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2/2018 | Theorie & Praxis
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Raus aus dem Risiko

Die Investmentverantwortlichen von immer mehr Zentralbanken machen sich langsam Sorgen, dass es in ­einigen Sparten der Kapitalmärkte bereits zu hohe Bewertungen gibt.

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Die Zinspolitik der Fed und die EZB mit ihrem QE-Programm beziehungsweise dessen zu erwartendem Ende bereiten den ­Investmentverantwortlichen der meisten anderen Zentralbanken die größten Sorgen – mehrheitlich befürchten sie steigende Zinsen.

Foto: © GMF, VRD | adobe.stock.com

Wenn wir „Notenbanken“ hören, denken wir automatisch an die EZB, das Federal Reserve Board oder die Bank of England. Aber ­natürlich gibt es noch rund 130 andere Zentralbanken. Mehrheitlich spielen sie im internationalen Finanzgeschehen keine tragende Rolle, ­angesichts der Notenbankreserven sind sie jedoch als Marktteilnehmer nicht zu unterschätzen. In Summe veranlagen sie ein Kapital im Gegenwert von zuletzt rund 12.000 Mil­liarden US-Dollar – zum Vergleich: Europas Fondsindustrie ist derzeit rund 15.000 Milliarden Euro schwer.


In ihrer Rolle als Investoren beschäftigen die Zentralbanken fast ­exakt dieselben Probleme wie alle andere institutionellen Anleger, wobei sie aufgrund noch strengerer Auflagen in ihrem Aktionsradius stärker eingeschränkt sind. Im Rahmen der Möglichkeiten versuchen aber auch sie, Ertragschancen zu nutzen und Verluste zu vermeiden. Zum Glück erwiesen sich die Befürchtungen der Notenbanker, die im Rahmen des letztjährigen „Reserve Management Survey 2017“ befragt wurden, als übertrieben. Weder kam es zu einem weiteren Zerfall der Eurozone, noch erlebten wir eine umfang­reichere Korrektur an den Kapitalmärkten. Diese beiden Themen beschäftigten die ­Investmentverantwortlichen der rund 80 befragten Zentralbanken damals am meis­ten. Dass beides nicht eingetroffen ist, heißt ­allerdings nicht, dass diese Sorgen nun ad acta gelegt wären. Auch in der Neuauflage dieser Umfrage in diesem Jahr sind es zwei Risikofaktoren, die den Investmentverantwortlichen der Zentralbanken Kopfschmerzen bereiten. Sorge Nummer eins gilt der Gefahr steigender Zinsen, und Sorge Nummer zwei hängt unmittelbar mit der ers­ten Angst zusammen. Denn käme es zu einer stärkeren Aufwärtsentwicklung an den Zinsmärkten, hätte dies auch auf alle anderen Sparten des Kapitalmarktes Auswirkungen. Und angesichts der strapazierten Bewertungsniveaus in vielen Assetklassen könnte das unangenehme Folgen haben.

Unbehagen bewirkt bei etlichen Umfrageteilnehmern auch das absehbare Ende der QE-Politik führender Notenbanken. 47 Prozent sehen darin einen zentralen Risiko­faktor der kommenden Monate.


Unabhängig davon, ob die befürchteten negativen Entwicklungen eintreten oder nicht – fest steht, dass die Notenbanker in den letzten zwölf Monaten begonnen haben, sich auf ein schwierigeres Umfeld vorzubereiten. Mit Ausnahme von Einlagen, inflationsgesicherten Anleihen und Emerging Markets Bonds wurden in allen anderen ­Assetklassen die Gewichtungen tendenziell verringert (siehe Tabelle im Anhang). ­Parallel dazu haben 89 Prozent jener Notenbanken, die diese Frage beantwortet haben, angegeben, dass sich die Zahl der Assetklassen, in die sie inves­tieren, zuletzt erhöht hat, was darauf schließen lässt, dass sie sich um eine breitere Diversifikation bemühen.


Abgesehen von den in Leit­währungen denominierten Staatsanleihen, die naturgemäß die mit Abstand wichtigste wichtigste Anlageklasse für die eigenen Investments der Nationalbanken darstellen, interessieren sich die Vermögensverwalter der Währungsreserven auch für eine Reihe anderer Rentenkategorien.


