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1/2026 | Theorie & Praxis

Staatsfonds in der neuen Weltordnung

Immer häufiger werden Staatsfonds zur Verfolgung staatlicher strategischer ­Interessen herangezogen – und werden mitunter zu Venture-Kapitalisten.

© Deemerwha studio | Adobe Stock, NBIM

Zuletzt war es wieder einmal US-Präsident Donald Trump, der einem potenziellen neuen Trend seinen ­Stempel aufgedrückt hat – diesmal mit dem Ansinnen, einen eigenen US-Staatsfonds zu gründen. Die Umsetzung soll im laufenden Jahr gelingen. „Mit einem solchen ­Konstrukt ordnet Trump das Verhältnis von Staat, Markt und Kapital neu: Zolleinnahmen werden in strategische Investitionen gelenkt, um Wachstum und geopolitischen Einfluss abzusichern“, erklärt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM. Von Seiten der USA werden laut Fischer gleich mehrere Ziele verfolgt: erstens eine Stabilisierung der Staatsfinanzen angesichts von rund 38 Billionen Dollar Staatsschulden. Zweitens die Finanzierung von Steuererleichterungen für Wähler. Drittens schließlich die Finanzierung strategischer Investitionen in Infrastruktur, Technologie und Industrie, um die USA wirtschaftlich unabhängiger zu machen und Rivalen wie China Paroli zu bieten. Einen ersten Vorgeschmack dieser Strategie hat es bereits gegeben: Schlagzeilen machte dabei die staatliche Zehn-Prozent-Beteiligung am US-Chipgiganten Intel. Ven­ture-Capital-Ambitionen wurden mit einer Investition in Höhe von 150 Millionen Dollar in das Start-up xLight gezeigt. Durch das Investment wurde der Staat zum Haupt­aktionär. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Entwicklung von Lichtquellen für EUV-Belichtungssysteme und dem geplanten Einsatz freier Elektronenlaser. Diese Technologie basiert auf einem Teilchenbeschleuniger, der energiereiche Elektronenstrahlen erzeugt, aus denen EUV-Photonen generiert werden. Das Verfahren unterscheidet sich von der etablierten laserproduzierten Plasmatechnik. Die strategische Bedeutung der Lithografie ergibt sich aus ihrer zentralen Funktion beim Strukturieren moderner Halbleiter.

Weltweite Initiativen

„Die US-Initiative hat einige Vorläufer und findet bereits Nachahmer“, erklärt Fischer und führt unter anderem Indien ins Feld, das die Schaffung eines 50-Milliarden-Dollar-Fonds für globale strategische Investitionen andenkt. Die Regierung der Mongolei gründete wiederum nach Korruptionsprotesten einen Fonds von 1,5 Milliarden US-Dollar zur Förderung von erneuerbaren Energien, Datenzentren und Sonderwirtschaftszonen. Kenia setzt auf einen rohstofffinanzierten Staatsfonds, um Infrastrukturprojekte zu fördern und sich unabhängig von externer Hilfe zu machen. Indonesien wiederum verwaltet mit dem Danantara Fund über eine Billion Dollar. Der siebent­größte Staatsfonds der Welt kontrolliert sämtliche Staatsunternehmen und dient als Motor der nationalen Industrialisierung und der Beschäftigungspolitik.

Mit der Gründung der Sovereign AI Unit im Jahr 2024 schuf wiederum die britische Regierung im Rahmen des AI Opportunities Action Plan einen staatlichen Investitionsfonds in Höhe von 500 Millionen Pfund Sterling zur Unterstützung junger KI-Unternehmen. Michelle Donelan, damals Ministerin für Wissenschaft, Innovation und Technologie, meinte anlässlich der Gründung: „Der Staat muss eine aktive Rolle bei Investitionen in kritischen Technologien übernehmen, insbesondere wenn es um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Landes geht.“

