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2/2017 | Theorie & Praxis
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Preis verhandlungen

Pensionsfonds. Die Kosten bei der Verwaltung institutioneller Gelder sind zwar rückläufig, aber die ­erhöhten Transparenzanforderungen werden zu einer noch besseren Erkennung von Kostensenkungs­potenzial und entsprechenden Kostenverhandlungen führen.

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Der ewige Preiskampf zwischen Finanzindustrie und Anlegern ist längst nicht beendet. Im institutionellen Bereich der betrieblichen Altersvorsorge gewinnt der politische Aspekt neuerdings neben dem kaufmännischen an Gewicht.

Seit die Renditen im Sinkflug sind, gewinnt das Thema Kos­ten bei Investoren stetig an ­Gewicht. Institutionelle Anleger waren an dieser Stelle schon immer sen­sibel, neuerdings muss jedoch jeder Groschen umgedreht werden. Um das Thema aber überhaupt optimal managen zu können, bedarf es der Kostentransparenz, und die ist längst nicht immer in dem Ausmaß gegeben, das man sich wünschen würde. „Wer als ­Investor einen Überblick über die Konditionen hat, befindet sich aufgrund des großen Wettbewerbsdrucks unter den Vermögensverwaltern in einer sehr ­guten Position, günstigere Gebühren auszuhandeln.

Allerdings fehlt den meisten Investoren in Deutschland diese Marktübersicht“, bestätigt Uwe Rieken, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Faros Consulting, die Relevanz dieses Problems. Rieken selbst arbeitet mit seiner Gesellschaft Faros Cost Advisory auch aktiv an der Lösung. Im Januar dieses Jahres hat er erhoben, ­welche Kostenblöcke die größte Relevanz haben, inwieweit sie sich beeinflussen lassen und wie groß die Kostenspannen im Einzelnen sind. Besonderes Potenzial für Einsparungen bieten laut Faros die Fondsmanagergebühren, Transaktionskosten im Fonds, die Kosten der Direkt­anlage sowie die Gebühren der ­Kapitalverwaltungsgesellschaft.


Der mit Abstand wichtigste Ansatzpunkt für institutionelle Inves­toren sind nach wie vor die Fondsgebühren. Die Produktanbieter müssen sich hier einem dezidierten Nachkostenvergleich stellen. „Die wichtigste Erkenntnis besteht darin, dass es keinen Zusammenhang zwischen Kosten und Qualität eines Fonds gibt. Das heißt, eine Kostensenkung ist ohne Qualitätseinbußen möglich“, sagt Oliver Dräger, Senior Consultant von Faros Consulting. Zu ähnlichen Resultaten kommen auch mehrere Studien des Fondsresearchhauses Morningstar, etwa die letzte vom Mai 2016 („Predictive Power of Fees. Why Mutual Fund Fees Are So Important“). „Fondskosten sind der stärkste nachgewiesene Faktor, um künftige Fondsrenditen zu prognostizieren. Fonds mit ­höheren Gesamtkosten haben eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit der Underper­formance und werden letztlich öfter mit ­anderen Fonds verschmolzen und verschwinden so vom Radar“, erklärt Natalia Wolfstätter, die bei Morningstar die Fondsanalyse in Deutschland leitet. Weil die Investoren schon in Verhandlungen über die Asset Management Fees getreten sind, sind diese seit 2000 bereits gesunken. Beispielsweise sind die Kosten für US-Aktien- und US-Renten-Publikumsfonds heute rund ein Drittel niedriger als noch im Jahr 2000. „Bei vor längerer Zeit abgeschlossenen Verträgen lohnt sich aber ein Nachverhandeln“, meint Dräger.


Dass die Transparenz in diesem Bereich grundsätzlich noch zu wünschen übrig lässt, zeigt ein Blick auf die Preisdifferenzen zwischen günstigen und teuren Managern. ­Faros hat für rund 35 Anlageklassen Daten erfasst. Bei europäischen Unternehmens­anleihen betragen die Kosten bei ­einem Mandat von 100 Millionen Euro beispielsweise im Schnitt 0,29 Prozent. Der Durchschnittswert der teuersten zehn Prozent der Anbieter liegt jedoch bei 0,40, während man bei den günstigsten zehn Prozent im Schnitt weniger als 0,25 Prozent bezahlt – im Extremfall lag der Preis unter 0,18 Prozent. Bei einem europäischen Aktienmandat für ein Volumen von 100 Millionen Euro liegt der Durchschnittswert bei 0,54 Prozent. Die teuersten zehn Prozent der Anbieter verlangen mit 0,70 Prozent annähernd doppelt so hohe Fees wie die günstigsten zehn Prozent.


