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4/2021 | Theorie & Praxis
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„Wenn etwas wie VW passiert ...

„… dann bin ich froh, wenn ich einen aktiven Manager habe“, fasste Forums-Moderator Detlef Glow den Reiz von nichtpassiven Investmentstrategien zusammen. Wie ESG und Impact die Anlagestrategien beeinflussen und welche Alternativen im Fixed-Income-Bereich bestehen, war ebenfalls Teil der Erkenntnis.

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Das Institutional Money Investment Forum wurde 2021 im Rahmen eines Zyklus mit Frankfurt, München und Wien an drei Hotspots der deutschsprachigen Finanzszene veranstaltet. Über das Sonderformat in Frankfurt wurde bereits in der vorigen Ausgabe berichtet. Detlef Glow (Bild Mitte) führte souverän und pointiert durch die Events in den beiden anderen Städten. 

© GÜNTER MENZL (2), RALPH ORLOWSKI

Mit einem Doppelpack in Wien sowie in München be­endete Institutional ­Money den ersten Investment-Forum-Zyklus der Post-Covid-Ära. Anspruch des Formats, das sich im Öko­system des Magazins inzwischen zu einem tragenden Element entwickelt hat, ist es, den Dialog zwischen institutionellen Investoren und Asset Managern auf fachlich höchstem Niveau zu ermöglichen. Nach dem Eröffnungsforum in Frankfurt, über das bereits in der vorigen Ausgabe berichtet wurde, stand die Veranstaltung in Wien unter dem Motto „Nachhaltigkeit und Impact“, während in München Strategien im festverzinslichen Bereich diskutiert wurden.

Im Wiener Park Hyatt Hotel wurde dabei schnell klar: je größer ein Trend, desto harscher die Kritik – wie sich jüngst auch beim Megatrend ESG-Investments und den Vorwürfen rund um Greenwashing gezeigt hat. 

Moderator Detlef Glow, seines Zeichens Head of Lipper EMEA Research, Refinitiv; London Stock Exchange Group, ging differenziert und pointiert auf die Problematik ein, indem er meinte: „Schuldig ist man erst, wenn man schuldig gesprochen wurde.“ Ein solcher Schuldspruch sei jedoch angesichts der unklaren und weltweit divergierenden ESG-Kriterien kaum zu fällen. Ohne – durchaus positive – Konsequenzen sei die Diskussion rund um die ESG-Strategie hingegen nicht geblieben, habe sie doch in der gesamten Branche dazu geführt, dass das Nachhaltigkeitsthema insbesondere mit der Einführung der neuen EU-Taxonomie ernsthafter umgesetzt wird. Vor diesem Hintergrund fand ein reger Meinungsaustausch zwischen Moderator Glow, den beiden ­Asset Managern Elena Tedesco von Vontobel Asset Management sowie RCM-Mann Thomas Motsch und den anwesenden institutionellen Investoren statt. Die beiden ­Profis erläuterten dabei ihre Ansätze, wobei Tedesco auf die aktuelle Impact-Welle einging, während Motsch die jahrelange Erfahrung seines Hauses im ESG-Bereich her­ausarbeitete. Glow ging in seinem Impulsvortrag wiederum auf die generellen Trends im Bereich Nachhaltigkeit, Ethik und ­Impact ein. Ein Schlüssel-Chart, den er launig mit „Das ist dann wohl ein Trend“ (siehe gleich getitelten Chart ) kommentierte, diente der Veranschaulichung.

Aus Elena Tedescos Sicht sprechen Impulse aus Gesellschaft, Regulatorik und dem Asset Management für eine Fortführung des Wachstumstrends bei Impact-Fonds. „Die Assets haben sich in wenigen Jahren nahezu vervierfacht“, erklärte die Portfoliomanagerin aus dem Bereich Global Impact Equities.


Impact-Kriterien
Damit ein Unternehmen aber Vontobels Verständnis von „Impact“ erfüllt, muss es – sehr vereinfacht gesagt – in einem ersten Filterschritt drei Kriterien erfüllen: Intentionalität, Messbarkeit des Impacts und Ertragsfähigkeit. Letzten Endes ergibt sich daraus eine Impact-Aktien-Strategie, die in den Bereichen IT, Healthcare, Industrie, Werkstoffe und Versorger übergewichtet ist. Kein Exposure gibt es in den Sektoren Energie und Kommunikation. In letzterem Fall nimmt Vontobel nicht aus ESG-Bedenken Abstand von einem Engagement, sondern aufgrund von Zweifeln an der Ertragskraft.

Bereits im Jahr 2014 hat wiederum die die österreichische Raiffeisen Capital Management RCM das ursprünglich herkömmliche Set-up ihres Fonds Raiffeisen Nachhaltigkeit Aktien im Sinne einer nachhaltigen Strategie neu aufgesetzt. Wie der Selektionsprozess funktioniert, erklärte der zuständige Fondsmanager Thomas Motsch, wobei ein wichtiges Kriterium die Stimmabgaben auf Hauptversammlungen darstellen, so sie über das übliche Engagement ­hinausgehen. Nur Titel, die es nach einem intensiven Filterprozess in die rechte obere Ecke der Investment-Matrix schaffen, kommen ins Portfolio (siehe Grafik „Exklusives ESG-Modell).