Größere Brötchen in Sachen ­Risikokapital bäckt man wie gewohnt auf der Arabischen Halbinsel: So kaufte die erst 2024 gegründete staatliche Investmentgesellschaft von Abu Dhabi, MGX Fund Management Limited, bereits im Oktober desselben Jahres OpenAI-Anteile im Wert von damals 6,6 Milliarden US-Dollar. Die Kuwait Investment Authority tätigte ebenfalls diverse Investitionen in künstliche Intelligenz und Digitalisierung im Ausmaß von rund sechs Milliarden Dollar. Im Mai 2025 kündigte wiederum Mohammed bin Salman, seines Zeichens Kronprinz und Premierminister von Saudi-Arabien, an, über den saudischen Staatsfonds PIF das staatliche KI-Unternehmen Humain zu gründen. Katar, das offenbar nicht zurückstehen wollte, stellte im Dezember 2025 QAI vor: Die KI-Schmiede ist eine Tochtergesellschaft des staatlichen Fonds Qatar Investment Authority. Unter der Leitung von Abdullah Al-Misnad gaben QAI und die kanadische Investmentgruppe Brookfield die Gründung eines Joint Ventures im Wert von 20 Milliarden US-Dollar bekannt. Ziel ist der Aufbau von KI-Infrastruktur in Katar und ausgewählten Auslandsmärkten.

Eine Einordnung

„Für Anleger ergeben sich aus dieser Entwicklung bedeutsame Folgen für die Investmentstrategie“, erklärt Fischer. Als geopolitische Machtinstrumente agierten Staatsfonds demnach nicht mehr passiv, ihre Kapitalallokation folge zunehmend strategischen Interessen statt reiner Markt­logik. Ein globaler Wettbewerb nicht nur um Rendite, sondern auch um Einfluss zeichnet sich ab: „Finanzielle Souveränität“ wird neben Energieautarkie zu einem geopolitischen Ziel. „Während die USA und Indien ihre Haushalte über Vermögensver­wertung entlasten können, bleibt Europa bei klassischen Defizitfinanzierungen, was Investoren skeptisch sehen“, so Fischer.

Doch wie sind diese Fallbeispiele im Sove­reign-Wealth-Fund-(SWF)-Universum insge­­samt einzuordnen? Handelt es sich um die viel zitierte anekdotische Evidenz, oder beobachten wir tatsächlich einen Trend? Hier hilft die Betrachtung der tatsächlichen Marktmacht von global agierenden Staatsfonds – und hier eines vorweg: Keiner der oben angeführten Player befindet sich in den Top Five.

Laut Daten des Sovereign Wealth Fund In­sti­tute (SWFI) ist der norwegische Staatsfonds mit einem verwalteten Vermögen von rund zwei Billionen Dollar der absolute Spitzenreiter. Wie erfolgreich er agiert, zeigt ein Blick auf das Jahr 2018, als der Fonds noch 877 Milliarden US-Dollar verwaltete. Ein besonderes Merkmal des norwegischen Modells besteht in einem strengen Verbot von Investitionen innerhalb des Landes, um so ein volkswirtschaftliches Klumpenrisiko zu vermeiden. Zum 30. Juni 2025 war das Portfolio wie folgt strukturiert: Aktien 70,6 Prozent, Anleihen 27,1 Prozent, Immobilien 1,9 Prozent. Investitionen in die Infrastruktur für erneuerbare Energien machen 0,4 Prozent der Vermögenswerte aus.

In seinem Heimatland erfüllt der Fonds eine wichtige Funktion als finanzielles Sicherheitspolster. In Zeiten der Instabilität kann der Staat einen Teil seiner Ressourcen zum Ausgleich des Haushalts verwenden. ­Dieser Mechanismus wurde 2016 angewendet, als die Mittel des Fonds dazu beitrugen, das Haushaltsdefizit auszugleichen.

Den zweiten Platz belegt die chinesische ­China Investment Corporation (CIC) mit einem Vermögen von 1,332 Billionen US-Dollar. Seit 2018 behauptet der Fonds seine Position und dient Peking als zentrales Instru­ment zur Diversifizierung der Währungsreserven. Innerhalb Chinas investiert die CIC ausschließlich in staatliche Finanzinstitute, die 36,5 Prozent des Portfolios ausmachen. Laut Geschäftsbericht von 2024 erzielte der Fonds in den vergangenen zehn Jahren eine durchschnittliche jährliche Nettoren­dite von 6,92 Prozent.

An dritter Stelle im weltweiten Ranking steht die Abu Dhabi Investment Authority aus den Vereinigten Arabischen Emiraten mit einem Kapital von 1,128 Billionen US-Dollar. Der Fonds hält seine Position unter den führenden drei Fonds seit 2018. Seine Strategie fokussiert sich auf Vermögenserhalt und Risikominimierung. Bis 2024 erreichte der Fonds eine Rendite von 7,1 Prozent bei einem durchschnittlichen Investitionshorizont von 30 Jahren.

