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2/2020 | Theorie & Praxis
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»Mit guter Rendite etwas Bewirken«

Dagmar Nixdorf, Vorsitzende des Aufsichtsrats der Nixdorf Kapital AG, hat sich ­entschieden: Investments müssen nicht nur eine angemessen hohe Rendite abwerfen, auch ihre Wirkung in sozialer und ethischer Hinsicht muss messbar sein.

Der Name Heinz Nixdorf steht auch heute noch als leuchtendes Beispiel für eine Unternehmerkarriere in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das ehemals größte deutsche Computerunternehmen, das der Computerpionier gegründet hat, gibt es zwar heute nicht mehr, an Rele­vanz gewonnen hat aber gerade in der jüngeren Zeit einer seiner Leitgedanken: „Vor dem Himmel kommt das Leben auf Erden, und da gilt es, eine soziale Gesellschaft aufzubauen.“ Dieser Gedanke lebt in gewisser Weise in der Person seiner Nichte Dagmar Nixdorf bis heute fort, denn die Münchner Unternehmerin hat diese Devise für ihr ­eigenes Handeln und Tun in mittelständischen Betrieben sowie in der Vermögensberatung übernommen. Im Bemühen um ganzheitlich optimierte Lösungen ist sie ­dabei immer wieder an Grenzen gestoßen. Die insbesondere im Fondsbereich verfügbaren Instrumente entsprachen konzeptionell und inhaltlich allzu selten dem, was sie bedenkenlos einsetzen konnte. Deshalb hat sie sich entschlossen, selbst Fonds zu ini­tiie­ren, die ihrer mittelständischen Denkweise, ihren ethischen Vorstellungen und ­ihrer sozia­len Verantwortung entsprechen. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.
 
Frau Nixdorf, das Mission Statement der vor rund dreieinhalb Jahren gegründeten Nixdorf Kapital AG ist überschrieben mit dem Slogan „Wir sind Wertgeber“. Das würden sicher auch andere Finanzdienst­leister für sich in Anspruch nehmen. Wie füllen Sie diese Formel mit Inhalt?
Dagmar Nixdorf: Im Begriff Werte steckt für uns mehr als ein finanzieller Wert. Die Werte, die unser Unternehmen heute motivieren, basieren auf der jahrzehntelangen Erfahrung meiner Familie. Deshalb habe ich mich vor rund dreieinhalb Jahren entschieden, diese Werte in die aktu­elle Zeit zu übersetzen – und zwar in einem Unternehmen, das als Initiator für Fonds mit Verantwortung steht. Bei allen Investments, die wir begleiten, ist es uns wichtig, genau zu ermitteln, auf welche ­gesellschaftlichen und ökologischen Wirkungen diese hinauslaufen, und diese Wirkung dann auch zu prüfen. Im Fokus steht dabei unser Ansatz, Werte zu schaffen, diese für nachfolgende Generationen zu­kunfts­­­­tauglich zu gestalten und nutzbar zu machen. Wenn Sie so wollen, das, was ­gemeinhin oft auch als Impact Investing ­bezeichnet wird. 
 
Das ist natürlich ein weiter und bis heute nicht abschließend definierter Begriff. Wie konkretisieren Sie ihn, und vor allem wie grenzen Sie sich ab gegenüber anderen ­Investmentangeboten, die unter Schlagworten wie Nachhaltigkeit und ESG eine immer größere Bedeutung gerade auch für insti­tutionelle Investoren erhalten?
Aus unserer Sicht ist es nur zu begrüßen, um nicht zu sagen, es war dringend erforderlich, dass nachhaltiges Investieren die hohe Dynamik erhält, die dem Thema inzwischen entgegengebracht wird. Regulatorische Ansätze wie die Taxonomie als Klassifikationssystem für nachhaltige ­Investitionen, auf die sich EU-Parlament und Ministerrat Anfang des Jahres geeinigt haben, sind dabei wichtige Treiber für deren Umsetzung in der Zukunft. Hilfreich ist ­zudem, dass wir mit den sogenannten ­Sustainable Development Goals schon seit geraumer Zeit über eine Systematik verfügen, die eine weltweit anerkannte Orientierung und Übereinkunft zur Beschreibung von Wirkungszielen im Investment darstellen. Wir haben vor diesem Hintergrund ­unser eigenes Profil im Rahmen dieser SDGs erstellt und definiert, welche Ziele uns besonders wichtig sind. Das betrifft in erster Linie die sozialen und gesellschaftli­chen Konsequenzen von Investments. Auch wenn das früher nicht so konkret ausformuliert war, hatte das für meine Familie in ­ihrem unternehmerischen Handeln schon immer eine große Bedeutung und steht auch für uns im Mittelpunkt.
 