Die Kosten für die Kapitalverwaltungsgesellschaft und die Depotbank hält Rieken bereits heute für relativ niedrig. Hier seien seit der Jahrtausendwende die Preise stark rückläufig, sodass die heutigen Gebühren nur noch rund ein Viertel des ­Niveaus des Jahres 2000 betragen. Entsprechend hält er hier das Kostensenkungs­potenzial für weitgehend ausgereizt.
Neben nominell niedrigeren Verwaltungsgebühren rücken auch strukturelle Fragen zur Kostenberechnung in den Fokus. So sind etwa Performancegebühren aktuell stark rückläufig und werden von professionellen Inves­toren kaum mehr akzeptiert. Für Vermögensverwalter noch relevanter ist die gelegentlich formulierte Frage, ob die Verwaltungskosten auch künftig volumenbasiert zu berechnen seien. „Das Interesse der Asset Manager an diesem Modell ist naturgemäß hoch, da sich so in erheblichem Umfang Skalenerträge erwirtschaften lassen.

Großinvestoren werden künftig auch andere Modelle mit individuellen Kosten­positionen favorisieren und durchsetzen“, meint Rieken.


Politische Dimension
Das Thema Kosten hat vor allem bei ­Altersvorsorgeeinrichtungen nicht nur eine betriebswirtschaftliche, sondern auch eine politische Dimension. Der deutsche Gesetzgeber möchte die betriebliche Altersvor­sorge auf breitere Beine stellen und tut das Seine dafür. So erklärte Arbeits- und Sozial­ministerin Andrea Nahles auf der aba ­Jahrestagung am 10. Mai in Berlin: „Wir wollen bei Betriebsrenten die Freiwillig­keit nicht verlassen. Entsprechend müssen wir die Rahmenbedingungen attraktiv gestalten, und das haben wir mit dem Entwurf zum Betriebsrentenreformgesetz getan.“


Da die Bundesregierung auf ein freiwil­liges Enrollment der Arbeitgeber setzt und ein obligatorisches Modell ablehnt, müssen die angebotenen Betriebsrenten attraktiv und vertrauenswürdig sein. Dazu gehört auch das Vertrauen der Arbeitnehmer darin, dass Pensionsfonds ihre Kosten im Griff ­haben, damit eine attraktive Wertentwicklung der Pensionsgelder möglich ist. Wie negativ sich Nachrichten über angeblich zu hohe Kosten auswirken können, erleben derzeit die Anbieter von Riester-Verträgen. „Aus unserer Sicht kommt dem Transparenzgebot im Allgemeinen und der Kostentransparenz im Besonderen eine essenzielle Bedeutung zu, um die Akzeptanz der neuen Modelle in der Bevölkerung nicht zu gefährden“, erklärt Hans-Peter Bauder, Head of Business Development Pensions bei der KAS Bank, German Branch.


Entsprechend empfiehlt sich angesichts des Momentums, das Betriebsrenten derzeit durch die Betriebsrentenreform erfahren, ein sorgfältiges Kostencontrolling. Ein Vergleich mit der Peergroup ist in diesem Zusammenhang hilfreich, allerdings sind entsprechende öffentlich zugängliche Daten rar. Die KAS Bank hat allerdings angekündigt, dass sie an einer Kostenstudie für deutsche Pensionsfonds arbeitet und die Ergebnisse bald veröffentlichen wird. Derzeit hat sie in ihrem Kostentransparenz-Benchmark-Report lediglich die Daten der niederländischen Pensionsfonds ermittelt, die rund 20 Prozent niedriger liegen als in Deutschland. „Hintergrund sind effiziente Strukturen und Analysen zur Wechselwirkung von Kosten und Performance, Risiko und Asset Allocation“, erklärt Bauder.


In den Niederlanden müssen Pensionsfonds seit 2015 in ihren Jahresberichten die Kosten getrennt nach Verwaltungskosten des Pensionsfonds, Asset-Management-Kos­ten und Transaktionskosten aufführen. Außerdem sind die Kosten pro Mitglied (aktive und Rentner) in Euro zu veröffentlichen. Daher haben die niederländischen Pensionsfonds die Daten ohnehin zur Hand.


