumen pro Jahr. Aber seit 2019 haben sich die Zahlen deutlich erhöht, und auch 2020 sah es unter Berücksichtigung des schwierigen Umfelds für VC sehr gut aus. Wir bewegen uns seit 2019 bei ­etwa zwei Milliarden Euro. 2021 wird ein absolutes Rekordjahr für den Bereich VC, da wir nach sechs Monaten schon fast 2,3 Milliarden Euro verzeichnen.
 
Woran liegt es, dass die Private Markets im Allgemeinen und VC im Speziellen auf einmal so hohe Zuflüsse haben?
Zum einen waren wir in den letzten Jahren durch die niedrigen Zinsen begünstigt, und zum anderen konnten wir extrem starke Renditen aufweisen. Insgesamt ist das Umfeld positiver geworden, und die Finanzierung für Gründerinnen und Gründer befindet sich im Aufwind. Es gibt mehr Gründer als noch vor ein paar Jahren, und wir haben auch viel mehr VC-Fonds in Deutschland. Das hat auch damit zu tun, dass die Politik hier unterstützt und die Kommunikation deutlich positiver läuft. Mittlerweile verdammt man privates Kapital nicht, sondern bewertet es positiv. Auch die PE- und VC-Finanzierung wird positiv gesehen. Das macht viel aus. Sehen Sie sich dazu einmal den Koalitionsvertrag an. Da will man „Anreize für private Investitionen setzen und Raum für unternehmerisches Wagnis schaffen, um so Wachstum zu generieren“. Außerdem will man ­ermöglichen, dass „privates Kapital institutioneller Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen für die Start-up-Finanzierung mobilisiert werden kann“. So etwas gibt uns natürlich enormen Rückenwind und hilft der Branche sehr.
 
Schon bald nach seinem Amtsantritt hat Bundesfinanzminister Christian Lindner in Paris gemeinsam mit ­seinem französischen Amtskollegen Bruno Le Maire die Scale-up-­Europe-Initiative vorgestellt. Welche Bedeutung hat diese Initiative für die Branche?
Eine sehr große! Übrigens war das auch in Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium; Robert Habeck war ebenfalls in Paris. Dort wurde von den Ministern aus 18 EU-Ländern (u. a. Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Schweden und Spanien) die „European Tech Cham­pions Initiative (ETCI)“ ins Leben gerufen. Damit soll deutlich mehr Geld als bisher für europäische Scale-ups und Unicorns zur Verfügung gestellt werden. Es geht darum, einen zehn Milliarden Euro schweren Multi-Investor-Dachfonds aufzubauen, der wiederum in zehn bis 20 europäische Risikokapital-Fonds investiert. Deutschland und Frankreich sind jeweils mit einer Milliarde Euro dabei. Zehn Milliarden Euro sind für den europäischen Markt viel Geld. Aber gerade in Deutschland haben wir Nachholbedarf im Wachstumssegment.
 
Wenn sich institutionelle Investoren zunehmend für PE-Investments interessieren: Wie stellt sich die PE-Branche auf dieses gestiegene Interesse ein?
Wir begrüßen das natürlich. Globale Studien zeigen, dass die europäischen Investoren auch viel zufriedener mit ihren PE-Fonds sind als in der Vergangenheit. Eine Umfrage von Coller Capital zeigt beispielsweise, dass nach der globalen Finanzkrise 2007/08 nur zwei von fünf Investoren mit dem Reporting und der Transparenz zufrieden waren. Heute sind es vier von fünf Investoren. Die Branche hat hier ihre Hausaufgaben gemacht und bietet den Investoren eine attraktive Anlageoption.
 
Hat das gestiegene Interesse bereits zu einem Überfluss an frischem Geld und einem enger werdenden Markt geführt?
Nein, das sehen wir nicht. Aus unserer Sicht gibt es immer noch reichlich Unternehmen, die Kapitalbedarf haben. Denken Sie an anstehende Nachfolgelösungen im Mittelstand, das ­erforderliche Wachstum vieler KMU und das ganze Thema Sustainable Finance. Wir stehen mitten in einem gewaltigen Trans­formationsprozess. Dafür benötigen Unternehmen enorme Mengen an Kapital. ­Robuste Unternehmen müssen ihr Kapital erhöhen, und dazu ist privates Kapital erforderlich. Insgesamt sehen wir einen gesunden Markt.
 
