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3/2019 | Theorie & Praxis
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Langfristiges Commitment

Das 4. Wiener Investmentforum von Institutional Money widmete sich dem Thema Infrastruktur. Franklin Templeton und Columbia Threadneedle liefern zwei unterschiedliche Investmentansätze.

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Das Institutional Money Investmentforum widmete sich in seiner mittlerweile fünften Auflage dem Thema Infrastrukturinvestments. Im exklusiven Rahmen des Wiener Park Hyatt ­wurde ­diskutiert, welche Chancen und Herausforderungen dieses für viele institutionelle Investoren noch unerforschte Terrain birgt.

© Marlene Fröhlich für LuxundLumen

Als institutioneller Anleger können Sie die Frage: ,Wie geht’s?‘ neuerdings mit vier Buchstaben beantworten: V, U, K und A. Das Akronym VUKA kommt aus dem Englischen und steht – übersetzt – für: Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität“, erklärt Moderatorin Erika Karitnig den Zuhörern in ihrem Eröffnungsvortrag. Dass wir in einer solchen VUKA-Welt leben, dürfte wohl auch der Grund für die vorsichtige Herangehensweise vieler Institutioneller an das Thema Infrastrukturinvestments sein. Dass es hier niemals um kurzfristige Anlagen, sondern um längerfristige Commitments geht, die, so Karitnig, sogar über das eigene Karriereende hin­ausgehen können, macht Entscheidungen schwierig. Infrastruktur, die heute errichtet wird, muss auch nach Jahrzehnten noch wie geplant verwendbar sein. Ob das der Fall sein wird, ist in einer Welt des Klimawandels und der Digitalisierung nicht so einfach zu beantworten wie vor 30 Jahren. Investmentexperten von Columbia Threadneedle und Franklin Templeton bemühten sich dennoch auf dem 5. Wiener Investmentforum darum, für Praktiker brauchbare Einschätzungen zu liefern. Und obwohl sie dabei zwei unterschiedliche Ansätze präsentierten, waren sie sich in einem Punkt doch einig: Durch die Finanzierungslücken infolge überstrapazierter Staatshaushalte bieten sich für langfristig orientierte Investoren ­attraktive Chancen.

Disruption muss kein Feind sein

Von der Idee, ein Investment einzugehen und es anschließend zehn bis 15 Jahre ­unverändert laufen zu lassen, sollte man sich nach Ansicht von Heiko Schupp, Global Head of Infrastructure bei Columbia Threadneedle, trotz des langfristigen Anlagehorizonts lösen. Aufgrund des raschen technologischen Fortschritts seien die Erfolgschancen einer solchen Strategie limitiert. Und das gelte für fast alle Sparten des ­Infrastrukturbereichs – von der Energie bis hin zur Telekommunikation. Aus diesem Grund sieht er die derzeit am weitesten verbreitete Herangehensweise vieler Akteure nicht als die beste Lösung. Zwischen 97 bis 98 Prozent der privaten Infrastrukturinvestments erfolgen laut Schupp in ­geschlossene Fonds im Private-Equity-Stil, deren Investitionsperiode bei zirka drei bis vier Jahren liege. Um mit den zu erwartenden Disruptionen besser umgehen zu können, sind nach Ansicht des Columbia-Threadneedle-Managers offene Fondsstrukturen zu favorisieren. Hier könne man sich durch die Zufuhr von neuem Kapital an die Veränderungen innerhalb einer Branche anpassen und diese sogar als Chance zur Effizienzsteigerung nutzen. Die von ihm und seinem Team im Columbia Threadneedle Global Infrastructure Fund umgesetzte Strategie konzentriert sich vor allem auf Europa. Wenn Schupp von Infrastruktur redet, meint er die Bandbreite von Transport über die Versorgung (Gas, Wasser, erneuerbare Energien) bis hin zu sozialen Themen. Auf die Frage, warum er Europa als Zielregion favori­siere, erklärt der Investment Manager: ­„Eine der größten Gefahren beim Thema Infrastruktur ist das politische Risiko. Wenn es kein politisches Risiko gibt, ist es kein ­Infrastrukturinvestment.“ Dass er dabei ­eine gute Hand hat, lässt die Tatsache vermuten, dass Schupp in seiner 25-jährigen Karriere als Infrastrukturinvestor nur einmal eine Abschreibung verbuchen musste.

Auch Raymond Jacobs, Managing Director bei Franklin Real Asset Advisors, zählt mit 20 Jahren Erfahrung im Bereich Infrastruktur bei Franklin Templeton zu den erfahreneren Experten auf diesem Gebiet (siehe Artikel „Rendite mit sozialem Nutzen“). Er verfolgt zwar einen etwas anderen Ansatz als Schupp, ist aber im Bereich Infrastruktur ebenfalls vom ­Nutzen offener Strategien überzeugt. Jacobs betrachtet bei der Auswahl seiner Engagements nicht das gesamte Infrastrukturuniversum, sondern setzt gezielt auf soziale ­Infrastruktur. Bei hochwertiger sozialer ­Infrastruktur herrsche in Europa zum Teil ein Mangel, der interessante Investmentmöglichkeiten eröffne. Vereinfacht gesagt verfolgt er die Strategie, Immobilien aus den Bereichen Gesundheits- und Bildungswesen sowie soziales Wohnen zu akquirieren und diese mit langen Laufzeiten zurückzuleasen. Da es sich hier um bedeutsame Einrichtungen für die Bevölkerung handelt, sind Staaten beim Verkauf dieser Assets eher zurückhaltend. Laut Jacobs besteht die Herausforderung darin, überhaupt an den Verhandlungstisch zu kommen. Gelingt dies, hat der Franklin-Fondsmanager gute Karten, denn er verfolgt bei der Bewirtschaftung der Immobilien auch das Ziel, diese ökologischer auszurichten und effizienter zu nutzen, woraus sich eine Win-win-Situation für Investoren, die Verkäufer der Immobilien und auch für deren Nutzer ergibt.    

Azim El-Morsi


Anhang:

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