Premiere in München
Eine Frage, die Investoren und Asset ­Manager seit einigen Jahren permanent beschäftigt, ist die nach aktiven oder passiven Investmentansätzen. Während der passive Ansatz einige Zeit durch seine Kosten- und Smart-Beta-Vorzüge bestach, befanden sich aktive Manager zunehmend in Argumentationsnot. 

Dass sich diese Ausgangslage aber nicht zuletzt im Rentenbereich drehen könnte, war eine der Ausgangsthesen des Investment Forums, das am 20. Oktober seine Standortpremiere im Bayerischen Hof in München feierte, die nicht zuletzt von ­Georg Nitzlader, Team Head Corporate Bonds, Senior Fund Manager und wie Motsch ebenfalls bei Raiffeisen Capital Management, vertreten wurde. Der Vortrags­titel bedurfte auch keiner näheren Interpretation: „Unternehmensanleihen: Attraktives Investment im aktuellen Marktumfeld?“


Notenbank hoch aktiv
Tatsächlich geht Nitzlader, der sich in seinem Metier täglich mit den Polit-Ansätzen der EZB herumschlagen muss (siehe Grafik „Von wegen Rückzug“), von einer weiterhin aktiven Notenbank aus. Das Auslaufen von PEPP im März 2022, das ja nur weitere ­Zukäufe an der Staatsanleihenfront aussetzt, aber keine Verkäufe einleitet, könnte sogar dazu führen, dass die EZB ihr Engagement auf den Corporate-Bereich ausweitet.

Das Team von Nitzlader verfolgt in diesem Umfeld eine rigoros aktive Strategie, die auf einer disziplinierten Relative-Value-Analyse beruht. Der Multi-Strategie-Ansatz wird dabei unter anderem mit einer unabhängigen Duration-Strategie gekoppelt, die beispielsweise beim Raiffeisen 304 – Euro Corporates zu einer durchschnittlichen Rendite von 0,52 Prozent bei einer Sharpe Ratio von 0,7 per annum geführt hat.


Skandinavischer Trumpf
Unbestritten bleibt, dass der Rentenmarkt in vielen Bereichen „abgegrast“ ist. Vor diesem Hintergrund setzte Torsten Harig, Head of Product Management – Illiquid Solutions Nordea Asset Management, in seinem Vortrag „Alternative zu IG-Anleihen – Bankkredite erweitern den Lösungsraum“ die Vorzüge illiquider Bankkredite dar. Die ­Arbeitsthese: eine erhöhte Rendite durch die Illiquiditätsprämie. Denn davon, dass im festverzinslichen Bereich Handlungsbedarf besteht, ist Harig überzeugt.

Anhand seiner Modellrechnungen, bei denen er sich an Leibowitz et al. orientiert, errechnet der Nordea-AM-Mann für die nächsten sechs Jahre eine Rendite von 0,49 Prozent im europäischen Staatsanleihenbereich und plus 0,8 Prozent im europäischen Corporate-Bereich mit drei- bis fünfjähriger Laufzeit. Wolle man sich aus diesem Korsett befreien, brauche man Alternativen.  Harig präsentierte in diesem Zusammenhang den Nordea Prime Loan STARS, der Direktinvestitionen in auf den skandinavischen Raum fokussierte Bankkredite ermöglicht. Seine Zielrendite liegt bei Libor plus 200 bis 250 Basispunkte – ein Unterfangen, das durch die geografische Konzentration erleichtert werden soll (siehe Grafik „Regimekritik? Wäre hier unangebracht ...“). Während die NPL Ratio der deutschen recht ähnlich ist und somit kein Sonderengagement in Skandinavien rechtfertigen würde, führen die nordischen Kreditregimes hingegen zu einer extrem hohen Recovery Rate. Das schlägt sich vor allem in Krisenzeiten positiv nieder: Die Maximalverluste werden im globalen Vergleich gedämpft, müssen nicht im selben Maß aufgeholt werden und können so zu einer langfristig besseren Performance führen. 


Wenn VW geschieht …
Moderator Detlef Glow fand schlussendlich relativ klare Hinweise darauf, dass das ESG-Thema aktiven Managern in die Hände spielen könnte. „Wenn etwas wie Volkswagen passiert, dann bin ich als Investor froh, dass ich einen aktiven Manager habe, der sein Portfolio direkt ­umstellen kann, und nicht in einem ETF stecke, bei dem ich auf das Index-Meeting im nächsten Monat warten muss.“


Ausblick
An dieser Stelle zugegeben: Etwas mehr als einen Monat muss man noch auf das Haupt-Event des Institutional Money Ökosystems warten – nämlich den Institutional Money Kongress, der für 23. und 24. Februar 2022 im Wiesbadener RheinMain Congress Center angesetzt ist. Haben Sie unseren Forumzyklus dieses Jahr verpasst, so ist das also fast kein Problem: Denn die Anmeldung für den Kongress, auf dem der Bogen zwischen Gegenwart und Zukunft des institutionellen Investmentwesens gespannt wird, läuft bereits unter institutional-money.com/kongress/anmeldung.


Hans Weitmayr


Anhang:

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