Das größte Interesse gilt dabei Unternehmensanleihen. Da in diesem Bereich auch Investment-Grade-Emissionen in der benötigten Markttiefe zur Verfügung stehen, stellen sie bereits heute bei 48 Prozent jener 73 Zentralbanken, die diese Frage beantwortet haben, einen Portfoliobaustein dar. Sieben weitere Notenbanken und damit rund zehn Prozent der Befragten gaben an, dass sie aktuell daran denken, demnächst Unternehmensanleihen zu kaufen, mehr als 20 Prozent wollen dies in den kommenden Jahren tun.


Deutlich kleiner ist die Gruppe, die Schwellenländeranleihen hält, aktuell sind es etwa 28 Prozent, weitere 35 Prozent wollen in diesem Bereich aber demnächst oder in den kommenden fünf bis zehn Jahren ­aktiv werden. Erstaunlich wenig Interesse besteht hingegen bei Green Bonds. Nur 13 Prozent halten diese Anleihenkategorie derzeit, 47 Prozent wollen hier investieren, die Mehrheit (37 %) allerdings erst in fünf bis zehn Jahren. Immerhin 39 Prozent geben an, überhaupt keine Kaufabsichten bei klima- und umweltbezogenen Schuldtiteln zu haben. Größer ist die Ablehnung nur bei Aktien (46 % kein Interesse) und alternativen Investments (88 % kein Interesse). Letztere werden derzeit nur von einer einzi­gen Notenbank eingesetzt, bei Aktien sind es immerhin zwölf (von 71). Demnächst oder in weiterer Zukunft in Aktien investieren zu wollen, gaben 37 Prozent der 71 Institutionen an, die diese Frage beantwortet haben.


Duration verkürzt
Auch was die Duration ihrer Portfolios betrifft, sind die Investmentverantwortlichen in den Notenbanken noch einmal vorsichtiger geworden. Fast 30 Prozent gaben an, dass die Duration ihres Portfolios bei maximal einem Jahr liege, weitere 33 Prozent gehen hier bis maximal zwei Jahre. Nur bei drei von 72 Notenbanken lag die Duration des Portfolios bei mehr als fünf Jahren. Ein amerikanischer Notenbanker erklärte dazu gegenüber den Umfrageautoren: „Wir gehen davon aus, dass die Zinsen in den USA schneller steigen werden, als es der Markt antizipiert, daher haben wir die Duration unserer Portfolios reduziert.“
Mehrheitlich dürften die Notenbanker ­damit in Restlaufzeiten investiert sein, mit denen sie zufrieden sind. Die Frage, ob man vorhabe, die Duration in nächster Zeit zu ändern, wurde nur von 28 Prozent mit Ja beantwortet, die übrigen Umfrageteilnehmer haben dies nicht vor.


Euro wieder „attraktiv“
Wie rasch sich aber die Einschätzungen auch von Notenbankern ändern können, zeigt ein anderes Detailergebnis. Bei der Frage, welche Währung aktuell attraktiver erscheint als vor einem Jahr, sticht vor ­allem die Neubewertung des Euro ins Auge: 61 Prozent sehen die Gemeinschaftswährung heute wohlwollender als 2017, der Vergleichswert des Vorjahres lag bei 23 Prozent. Auch bei Renmimbi und japanischem Yen hat sich diese Einschätzung im Jahresvergleich verbessert. Der US-Dollar wird zwar immer noch von 72 Prozent der Befragten attraktiver eingeschätzt als 2017, im Vorjahr antworteten bei der gleichen Frage allerdings noch 84 Prozent, dass die US-Währung im Jahresvergleich an Attraktivität gewonnen habe. Ein Blick auf die BRIC-Währungen zeigt, dass hier zuletzt nur der russische Rubel in der Gunst der Reserve-Manager gestiegen ist (23 nach 19 % attraktiver), während Brasiliens Real deutlich an Terrain eingebüßt hat – nur noch 17 Prozent (nach 30 %) halten die südameri­kanische Währung für attraktiver als im Jahr davor.


Anhang:

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