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4/2018 | Theorie & Praxis
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Mit Alpha in die Vola-Schlacht

Das 3. Wiener Investmentforum von Institutional Money stand ganz im ­Zeichen der Volatilität und wie man mit diesem emotionsgeladenen Phänomen umgeht – egal ob dieses an den Märkten, im Job oder in der Gesellschaft virulent wird.

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Inzwischen nahezu traditionell in den strahlend hellen Räumlichkeiten des Wiener Park Hyatt, öffnete Institutional Money zum mittlerweile dritten Mal die Pforten für das IM Investmentforum. Institutionelle Investoren und handverlesene Experten aus dem Asset Management trafen sich zum Gedankenaustausch und führten bei dieser Gelegenheit durchaus intensive Diskussionen.

© Marlene Fröhlich | Luxundlumen

Wenn die einleitenden Worte der Moderatorin den unmittelbar darauf folgenden Vortragenden zu der Aussage verleiten, „Erstaunlicherweise muss ich Ihnen recht geben“, dann ist klar: Da hat etwas geklappt. Eine solche Szene trug sich am 3. Oktober 2018 im Rahmen des dritten Wiener Investmentforums zu. Wahrscheinlich hat Florian Bohnet, Leiter Research bei DJE, eine gewisse Softness beim Strategievortrag von Moderatorin Erika Karitnig erwartet – davon war aber keine Rede. Vielmehr ging es darum, wie Unternehmen und Entscheidungsträger auch unter schwankungsanfälligen makroökonomischen Rahmenbedingungen über­leben und diese unter Umständen sogar zu ihrem Vorteil nutzen. Die Finanzmarktexpertin näherte sich dem Thema Volatilität dabei über zwei Akronyme an: Das erste beschreibt dabei den Status quo unseres sozioökonomischen Umfelds und lautet auf VUKA. Umfasst werden damit die Phänomene Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität. Durch diesen Mix entstünden enorme Unsicherheiten und Stresszustände, gleichzeitig gebe es aber auch eine gute Nachricht – und die lautet: „Sie sind nicht allein!“, wie Karitnig aufzumuntern versucht. Soll heißen: Man sollte sich nicht selbst zerfleischen und die schwierigen Situationen allzu sehr auf die eigene Kappe nehmen, sondern sich der Tatsache bewusst werden, dass „diese Umstände für alle gelten und gekommen sind, um zu bleiben“. Der damit einhergehende akronyme Lösungsansatz lautet VOPA und steht für Vernetzung, Offenheit, Partizipation und Agilität. Sich auf diese Konzepte einzulassen ist natürlich – vor allem in starken Konzernstrukturen – leichter gesagt als getan. „Wenn man diese Prinzipien umsetzt, kann das jedoch sehr befreiend sein“, meint Karitnig. Mit einem Augenzwinkern bringt sie ein ­Beispiel: „Die ganzen umfangreichen, zeitfressenden Dokumentationen? Bringt alles nichts, können wir uns also sparen.“

Florian Bohnet, Leiter Research bei DJE, schloss lückenlos an die Ausführungen ­Karitnigs an und wies darauf hin, dass es ­Unsicherheiten tatsächlich überall gibt – ­traditionell auch an den Kapitalmärkten. Mit der marktneutralen Strategie des taufrischen Fonds DJE Equity Market Neutral Europe, der außerdem einen strikten ESG-Ansatz ­beinhaltet, will DJE „das Alpha heraus­ziehen“ und nach Kosten auch für den ­Kunden generieren – das Ganze de facto benchmarkfrei.

Verluste? Immer unerfreulich

„Wenn der Markt oder die Peergroup zehn Prozent im Minus ist und Sie nur sieben Prozent, freuen Sie sich vielleicht auch nicht“, so der DJE-Mann. Erreicht werden soll eine möglichst durchgehend positive Performance über extrem niedrige Volatilität und geringe Korrelationen zu den Aktienmärkten – was auf den ersten Blick erstaunlich ist, liegt die Aktienquote des Fonds doch zwischen 85 und 90 Prozent. Hinzu kommt, dass alle Aktien „annähernd gleich gewichtet sind“, die Strategie long only läuft und „keine komplizierten Produkte im Hintergrund laufen“, die möglicherweise dazu führen könnten, dass der Fonds doch nicht das beinhaltet, was auf dem „Beipackzettel“ steht. Tatsächlich liegt also viel an der Einzelanalyse der betreffenden Unternehmen und dem Management des Risikos. DJE-Analyst Kilian Stemberger fasst die Risikominimierungsstrategie im Bereich Marktabsicherung in einer relativ übersichtlichen Formel zusammen:

Die Grafik stellt die Tagesperfor­mance einer Aktie im Europe Stoxx 600 in einem negativen Marktumfeld dar. Die Absicherungsgeschäfte laufen über diesen breit gefassten Index. Hier werden über Derivate und Futures Verkaufspositionen gefahren. Wenn im dargestellten Fall der Verlust aus dem Markt 0,84 Prozent beträgt, steht dem ein Absicherungsgewinn von 1,4 Prozent gegenüber, es bleibt für den ausgewählten Titel ein Tagesergebnis von plus 0,56 Prozent.

