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2/2009 | Theorie & Praxis
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Stiftungsfonds: Die Null-Linie vor Augen

Stiftungen streben – wie viele andere Investoren – Kapitalerhalt beziehungsweise möglichst stabile Renditen an. Angesichts der Zahl von etwa 30.000 Stiftungen im deutschsprachigen Raum lohnt es sich für Asset Manager dennoch, eigens für diese Zielgruppe Produkte aufzulegen.

In Deutschland gibt es rund 16.400 Stiftungen, in der Schweiz sind es 12.000 und in Österreich immerhin noch 3800. Diese werden zwar traditionell den „institutionellen Investoren“ zugerechnet, das heißt aber nicht automatisch, dass ihre Anforderungsprofile jenen anderer Großanleger gleichen. Dass dies zumindest sehr oft nicht der Fall ist, legt die wachsende Anzahl an Fonds nahe, die speziell für die Zielgruppe „Stiftungen“ aufgelegt werden. Jüngste Neugründungen in diesem Segment sind der im Herbst 2008 lancierte „Stiftungsfonds Westfalen“, der von der Kroos Vermögensverwaltung beraten wird, und der „NV Strategie Stiftung AMI“. Bereits in der Pipeline befindet sich ein Publikumsfonds der MEAG, der ebenfalls primär Stiftungen als Zielgruppe betrachtet und für Sommer 2009 angekündigt wurde.

Worin unterscheiden sich die Wünsche der Stiftungen nun aber von denen anderer Anleger, um solche „Sonderanfertigungen“ notwendig zu machen? „Unser Stiftungsfonds unterscheidet sich von unseren anderen gemischten Fonds durch eine stärkere Beachtung der Null-Linie. Dementsprechend wird der Fonds auch nicht nach einem Benchmark-Ansatz gemanagt“, bringt es Markus Dörr, zuständiger Senior Product Specialist der DWS, auf den Punkt. „Außerdem achten wir bei diesem Fonds auf eine Kontinuität in der Ausschüttung“, so Dörr weiter. Es sind also Sicherheit und Cashflow, die als zentrale Elemente der Stiftungsfonds wahrgenommen werden. Und tatsächlich muss das höchste Ziel einer Stiftung stets der Kapitalerhalt sein, um das Stiftungsvermögen und damit die Stiftung als solche nicht zu gefährden. Man darf davon ausgehen, dass der Fall Madoff, von dem auch eine Vielzahl von Stiftungen und Trusts in Mitleidenschaft gezogen wurden, bei Stiftungsverantwortlichen die Bereitschaft, in riskante oder vermeintlich riskante Vehikel zu investieren, noch weiter verringert hat.

In der Regel handelt es sich bei Stiftungsfonds um international oder europaweit anlegende Mischfonds, deren Anlagestrategie flexibel gehalten und deren Aktienanteil auf 20 bis 30 Prozent limitiert ist, den Rest bilden Anleihen, wobei auch hier die Sicherheit im Vordergrund steht.

Der Stiftungsfonds wendet sich naturgemäß an kleinere Stiftungen, die sich andernfalls auf Publikumsfonds oder die Vermögensverwaltung ihrer Hausbank verlassen müssten. Marktkenner warnen vor letztgenannter Lösung: „Wir haben durchaus Fälle gesehen, in denen die Banken offenbar davon ausgegangen sind, dass Stiftungen mit ihren philantropischen Zielen nicht auf die Gebühren achten, und diese tüchtig zur Kasse gebeten haben. Bei einer Stiftung mit etwas über einer Million Euro hat die Bank beispielsweise volle Gebühren und Ausgabeaufschläge verlangt“, berichtet Bernd Hashemian, Vorstand der Kroos Vermögensverwaltung in Münster.

Kleinere Stiftungen verfügen über ein Kapital von bis zu zwei oder drei Millionen Euro. Für diese, aber auch für mittelgroße Stiftungen bietet ein Stiftungsfonds nicht nur eine breite Streuung sowie ein professionelles Asset Management, sondern auch einen relativ kostengünstigen und effizienten Zugang zu den Kapitalmärkten.