Mithilfe des Benchmarking-Reports der KAS Bank sind einzelne Pensionsfonds in der Lage, ihre Kosten mit denen ähnlich strukturierter Pensionsvermögen (sogenannten Peergroups) zu vergleichen. Einen solchen Kostenvergleich möchte die KAS Bank demnächst auch deutschen Pensionsfonds zur Verfügung stellen, muss dafür aber erst die Daten einsammeln. Diese sind sehr detailliert und reichen von Spread-­Kosten beim Kauf und Verkauf von Anleihen bis hin zu Kosten des Overlay Investments. Bei den administrativen Kosten des Pensionsfonds werden z. B. Personalkosten, Bankkosten, Kosten für die Kommunika­tion und die Miete erfasst, was das ­Zusammentragen der Daten sicher mühsam macht.


Als Resultat können die Pensionsfonds dann aber eine Analyse wie im Chart „Kosten der Pensionsadminis­tration“ erhalten. Im Beispiel zeigt die Analyse, dass im KAS-Bank-Universum der niederländischen Pensionsfonds im Jahr 2015 pro Versorgungs­berechtigten durchschnittlich 395 Euro für die Rentenverwaltung angefallen sind. Der Pensionsfonds, der sich im Vergleich sehen wollte, musste hingegen 1.043 Euro pro Versorgungsberechtigten aufbringen und kann nun unter­suchen, weshalb seine Kosten deutlich höher liegen als im Durchschnitt.


Skaleneffekte nachweisbar
Wie zu erwarten, kommen bei Pensionseinrichtungen Skaleneffekte zum Tragen. Aus dem Chart „Kosten der Pensionsadministration“ wird deutlich, dass mit steigender Anzahl der Versorgungsberechtigten die Administrationskosten je Berechtigten fallen. Der Pensionsfonds, der sich in diesem Beispiel mit der Peergroup vergleicht, kann sehen, dass seine relativ hohen Admi­nistrationskosten nicht allein durch die geringe Anzahl seiner Mitglieder erklärbar ist, sondern dass es noch andere Faktoren ­geben muss.


Was die Kosten der Vermögensverwaltung anbelangt, hat die KAS Bank für ihr Universum der niederländischen Pensionsfonds im Berichtszeitraum Durchschnittskosten von 0,50 Prozent ermittelt, 0,10 Prozent davon sind Transaktionskosten. In der relevanten Peergroup des Fonds im Vergleich betragen die Kosten der Vermögensverwaltung einschließlich Transaktionskosten jedoch 0,72 Prozent. Der Pensionsfonds im Fokus hat aber lediglich Kosten in Höhe von 0,25 Prozent und liegt damit 47 Basispunkte unter dem Durchschnitt seiner Peergroup (siehe Chart „Kosten der Vermögensverwaltung“).


Interessant ist auch die Erkenntnis, dass es bei Pensionsfonds keine direkte Korre­lation zwischen Kosten der Vermögens­verwaltung und Outperformance (Rendite) gibt. Bei höheren Kosten der Vermögensverwaltung ist nämlich kein zusätzlicher Anstieg der Rendite im Pensionsfonds zu verzeichnen.


Bauder ist überzeugt, dass der detaillierte Kostenvergleich nützlich ist: „Eine ganzheitliche Kostenbetrachtung einschließlich eines Kostenbenchmarkings – das heißt ­einer detaillierten Kostenanalyse mit einem Vergleich innerhalb einer Peergroup – stellt aus Sicht der KAS Bank eine effektive Möglichkeit dar, weiteres Einsparpotenzial zu erkennen, die Governance zu stärken und schließlich auch Renditesteigerungen zu erreichen. In den Niederlanden und in Großbritannien wird dieses Analysetool von Pensionseinrichtungen bereits seit Längerem genutzt.“ Dass sich durch die stärkere Transparenz und Kostenanalyse erhebliche Einsparungen ergeben können, zeige das deutlich niedrigere Kos­tenniveau der Niederlande im Vergleich zu Deutschland, obwohl der Pen­sions­markt dort erheblich stärker gesetzlich reguliert sei und höhere regulative Anforderungen gelten. Insbesondere sei in den Niederlanden eine de­taillierte und umfangreiche Reporting- und Transparenzpflicht für verschiedene Kos­ten­arten im Zusammenhang mit den gehaltenen Vermögensanlagen gesetzlich vorgeschrieben, was in Deutschland bisher nicht der Fall sei. 


Anhang:

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