Die Strategie nimmt aufgrund der laufenden Absicherung in steigenden Marktphasen weniger Performance mit als der Markt. Durch die Herausnahme des Risi­kos geht man aber davon aus, dass ein durchschnittlicher Jahresertrag zwischen zwei und vier Prozent erzielt werden kann. Die Strategie zielt also eher darauf ab, anleihenähnlich zu funktionieren und stetige ­Erträge zu liefern.

Engagiert zeigte sich das Publikum in der darauf folgenden Q&A-Session. Unter anderem tauchte die Frage auf, warum man nur eine Long-Strategie fährt und auf Erträge aus Leerverkäufen verzichtet. Darauf Bohnet: „Wir sind erfahrungsgemäß gut darin, gute Werte zu finden, wollen die Strategie einfach und leicht nachvollziehbar halten und somit das tun, worin wir einen Track Record ­haben.“ Würde man eine Short-Strategie ­seriös verfolgen, müsste man  den Rechercheaufwand verdoppeln –  gegenwärtig wird auf Leerverkaufselemente also verzichtet. Daniel Lösche, Investmentstratege für Schroder IM, stellte im Rahmen des Vortrags „Flexibilität ist Trumpf – Wo liegen die Chancen bei Unternehmensanleihen nach Jahren des Bullenmarktes?“ die Global-Unconstrained-Credit-Strategie des Hauses vor. Da sich das Szenario des „risikolosen Zinses“ zu einem des „zinsfreien Risikos“ verändert habe, verfolgt Schroder mit der präsentierten Strategie ­einen aktiven Ansatz mit Fokus auf die liquideren Credit-Segmente, um so die Top-down-Asset-Allocation zu optimieren. Das Ziel: „ausgezeichnete risiko­adjustierte Renditen und Einkommen“.

Eines der Schlüsselelemente lautet in diesem Zusammenhang, „Korrelationen und die damit verbundenen versteckten Risiken zu vermeiden“. Wo diese schlummern, zeigt das Investmenthaus mit der rechts angeführten Grafik. Vermieden werden derartige Fallen über einen aktiven Ansatz, wobei der Fokus auf der ­Selektion europäischer Unternehmensanleihen liegt. „Hier liegt aus Erfahrung unsere Kernkompetenz“, so Lösche. Das äußert sich auch in ganz klaren Positionierungen im Vergleich zum Mitbewerb: „Unser Investment-Grade-Exposure liegt bei 65 Prozent, während es bei der Benchmark 80 Prozent sind. Wir handeln aus Überzeugung.“ Das schlägt sich laut Unternehmensangaben in Kennzahlen nieder, die etwa durch erfolgreiche Verlustminimierung gekennzeichnet sind. So liegt der MDD von Schroder ISF Global Credit Income seit Auflage bei 1,6 Prozent, die vergleichbaren Barclays-Indizes weisen 2,8 aus. Das gegen Kasse gerechnete Alpha liegt kumuliert seit 2016 bei 1,019 Basispunkten.

Abgeschlossen wurde der offizielle Teil des Forums durch eine offene Fragerunde an Schroder und DJE, in deren Rahmen vor ­allem die Einschätzung zu den globalen Marktaussichten abgeklopft wurde. Beemerkenswert war, wie die Einschätzungen zum großen Thema „Handelskonflikt“ divergierten: Während man bei Schroder davon ausgeht, dass „uns das Problem noch bis möglicherweise 2020 begleiten wird“, Zölle auf das gesamte Handelsvolumen drohen und ein Szenario „Eskalation vor Erholung“ im Raum steht, zeigte man sich bei DJE etwas entspannter. „Bei einer Einigung könnte es positive Impulse geben“, immerhin ziele der US-Präsident ja darauf ab, die Zölle weltweit auf die Einfuhrgebühren der Vereinigten Staaten zu drücken. „Kommt es zu einer ­Einigung, könnte das also sogar positiv sein, quasi der letzte Kick.“ Nachsatz von Bohnet: „Aber in Wirklichkeit weiß das natürlich ­niemand.“    

Hans Weitmayr


Anhang:

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