Restrisiken bleiben

Dass selbst ein konservatives Profil allerletzte Unsicherheiten nicht ausschließen kann, musste auch das Management des DWS Stiftungsfonds zuletzt feststellen. Dörr erklärt dazu: „In einem Katastrophenjahr wie 2008, als teilweise sogar an sich wertstabile Anlagen wie beispielsweise italienische und belgische Staatsanleihen unter Druck gekommen sind, lassen sich temporäre Kursrückgänge kaum vermeiden. Das gilt auch für den DWS Stiftungsfonds, der unter anderem auf diese Papiere gesetzt hat.“

Neben dem nominalen Kapitalerhalt ist es für Stiftungen wichtig, die Inflationsrate auszugleichen, weshalb die Portfolios meist auch einen Aktienbestand enthalten und im Rentenbereich zumindest kleinere Risiken eingehen müssen. Genau diese Gratwanderung erwies sich bei einigen Stiftungsfonds im schwierigen Jahr 2008 als Problem. Beispielsweise weist der LIGA-Pax-Balance-Stiftungsfonds-Union, der im Mai 2000 als erster Stiftungsfonds in Deutschland für die kirchlich orientierte PAX-Bank aufgelegt wurde, seit Januar 2008 einen Verlust von sechs Prozent aus. Einen Kommentar hierzu wollte man weder bei der Union noch bei der PAX-Bank geben.

Auch der „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“ konnte mit einem Minus von 19 Prozent seit Anfang 2008 das Ziel Kapitalerhalt nicht erfüllen. Dieser Fonds ist allerdings eher ein Exot unter den Stiftungsfonds, denn es handelt sich um einen Aktienfonds, der auf dividendenstarke Titel setzt. Frank Fischer von der Shareholder Value Management AG, die den Fonds in ihrer Anlage berät, erklärt dazu: „Realwerte wie Aktien sind besonders in Krisenzeiten ein guter Schutz vor den sich aufblähenden Schuldenbergen der Staatshaushalte. Seit Auflage des Fonds haben wir signifikant outperformt und liegen bei minus 19 Prozent gegenüber mehr als 40 Prozent Verlust  unserer Benchmark, dem SDAX Performance Index. Langfristig streben wir eine zweistellige Rendite pro Jahr an und legen dabei Wert auf eine gute Dividendenrendite der Value-Aktien, die wir zur Anlage empfehlen. Damit können unsere Stiftungskunden ihren Stiftungszweck nachhaltig erfüllen.“

Den meisten Stiftungen wäre diese Strategie aber ohnedies zu riskant, sie bevorzugen Total-Return-Ansätze. Die Deka wendet in ihrem Stiftungsfonds die intern entwickelte quantitative Anlagestrategie SigmaPlus an, die die beiden Ziele hoher Ertrag und geringe Volatilität miteinander kombinieren soll. Das Optimierungsverfahren zur Selektion der Anlageklassen berücksichtigt neben dem Risiko der einzelnen Märkte und deren Korrelation zueinander auch die Unsicherheit der Prognosen. „Rein bewertungsorientierte Prognosemodelle neigen dazu, die Marktdynamik zu unterschätzen. Mit SigmaPlus berücksichtigen wir dagegen neben der aktuellen Bewertung der Märkte im Verhältnis zu ihrem fundamental gerechtfertigten Wert auch den Einfluss dynamischer Faktoren“, erklärt Thorsten Rühl, Leiter des Teams für quantitative Asset Allocation bei der Deka. Immerhin wies der „Deka-Stiftungen Balance“ im schwierigen Jahr 2008 noch eine positive Performance von 4,7 Prozent auf, was den meisten anderen Stiftungsfonds nicht gelang.