Klingt nach durchaus hehren Zielen, aber es erklärt noch nicht, wie Sie sich abgrenzen von anderen nachhaltigen Investments.
Der Unterschied liegt eben nicht nur in der Formulierung dieser Ziele, das tun andere auch. Uns geht es aber um die Kombination aus Zielsetzung plus der bewussten Messung der Wirkung, die damit erreicht werden kann. Ich glaube schon, dass unser Ansatz sich unter diesem Blick­winkel durchaus deutlich von klassischen nachhaltigen Investments unterscheidet.
 
Und wie füllen Sie ein Schlagwort wie verantwortliches Investieren mit kon­kreten Handlungsdirektiven für Ihr Unternehmen und seine Partner?
Wir haben das für uns konkret eingegrenzt und eine Reihe von Leitlinien formuliert, die unsere Investments ­bestimmen. Das fängt damit an, dass wir nur solche Anlagestrategien umsetzen, die unser Management auch für seine eigenen Anlagen nutzen würde. In der Umsetzung nutzen wir dabei die heute verfügbaren ­wissenschaftlichen Forschungsergebnisse. Wir belassen es jedoch nicht bei der mehr theoreti­schen Auseinandersetzung, wir nehmen bewusst praktischen Einfluss auf die Inves­ti­tions­vorgaben, um sicherzustellen, dass bei unseren Investments auch ethische und soziale Kriterien besonders berücksichtigt werden. 
 
Aber ist nicht am Ende vor allem eines entscheidend, um Investoren für entsprechende Investitionen zu gewinnen – eine angemessene Rendite ihrer Investments?
Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Allerdings stehen Rendite und Wirkung eines Investments nach unseren bisherigen Erfahrungen keineswegs in diesem Gegensatz, der in diesem Zusammenhang gern kolportiert wird. Man kann mit guten Renditen durchaus etwas bewirken. Deshalb entspricht es ja genau unserer Idee, sich eben nicht nur an Märkten und Performance allein zu orientieren. Gerade deshalb suchen wir nicht die schnellen ­Gewinne, sondern versuchen, für unsere Anleger eine mittel- bis langfristige wertsteigernde Anlage ins Zentrum unserer ­Strategien zu stellen. 
 
Sie haben das einmal als den „Gegenentwurf zur schnellen Maximalrendite“ formuliert. Wie muss man das verstehen?
Als Kaufleute gehen wir ­zunächst einmal grundsätzlich davon aus, dass ein Investment marktübliche Renditen erzielen muss, sonst macht es ja keinen Sinn. Wir ergänzen diese Maxime aber ­immer um den Zusatz, dass Investieren über die Rendite hinaus auch stets gesellschaftli­chen Nutzen erzeugen soll. Im Rückschluss bedeutet das aus unserer Sicht aber auch, dass es keine Renditeoptimierung zulasten entsprechender Impact-Ziele geben darf. Dem Einsatz von Derivaten stehen wir deshalb bewusst sehr kritisch gegenüber. Wir verzichten zudem bei unseren Investments auf hohe Fremdfinanzierungen. Beides spielt für unsere Praxis keine Rolle. Wahrscheinlich könnten wir in dem einen oder anderen Projekt sogar höhere Renditen erzielen, wenn wir entsprechend hohe Fremdfinanzierungsquoten nutzen würden. Aber wir glauben, dass wir dann einfach die ­Hoheit über ­unsere Projekte aufs Spiel setzen, weil wir diese dann im Grunde nicht mehr allein kontrollieren würden. Denn wir würden uns unter Umständen zu stark abhängig machen von den Vorstellungen entsprechender Finanzierungspartner. Deshalb kann man zusam­menfassend sagen: keine Wetten, keine unnötigen Risiken und vor allem kein Fokus auf kurzfristige Trends.
 