Wie sieht es aus mit den erwarteten Ren­diten? Sind die inzwischen gefallen? 
Nein, die Renditen in PE sind stabil. Es gibt Erfassungen zu den Netto­renditen der weltweiten LPs. Diese lagen bei der Mehrheit zwischen 11 und 15 Prozent. Bei etwa einem Fünftel der Unternehmen sind es sogar 16 Prozent und mehr; das zeigt das Coller Capital Global Private Equity Barometer. Wir haben in PE also ­robuste Renditen.
 
Worauf sollten Investoren bei PE-Investments mehr Augenmerk legen, um auch künftig gut aufgestellt zu sein?
Sie sollten darauf achten, ihre Portfolios zu diversifizieren – hinsichtlich der Branchen, aber natürlich auch verteilt auf PE und VC. Bei der Branchenauswahl sollten sie insbesondere auf Zukunftsbranchen setzen, z. B. auf Gesundheit, Digitalisierung, Software oder Life Sciences. Investoren, die noch wenig PE-Erfahrung haben, sind mit einem erfahrenen PE-Fonds oder Dachfonds gut beraten, denn diese setzen auf Firmen aus solchen Zukunftsbranchen. Die großen Investoren, die schon länger in PE investieren, können das im Allgemeinen sehr gut. Die sollten sich dazu entschließen, sich auch an VC heranzuwagen. Die Rendi­ten liegen hier im historischen Mittel zwar etwas unter denen in PE, aber es gibt hinreichend Beispiele, dass sich das in Zukunft ändern kann; denken Sie etwa an Biontech und den ganzen Life-Sciences-Bereich. Fonds, die auf VC spezialisiert sind, streuen ebenfalls breit, und wir sehen, dass sie Renditen erwirtschaften, die an die von PE her­an­reichen und diese teilweise übertreffen. Insgesamt beobachten wir, dass sich VC zu einer sehr attraktiven Anlageklasse ent­wickelt. Da steckt viel Innovationskraft drin.
 
Trotz des gestiegenen Interesses an PE scheinen große Finanzierungsrunden ohne ausländisches Geld nicht zu laufen. Woran hakt es in Europa?
In Deutschland gibt es noch zu wenige Primärinvestoren, die in PE und VC investieren. Daher sind die europäischen Fonds auf ausländische Investoren angewiesen. Die deutschen Versicherer investieren nur einen relativ kleinen Anteil ­ihrer Portfolios in PE. Das ist erstaunlich angesichts der stabilen und guten Renditen. Der Grund liegt meines Erachtens darin, dass sie jahrelang angehalten wurden, sehr konservativ zu investieren. Hier besteht noch Nachhol- und Aufklärungsbedarf. ­Natürlich hat PE ein anderes Risiko als eine Bundesanleihe, aber die Renditen unterscheiden sich ja auch. Außerdem sind hierzulande die meisten Kapitalsammelstellen relativ klein, verglichen mit denen im Ausland. In den USA und in Skandinavien ist das Altersvorsorgesystem anders aufgebaut – so haben wir in Deutschland und Österreich kein kapitalgedecktes System. Daher können US-Investoren ganz andere Summen investieren. Vielleicht muss unsere Branche auch den gesellschaftlichen Wert, den PE zurückgibt, stärker bei den institutionellen Investoren kommunizieren.
 