Weil Stiftungen im Regelfall auch einen Stiftungszweck haben, legen sie meist auf möglichst stabile und regelmäßige Erträge wert. Sie könnten bei Liquiditätsbedarf zwar auch Anteile von thesaurierenden Fonds verkaufen, um ihre Projekte zu finanzieren, aber wohler fühlt man sich in der Zielgruppe mit ausschüttenden Fonds. Bezüglich der Ausschüttungen verzichtet man auch gern auf Überraschungen, denn geplante Projekte sollten möglichst tatsächlich mit der Ausschüttung bezahlt werden können. Aus diesem Grund gibt beispielsweise der F&C HVB-Stiftungsfonds die jährliche Ausschüttung in Höhe des Zwölfmonatszinssatzes (Euribor) plus 100 Basispunkte ein Jahr im Voraus als Eurobetrag pro Anteil bekannt. Der Fondsmanager des Fonds Chris Childs erklärt dazu: „Bei unserem Fonds kann die Ausschüttung aus drei Quellen stammen: aus Zins- und Dividendenerträgen, aus Kursgewinnen oder auch aus dem Kapital – so wie bei der letzten Ausschüttung. Da aber Stiftungen auf realen Kapitalerhalt bedacht sind, können wir natürlich nicht jedes Jahr aus der Substanz ausschütten. Wenn wir aber in jedem einzelnen Jahr realen Kapitalerhalt garantieren müssten, könnten wir nur in Index-Linked Bonds investieren, und die bieten eine zu geringe Rendite. Um langfristig realen Kapitalerhalt zu erzielen, muss man gewisse Risiken eingehen – Realwerte sind nun einmal risikobehaftet.“

Nachhaltige Aspekte

Da Stiftungen über eine eventuelle Gemeinnützigkeit hinaus oft besondere außermonetäre Ansprüche haben, integrieren manche Stiftungsfonds Nachhaltigkeitsansätze. Beispielsweise berücksichtigt der DVG Stiftungsfonds bei der Auswahl von Aktien ESG-Themen (Environment, Social, Governance) nach dem „Best in Class“-Ansatz, und auch die Schweizer setzen auf das Thema: „Sarasin wendet bei den FairInvest-Fonds seine bewährte Nachhaltigkeitsmatrix an. Darüber hinaus wurden von den Experten im Anlagebeirat speziell für Stiftungen geeignete Ausschlusskriterien formuliert, die bei diesem Fonds zur Anwendung kommen“, erklärt Franziska Grüner, Leiterin Stiftungsbetreuung bei der Bank Sarasin in Frankfurt. Auch der in Gründung befindliche Fonds MEAG Fair Return wird nachhaltig anlegen. Unterstützung beim Nachhaltigkeitsansatz erhält MEAG sowohl von der Münchener Rück als auch von der Nachhaltigkeitsratingagentur oekom Research.

Der gemessen am Volumen größte Stiftungsfonds im deutschsprachigen Bereich, der F&C HVB-Stiftungsfonds, wendet den einen speziellen nachhaltigen Ansatz auf die direkten Aktienbestände des Fonds an. „Wir motivieren dadurch die Unternehmen, durch besseres Management ihrer ökologischen, sozialen und Governance-Risiken langfristig den Unternehmenserfolg zu steigern. Wir sind nämlich der Meinung, dass transparente, verantwortungsbewusste Firmen attraktive Investments sind, da sie auch die potenziellen Risiken für ihr Geschäft kennen, wenn sie diese Themen nicht angehen“, erklärt F&C-Mann Childs.