Sie hätten natürlich auch die Möglichkeit gehabt, selbst als aktiver Investor zur Erreichung dieser Ziele am Markt aufzutreten. 
Das ist richtig. Vor der Entscheidung für die Gründung der Nixdorf ­Kapital AG hat es solche Überlegungen ­tatsächlich gegeben, als wir vor der Alternative standen, als aktiver Investor aufzutreten oder uns mit Investitionen in entsprechende Strukturen und Vehikel dafür einzusetzen, dass noch sehr viel mehr Investoren Zugang zu durchdachten Impact Investments haben. Wir haben uns sehr bewusst für letztere ­Lösung entschieden – ganz einfach weil wir Vorbild und „Enabler“ sein wollen. Wir ­sehen unsere Stärke eigentlich darin, gute Investmentmöglichkeiten zu identifizieren, die unseren Zielen gerecht werden, um diese dann in Kooperationen mit kompetenten Partnern so zu entwickeln, dass sie für viele Gleichgesinnte investierbar werden.
 
Wie sieht die Umsetzung konkret aus?
Von unserer Grundaufstellung her haben wir zwei große Produkt­linien entwickelt: einerseits illiquide Anlagen über eine eigene RAIF-Struktur in ­Luxemburg. Hier haben wir mit Hauck & Aufhäuser als Service-KVG einen guten und erfahrenen Partner gefunden, der es uns ermöglicht, die Flexibilität einer solchen Struktur entsprechend auch auszunutzen. Auch für unsere zweite Produktlinie, das sind liquide Investments via Wertpapierfonds, arbeiten wir mit professionellen Partnern zusammen, das ist zum einen die Deutsche Oppenheim AG, zum anderen sind das die beiden Asset Manager Grohmann und Weinrauter sowie Oddo BHF. 
 
Warum haben Sie sich beim Thema illiquide ­Investments für eine RAIF-Struktur entschieden?
Die Abkürzung RAIF steht für Reserved Alternative Investment Fund und ist im Prinzip eine Art Umbrella-Struktur, die mit einem oder mehreren Teilfonds oder Compartments bestückt werden kann. Das gibt uns zum einen die Möglichkeit, schnell reagieren zu können, um eine sich bietende Investmentmöglichkeit umzusetzen. Ein solcher RAIF kann über einen AIFM-Passport, über den unsere Service-KVG verfügt, zum grenzüberschreitenden Vertrieb an professionelle Anleger genutzt werden, in Deutschland ist sogar der Vertrieb an semiprofessionelle Anleger zulässig. Damit steht uns als Initiator ein extrem flexibles Produkt zur Verfügung, das allerdings in zweierlei Hinsicht sozusagen ­„reserviert“ ist: Es dürfen darin nur sogenannte sachkundige Anleger aufgenommen werden, was für uns insofern kein Problem darstellt, als wir nur solche Investoren ­ansprechen. Zum anderen benötigen wir durch die Zusammenarbeit mit Hauck & Aufhäuser keine eigene AIFM-Volllizenz. 
 
Und wo investieren Sie?
Das erste Projekt, das wir umgesetzt haben, ist ein sogenannter Private Markets Fund of Funds. Wir investieren ­damit in Private-Market-Fonds, die sich bewusst und ausschließlich auf das Impact-Thema konzentrieren – dieses Universum umfasst zirka 300 Zielfonds. Aus diesem Universum wählen wir eine der Fondsgröße entsprechend kleinere Zahl an Investments aus, wobei viele davon noch gar nicht voll investiert sind. Das Interesse von Seiten auf Impact ausgerichteter Family Offices und institutioneller Investoren ist durchaus groß, allerdings rechnen wir aufgrund der jüngs­ten Marktentwicklungen mit rund eineinhalb Jahren, bis wir den Fonds schließen werden können. Bei unserem zweiten Projekt geht es um das Thema bezahlbarer Wohnraum für die eher einkommensschwachen Bevöl­kerungsschichten in den USA. Die Nachfrage nach bezahlbaren Häusern und ­Wohnungen ist schon vor der Krise ­erheblich angestiegen, die jüngste Ent­wicklung mit einer immens höheren Zahl an Arbeitslosen dürfte das sogar noch ­erheblich ­beschleunigen.
 
Mit welchen Renditen können Anleger dabei rechnen?
Nach unseren Berechnungen gehen wir bei beiden Projekten von zweistelligen Renditen aus. Aus diesem Grund sehe ich nicht, dass man aus kaufmännischer Sicht auf irgendetwas verzichtet, nur weil man sich darauf konzentriert, das Geld an den aus meiner Sicht richtigen Stellen einzusetzen. 
 