Bisher halten sich institutionelle Investoren bei Risikokapital eher zurück und bevorzugen PE-Investments. Was sehen Sie als den besten Weg an, dass Institutionelle den ­Venture-Capital-Schatz heben können?
Hier hat sich in der letzten Legislaturperiode bereits einiges getan. So wurde auch auf unsere Initiative hin der ­Zukunftsfonds mit zehn verschiedenen ­Modulen entwickelt. Ein Modul ist der Wachstumsfonds, mit dem beispielsweise Versicherungen und Pensionseinrichtungen über eine Senior- und eine Junior-Tranche mit staatlicher Absicherung investieren können. Weitere Module sind die Stärkung des High-Tech-Gründerfonds sowie Coparion, zwei staatliche Wagniskapitalgeber. Und auch Investitionen im Bereich der Hochtechnologie (Deep Tech) sollen finanziert werden. Die unterschiedlichen Module sollen für die verschiedenen Bedürfnisse von Investoren und Unternehmen attraktiv sein und die einzelnen Finanzierungsphasen ­abdecken. Allerdings sind noch nicht alle Module voll ausgestaltet und auf dem Markt vertreten. Wichtig ist, dass die Module den bestehenden Markt effizient ergänzen. Der Erfolg wird sich daran bemessen, ob es gelingt, durch die staatlichen Anreize zusätzliches privates Kapital für den VC-Markt zu mobilisieren.
 
Wer managt die Module des Zukunftsfonds?
Die Koordination der einzelnen Module für den Bund übernimmt federführend KfW Capital. Darüber hinaus verantworten sie den Aufbau und die operative Führung des Wachstumsfonds. KfW Capital ist bereits für viele Fonds ein wichtiger ­Ankerinvestor. Im vergangenen Jahr wurde das Team weiter ausgebaut, und man ist gut gerüstet, die anstehenden Aufgaben in Angriff zu nehmen.
 
Können sich institutionelle Investoren daran beteiligen oder sich als Co-Investoren anschließen?
Der Wachstumsfonds zielt speziell auf Primärinvestoren ab. Die Dachfondsstruktur soll Investoren überzeugen, die bei VC bisher zurückhaltend waren. Es gibt bereits erste Termsheets, die an die ­Versicherer verschickt wurden, KfW Capital befindet sich im Fundraising und ist in ­Gesprächen mit potenziellen Investoren. Neben dem Zukunftsfonds gibt es noch die öffentlichen Fonds wie den High-Tech Gründerfonds (HTGF) oder Coparion, die direkt in Start-ups in der Früh- sowie Wachstumsphase investieren. Bei beiden können private Fonds immer als Co-Investoren mitinvestieren.
 
Nach welchen Kriterien soll beim Zukunftsfonds investiert werden?
Der Grundgedanke des Zukunftsfonds liegt in einer Verbesserung der Finanzierungssituation von jungen, innovativen Unternehmen. Das reicht von der Gründungs- über die Start-up- bis hin zur Wachstumsphase. Auf Letzterer liegt das Hauptaugenmerk. Im Prinzip sollen damit größere Finanzierungsrunden gestemmt werden, was bisher schwierig ist. Es gibt in Deutschland schon Kapital, das als Seed Capital investiert wird, aber wenn die ­Unternehmen dann laufen lernen und weitere Mittel für ihr Wachstum benötigen, ist das Geld oft aus. Diese Wachstumsphase soll nun durch die jeweiligen Module finanziert werden. Das unterstützt natürlich auch die bereits genannten Transformationsprozesse, denn in Sachen Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind gerade auch viele junge Unternehmen unterwegs.
 
Sie sprechen die Transformation an. Inwiefern sind private Investments geeignet, um die notwendige ökologische Transformation der Wirtschaft zu unterstützen?
Die ökologische Transfor­mation wird ohne Beteiligungskapital nicht gelingen. Während Banken sehr zurück­haltend sind, wenn es um Transformationsprozesse geht, sind wir die Innovations-, Technologie- und Transformationstreiber. Unsere Fonds investieren überwiegend in Unternehmen, die offen sind für die anstehenden Transformationsprozesse. Das sehen wir heute schon an den Portfoliogesellschaften und an den Branchen, in die investiert wird. 
 