Ob überhaupt externes Vermögensverwaltungs-Know-how eingesetzt wird, hängt im Wesentlichen von der Größe der jeweiligen Stiftung ab. Die großen Stiftungen – etwa die Robert Bosch Stiftung, die Volkswagen Stiftung oder die Bertelsmann-Stiftung – setzen hier eher auf ihr hauseigenes Asset Management und verfolgen ihre Anlageziele mittels Spezialfonds und Direktmandaten. „Auch wenn unsere Stiftung mit einem zweistelligen Millionenbetrag eine mittlere Größe hat, haben wir uns einen Spezialfonds auflegen lassen“, erklärt Dirk Reinhard, stellvertretender Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung: „Als Vorteil empfinden wir, dass die Anlage individueller ist und wir im Anlageauschuss die Investitionsausrichtung mitbestimmen können – beispielsweise bei den uns wichtigen Nachhaltigkeitskriterien. Außerdem können wir die Asset Allocation, also im Prinzip den Anteil der Aktien im Vermögen, flexibler den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen und so das Risiko besser kontrollieren. Und in unserem Fall war die Spezialfondslösung sogar kostengünstiger als ein Publikumsfonds“, erläutert Reinhard weiter. Da die Münchener Rück Stiftung das Mandat für den gemischt und nachhaltig anlegenden Spezialfonds an den konzerneigenen Vermögensverwalter MEAG vergeben hat, ist dies nachvollziehbar.

„Manche Stiftungen gehen nicht den Weg des Spezialfonds, sondern legen einen nicht publikumswirksamen Publikumsfonds auf“, erklärt Hashemian. Er berät den im Herbst 2008 aufgelegten Stiftungsfonds Westfalen, der sich insbesondere an kleinere und mittelgroße Stiftungen wendet. „Wir haben derzeit zehn Prozent des Fondsvermögens in offene Immobilienfonds investiert und setzen damit auf Inflationsausgleich. Der Rest liegt überwiegend in Unternehmensanleihen und dient der Erzielung der Rendite. Da wir mit 20 Millionen Euro einen noch recht kleinen Fonds managen, können wir Sondersituationen nutzen und zum Beispiel Anteile an offenen Immobilienfonds über die Börse weit unterhalb des NAV erwerben oder hochrentierliche Nachranganleihen kaufen, bei denen keine großen Volumina vorhanden sind“, so Hashemian.

Christian Gruben berät den anderen Newcomer, den NV Strategie Stiftung, der ebenfalls im Herbst aufgelegt wurde. „In der aktuellen Situation können wir auch ohne Aktien, Rohstoffe und Alternative Investments eine angemessene Chance-Risiko-Struktur darstellen. Wir arbeiten derzeit mit einer eher konservativen Multi-Asset-Strategie, die auf Liquidität, Geldmarktfonds, Staatsanleihen, offene Immobilienfonds und Unternehmensanleihen höchster Bonität baut“, erklärt Gruben.

Gesetzlichen Restriktionen hinsichtlich ihrer Anlageausrichtung unterliegen Stiftungen übrigens nicht. Vorschriften wie etwa die Anlageverordnung für das gebundene Vermögen deutscher Versicherungsunternehmen oder die Veranlagungsvorschriften im österreichischen Pensionskassengesetz sind auf Stiftungen nicht anwendbar. Aus den Stiftungsgesetzen der Länder ergibt sich lediglich die Forderung nach der Erfüllbarkeit des Stiftungszwecks aus den Kapitalerträgen und nach Kapitalerhalt. Die Abgabenordnung gestattet, dass eine gemeinnützige deutsche Stiftung bis zu einem Drittel ihrer Erträge den Rücklagen zuführt, um die Substanz zu stärken. Da aber deutsche Stiftungen überwiegend gemeinnützig und damit steuerlich begünstigt sind, müssen sie den Anforderungen für Gemeinnützigkeit der Abgabenordnung entsprechen. „Dies ist allerdings eher eine Frage des Stiftungszwecks als der Anlageausrichtung des Stiftungskapitals. Beispielsweise muss eine gemeinnützige Stiftung darauf ausgerichtet sein, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern“, erklärt Katrin Kowark vom Bundesverband Deutscher Stiftungen e.V.   

Finanzdaten von 2007. Die Vermögensangaben beziehen sich meist auf die Buchwerte. Die Verkehrswerte können erheblich höher liegen. Gefragt wurde nach dem aktuellen Stiftungskapital einschließlich zugeführter Zustiftungen, freier Rücklagen und Thesaurierungen. Quelle: Bundesverband Deutscher Stiftungen (2009) sowie Angaben der Stiftungen

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