Den vierten Platz belegt die chinesische SAFE Investment Company, die sich im Vergleich zu 2018 um drei Plätze verbessert hat. Mit einem Vermögen von 1,09 Billionen US-Dollar verwaltet der Fonds einen Teil der Gold- und Devisenreserven des Landes. Die Kuwait Investment Authority festigt wiederum ihre globale Bedeutung auf dem fünften Platz – ein Rückgang um eine Position seit 2018. Im Jahr 2025 überschritten ihre Vermögenswerte offiziell die Billionenmarke und erreichten 1,029 Billionen US-Dollar. Die Verwaltung des ältesten Fonds der Welt unterliegt strengen Regeln: Im Rahmen des Konzepts des islamischen Bankwesens ist es der KIA untersagt, Kredite für Investitionszwecke aufzunehmen und derivative Instru­mente zu verwenden.

Strategie­wechsel

Auf Rang sechs ist zum ersten Mal der Übergang von einer traditionellen Strategie zur Verfolgung strategischer staatlicher Interessen zu beobachten: Der schon erwähnte saudische Public Investment Fund verwaltet ein Vermögen von 925 Milliarden Dollar, ein leichter Abstieg gegenüber dem 2018 beginnenden Beobachtungszeitraum, fand sich PIF damals doch auf dem fünften Rang wieder. Damals firmierte der Fonds noch unter SAMA – heute offiziell Zentralbank von Saudi-Arabien. Seine Strategie war ausgesprochen konservativ. Mit der Verabschiedung des Programms „Vision 2030“ kam es jedoch zu einer tektonischen Verschiebung. Im Rahmen der Umstrukturie­rungsstrategie wurde angekündigt, den PIF zum wichtigsten Investitionsmotor des Landes zu machen: So ­bestätigte die Regierung im Jahr 2020 offiziell die Übertragung von 40 Milliarden ­US-Dollar aus den Währungsreserven der SAMA an den PIF. Der Rückfall Saudi-Arabiens vom fünften Platz (SAMA 2018) auf den sechsten Platz (PIF 2026) spiegelt also den massiven Einsatz des Kapitals wider.

Den siebenten Platz belegt ein Neueinsteiger – der indonesische Fonds BPI Danantara mit einem Volumen von 900 Milliarden US-Dollar. Dieser Neueinstieg entstand durch die Zusammenlegung der ­Vermögenswerte der sieben größten staatlichen Unternehmen des Landes. Das Hauptziel des Fonds ist es, als Katalysator für die Industrialisierung zu fungieren und ausländische Technologien für den Rohstoffverarbeitungssektor zu gewinnen.

Den achten Platz im Ranking behauptet die singapurische GIC Private Limited mit einem Vermögen von 800,8 Milliarden Dollar, die ihre Position gegenüber 2018 nicht verändert hat.
Auf Platz neun rangiert die Qatar Investment Authority mit 557 Milliarden Dollar. Die Prioritäten des Fonds liegen in den Bereichen Biotechnologie, künstliche Intelligenz und Projekten im Bereich Wasserstoff. Finalisiert wird die Top-Ten-Liste durch das Investmentportfolio der Hong Kong Monetary Authority, das ein Kapital von 525,6 Milliarden Dollar verwaltet. Trotz eines Rückgangs um vier Plätze im Ranking bleibt der Fonds ein zentraler Akteur der internationalen Finanzarchitektur Hongkongs.

Neue Einschätzungen

Prinzipiell kann man aus dem aktuellen SWF-Ranking mehrere Schlüsse ziehen: einmal, dass Europa – mit Ausnahme des norwegischen Staatsfonds – in diesem Bereich de ­facto keine Rolle spielt. Und: Die wirklich großen Player bewegen sich – vielleicht noch – nicht in Richtung staatlich-strategischer Venture-Kapitalisten. Auf der anderen Seite beißt sich hier die Katze, wie man am Beispiel PIF sieht, in den Schwanz: Nützt ein Staat das Tool SWF für seine ­Interessen, geht damit fast zwangsläufig ein Rückgang der Assets under Management einher. Bei diesem Vermögensverlust handelt es sich jedoch um keinen Bedeutungsverlust, sondern schlicht um einen Strategiewechsel. Es kann also durchaus sein, dass man die Marktmacht von SWFs in Zukunft nicht mehr an den vorhandenen, sondern vielmehr an den eingesetzten Assets ablesen wird. Nicht zuletzt die USA werden hier wieder Taktgeber sein.

Daria Arkhypchuk

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