Was sind Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung?
Wir wollen, dass die neue Bundesregierung den Zukunftsfonds aktiv begleitet. Die zehn Module sind ja noch nicht vollständig am Markt. Was uns auch beschäftigt, ist das Fondsstandortgesetz, das in der letzten Legislaturperiode verabschiedet wurde. Es fördert unter anderem die Mitarbeiterbeteiligung, das ist gut! Aber ­leider ist man von der Umsatzsteuer auf die Management Fee von PE-Fonds nicht ab­gerückt, weshalb viele Fonds nicht in Deutschland, sondern in Luxemburg strukturiert werden. Wir wollen, dass das Fondsstandortgesetz entsprechend angepasst wird. Hier hat das Gesetz leider zu keiner Rechtssicherheit für die Fonds geführt. Außerdem treten wir für weitere Impulse und Anreize für VC-Investments ein – beispielsweise ­indem VC-Investments von Unternehmen bis zu einer signifikanten Summe als Forschungs- und Entwicklungsausgaben abschreibbar sind. Darüber hinaus wollen wir die Grenze für semiprofessionelle Anleger von jetzt 200.000 auf 100.000 Euro absenken. Auch in dieser Größenordnung gibt es sehr professionell agierende Investoren, die gerade in der Seed-Phase junge Unter­nehmen bei der Kapitalbeschaffung unterstützen können.
 
Welche weiteren Themen gibt es für die PE- und VC-Branche?
Ein wichtiges Thema sind Börsengänge junger Unternehmen. Davon gibt es in Deutschland zu wenige. In Skandinavien gibt es etwa 30 bis 40 Börsengänge pro Jahr. In New York auch. Bei uns sind es viel weniger. Betrachten Sie etwa die Unternehmen Centogene aus Rostock oder Biontech aus Mainz. Beide sind nicht in Deutschland, sondern in New York an die Börse gegangen. Dort ist das Investoren­potenzial größer, sodass sie ihre IPOs mit einer anderen Kraft hinlegen können. In den USA gibt es auch geringere Berichtspflichten. Für kleine und Wachstumsunternehmen sind die Berichtspflichten in Deutschland im internationalen Vergleich unverhältnismäßig hoch. Die entstehenden Kosten spielen eine wichtige Rolle bei dem Entschluss zu einem Börsengang. Hier wollen wir unterstützen. Dazu setzen wir z. B. unseren Chancenmacher-Bus ein. Der wurde ursprünglich gestaltet, als durch Corona alle ins Homeoffice gegangen sind. Wir haben unser Homeoffice sozusagen auf die Straße verlegt und konnten unter Einhaltung aller Coronaregeln spannende Gespräche führen. Mit diesem Bus fahren wir jetzt zu unseren Mitgliedern und zeigen auf, welche Chancen sich durch privates Beteiligungskapital bieten und wer die Macherinnen und Macher dahinter sind.
 
Wie ließen sich die Exit-Möglichkeiten aus den Private Markets verbessern?
Ulrike Hinrichs: Das allgemeine Exit-Geschehen unterliegt den Marktkräften. Aber wir setzen uns für Maßnahmen ein, im Bereich VC die Anzahl von Börsengängen zu erhöhen. Wenn wir mehr Börsengänge hinbekommen wollen, müssen wir am Abbau der Bürokratie arbeiten, speziell bei den Berichtspflichten. Außerdem sollten wir im Bereich der PE-Märkte auch andere Exits als den IPO im Blick haben, da wir oft gar nicht mit einem Börsengang konfrontiert sind, sondern die Beteiligung an einen ­anderen Finanz- oder strategischen Investor weiterverkauft wird.
 
Was tut sich regulatorisch bei den Investoren? Werden PE und Private Debt zunehmend „anerkannte“ Assetklassen?
Das sind EU-Themen, und wir haben in Europa verschiedene Baustellen. Grundsätzlich sind PE und VC seit der AIFM-Richtlinie und deren Umsetzung im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) 2013 ­eine regulierte Assetklasse. Die AIFM-Regulierung wird jetzt überarbeitet, da hoffen wir auf Verbesserungen für die Branche. Aber bei der Regulierung der institutionellen ­Investoren tut sich wenig. Da gibt es keine Erleichterungen für PE- oder VC-Investments. Wenn überhaupt, dann eher im VC-Bereich. Mit Invest Europe, unserem europäischen Schwesterverband, bilden wir eine gemeinsame Plattform. Wir versuchen gemeinsam, die Interessen von PE-Gesellschaften und ihren Investoren zu vertreten, da gibt es auf europäischer Ebene noch viel zu tun.
 