Und wie sieht Ihr Angebot auf der liquiden Seite der Kapitalmärkte aus?
Wir haben bisher zwei Fonds aufgelegt: zum einen den Nixdorf Stiftungsfonds als Multi-Asset-Konzept mit einer Aufteilung von etwa 70 Prozent Un­ternehmensanleihen und 30 Prozent ­Aktien; zum anderen den Nixdorf Impact D.A.C.H. I, ein Aktienfonds, der in erster Linie in Small- und Mid-Cap-Aktien investiert. Beide Fonds verfolgen einen eigens entwickelten Nachhaltigkeitsansatz, der auf unsere speziellen Anlageziele ausgerichtet ist und börsennotierte Werte identifiziert, die in besonderem Maße eine gesellschaftliche und ökologische Wirkung entfalten.
  
Aber sind Sie denn als noch relativ kleine Gesellschaft überhaupt in der Lage, das ­jeweilige Anlageuniversum nach Werten zu durchsuchen, die Ihren Zielen entsprechen?
Wir arbeiten bei beiden Projekten mit großen Partnern zusammen, die über die notwendigen Ressourcen und entsprechende Tools verfügen, um das jeweilige Basisuniversum an Werten zu erarbeiten, die für ein Investment in dem jeweiligen Fonds in Frage kommen. Beim Nixdorf Stiftungsfonds sind das die Prozesse der Oddo BHF und der Pax-Bank, beim Impact-Fonds nutzen wir den Prozess der Deutsche Oppenheim Family Office AG und von ISS ­Oekom. In beiden Fällen wird zunächst ein Basisuniversum erarbeitet, über das ein eigener Nixdorf-Filter gelegt wird. Als Ergebnis entsteht das für den ­jeweiligen Fonds inves­tierbare Anlage­uni­versum, eine Art Positivliste, aus der der ­jeweilige Fondsmanager seine Investments auswählen kann. 
 
Aber wenn ich es richtig sehe, sind Sie durch den Beginn der Coronakrise bei beiden Fonds regelrecht ausgestoppt worden.
Das ist sogar noch freundlich ausgedrückt. Die Erstnotierung der Fonds ist sozusagen mit dem Ausbruch der Krise zusammengefallen. Wir haben dann sehr schnell entschieden, dass es besser ist, eine Vollbremsung zu machen, statt die ers­ten Investments in einem kaum kalkulierbaren Umfeld zu tätigen. Wir waren der Überzeugung, dass die neue Situation eine Überprüfung unserer Investmentstrategie nötig machen könnte. Zudem standen auch bei den meisten unserer Mitinvestoren, die sich bereits für ein Investment entschieden hatten, von einem Tag auf den anderen ­natürlich ganz andere Prioritäten auf der Tagesordnung. Deshalb haben wir aus beiden Fonds zunächst einmal jedes Risiko herausgenommen, indem wir die ­bereits vorhandenen Anfangsbestände in Cash oder Staatsanleihen geparkt haben. Aber wir stehen da nicht unter Druck und nehmen uns lieber die Zeit, erst dann zu handeln, wenn wir verstanden haben, welche Auswirkungen die Krise tatsächlich mit sich bringen wird.
 
Wir danken für das Gespräch.
 
Hans Heuser 

Investorin mit Impact

Dagmar Nixdorf ist heute die Vorsitzende des Aufsichtsrats des von ihr gegründeten Finanzdienstleisters Nixdorf Kapital AG. Neben dem Hauptsitz in München verfügt das Unternehmen über eine Niederlassung in Luxemburg, über die die nach dortigem Recht aufgelegten Fonds verwaltet werden.

Sie ist die Nichte des 1986 verstorbenen Computerpioniers Heinz Nixdorf, eine der bemerkenswertesten Unternehmerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit. Der in Paderborn Geborene stammte aus wirtschaftlich einfachen Verhältnissen. Sein Physikstudium hat er zwar nicht beendet, er gründete aber bereits mit 27 Jahren seine erste Computerfirma, die später als Nixdorf AG nicht nur zum größten deutschen Computerhersteller, sondern auch zu einem weltweit tätigen Elektronikkonzern mit in der Spitze knapp vier Milliarden D-Mark Umsatz wurde. Er galt als Unternehmer mit ausgeprägtem Sinn für soziale Verantwortung. Diese Haltung führt seine Nichte in dem von ihr gegründeten Unternehmen fort. Dabei bringt sie jahrelange Erfahrung als Unternehmerin in verschiedenen mittelständischen Betrieben sowie in der Vermögensberatung von institutionellen Investoren und Privatanlegern mit ein.

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