Was könnte getan werden, um institutionellen Investoren, die noch nicht in PE investiert sind, den Einstieg zu erleichtern?
Ulrike Hinrichs: Institutionelle Investoren sollten die Möglichkeit haben, ihr Kapital risikogerecht zwischen den Anlageklassen zu allokieren. Zu starke und dogmatische Einschränkungen einzelner Anlageklassen sind da wenig zielführend und werfen den europäischen Wirtschafts- und Finanzstandort eher zurück. Die bereits genannten Abschreibungsmöglichkeiten auf VC-Investments wären sicherlich ein Anreiz für Investoren. Die Zukunftsfähigkeit unseres Landes wird auch davon abhängen, ob es gelingt, dass Investoren einen Teil ihres Vermögens in innovative Geschäftsmodelle investieren. Die Eigenkapitalhinterlegung von PE-Investments liegt unter Solvency II standardmäßig bei 49 Prozent. Unter bestimmten Voraussetzungen kann diese auf 22 Prozent gesenkt werden. Die USA und andere Länder machen es vor: Durch die Beteiligung zahlreicher Versicherungen und Pensionskassen ist eine Beteiligung breiter Bevölkerungsschichten an den Renditen innovativer Geschäftsmodelle möglich geworden.
 
Was halten Sie als Verband von den relativ neuen Vehikeln wie dem europäischen Langfristfonds ELTIF oder dem europäischen Risikokapitalfonds EuVECA? Sind die in der Praxis hilfreich?
Ich kann sagen: EuVECA funktioniert gut. Es gibt eine wachsende Zahl von Vehikeln. Es ist auch erst 2013/14 eingeführt worden. Mit EuVECA haben wir eine Definition, worin investiert werden darf, nämlich in kleine und mittlere Unternehmen. Und der EU-Pass ist hilfreich, um den europaweiten Vertrieb zu gestalten. ­EuVECA-Manager unterliegen zudem laufenden Compliance-Pflichten, denen sie in der Regel jährlich nachkommen müssen. Der europäische Gesetzgeber hat mit ­EuVECA einen europaweiten Qualitäts­standard für VC-Fonds geschaffen. 

ELTIFs sind eher verhalten gestartet, jedoch lässt sich in den vergangenen beiden Jahren eine erhöhte Dynamik feststellen. Die Idee, dass man Privatanlegern den Weg in langfristige Assetklassen ebnen will, ist gut und charmant, aber es ist noch nicht viel Geld hineingeflossen. Die ESMA hat gemeldet, dass 2021 2,4 Milliarden in ELTIFs gebunden waren. Da muss man sehen, wie man dieses Vehikel für die Praxis attraktiver gestaltet. Hierzu gibt es aktuell Beratungen auf europäischer Ebene. Sie sehen: Sowohl auf nationaler als auch europäischer Ebene haben wir noch viel Optimierungspotenzial.
 
Wir danken für das Gespräch.
 
Anke Dembowski 
 

Kommunikativ und nah an der Politik

Ulrike Hinrichs führt seit 2011 den BVK 
(Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungs­gesellschaften) als geschäftsführendes Vorstandsmitglied.

Sie studierte Germanistik, Chemie und Politik­wissenschaften in Göttingen und Wien. Nach dem Studium volontierte sie beim SWR und arbeitete viele Jahre ­zunächst bei der ARD und dann beim ZDF für unterschiedliche Nachrichten- und Politikformate wie Report Mainz, Heute, 
Heute Journal und Frontal 21.

2005 wurde sie Sprecherin von Bundesminister Horst Seehofer und übernahm den Kommunikationsstab des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. 2010 wechselte sie in den Leitungsstab des Auswärtigen Amtes als ­Büro- und Arbeitsstabsleiterin der damaligen Staatsministerin.

Ulrike Hinrichs ist Buchautorin, moderiert seit 2017 die Talkshow „Schlossplatz ­Berlin. Wo Politik auf Wirtschaft trifft“, wo sie auch als Politikexpertin ­kommentiert.

Sie ist u. a. Mitglied im Beirat ­„Junge Digitale Wirtschaft“ sowie Jurymitglied des staatlichen Förderprogramms Exist im BMWi und ­Mitglied im Beirat des Verbands Deutscher Bürgschaftsbanken.


Anhang:

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