Logo von Institutional Money
4/2025 | Theorie & Praxis

Hohe Renditen

Im Jahr 2024 erwirtschafteten Pensionskassen in der Schweiz eine durchschnittliche Rendite von 7,5 Prozent. Die außergewöhnlich gute Performance führte zu einem Anstieg des Deckungsgrads. Das zeigt die diesjährige Pensionskassen-Studie des Beratungsunternehmens Complementa.

Die Pensionskassen in der Schweiz stellen die zweite Säule der Altersvorsorge dar – und sie arbeiten gut. Sie konnten in den vergangenen 20 Jahren (2005–2024) im Schnitt eine Verzinsung von 3,7 Prozent jährlich auf die Altersvorsorgeguthaben gewähren.
Die Pensionskassen in der Schweiz stellen die zweite Säule der Altersvorsorge dar – und sie arbeiten gut. Sie konnten in den vergangenen 20 Jahren (2005–2024) im Schnitt eine Verzinsung von 3,7 Prozent jährlich auf die Altersvorsorgeguthaben gewähren.© texbr | stock.adobe.com

Im Jahr 2024 erwirtschafteten die Pensionskassen in der Schweiz eine durchschnittliche Rendite von 7,5 Prozent, was dem Doppelten der Jahresperformance der letzten 20 Jahre entspricht. 2024 steuerte der Markt – in der Schweiz gern als „dritter Beitragszahler“ bezeichnet – rund 85 Milliarden Franken zur zweiten Säule der Altersvorsorge bei. Das war mehr als die kumulierten Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge in diesem Zeitraum.

Ein Drittel in Aktien
Einer der Performancetreiber war der Anlagemix. Mittlerweile liegt der Aktienanteil bei 32,5 Prozent des Gesamtvermögens, was den höchsten Wert der letzten zwei Jahrzehnte darstellt. Auch wenn die Pensionskassen bereits Gewinne mitgenommen haben, dürfte der Anstieg des Aktienanteils weniger auf Umschichtungen in die Assetklasse als auf die Aktienperformance – insbesondere der ausländischen Aktien – zurückzuführen sein.

Der Anteil der festverzinslichen Papiere lag hingegen mit 31,1 Prozent am Gesamtvermögen auf dem niedrigsten Wert seit Beginn der Datenaufzeichnungen. Offenbar trauten die Manager der Schweizer Pensionseinrichtungen Staaten mit hohen Schuldenquoten nicht über den Weg und schichteten von globalen Staatsanleihen in Schweizer- Franken-Obligationen und globale Unternehmensanleihen um. Auch die hohen Währungsabsicherungskosten – aus Schweizer-Franken-Sicht – dürfte sie zu diesen Umschichtungen bewogen haben.

Die Immobilienquote ging leicht zurück auf 22,5 Prozent, was sich wohl durch Performanceeffekte der anderen Assetklassen erklären lässt. Im Unterschied zu Aktien, wo die Pensionskassenmanager überwiegend in ausländische Werte investieren, sind die in den Portfolios enthaltenen Immobilien zu 85 Prozent im Inland gelegen.

Das St. Galler Beratungsunternehmen Complementa führt die repräsentative Pensionskassen-Studie „Risiko Check-up“ für Schweizer Pensionskassen seit 31 Jahren durch. In diesem Jahr wurden dafür 460 Pensionskassen befragt, die zusammen ein Kapital von rund 940 Milliarden Schweizer Franken (zirka 1.017 Milliarden Euro) verwalten, was etwa 80 Prozent des Gesamtmarktes entspricht.

Infrastrukturanlagen besonders beliebt
Wie bei den meisten institutionellen Investoren in Europa ist auch bei den Schweizer Pensionskassen der Anteil an alternativen Anlagen gestiegen. „In den letzten zehn Jahren hat sich der Alternatives-Anteil am Gesamtvermögen von 6,9 auf 10,1 Prozent gesteigert, also um rund 50 Prozent erhöht. Der Anstieg war insbesondere ab 2015 spürbar, was wir als Reaktion auf die damalige Tief- beziehungsweise Negativzinsphase werten“, erklärt Oliver Gmünder, einer der Co-Studienleiter der Pensionskassen-Studie bei Complementa. Mittlerweile verändert sich der Alternatives-Anteil aber nicht mehr stark. Nicht alle Pensionskassen investieren in Alternatives – nur etwa vier von fünf sind hier engagiert.

Aber immerhin investieren 13 Prozent der Kassen mehr als 15 Prozent ihres Gesamtvermögens in Alternatives. Private Equity als vormals größte alternative Anlageklasse wurde mittlerweile von Infrastrukturanlagen abgelöst. „Aktuell liegt der Infrastrukturanteil zwar erst bei 2,8 Prozent, aber wir erwarten, dass er weiter zunehmen wird“, sagt Gmünder.

Turbulentes Jahr 2025
Was die Märkte betrifft, fanden die Pensionskassen im laufenden Jahr 2025 bisher ein gemischtes Szenario vor. „Auf einen positiven Jahresstart folgte ab März 2025 ein schwieriges Marktumfeld. Die US-Zölle brachten und bringen diverse Herausforderungen für Pensionskassen mit sich“, beobachtet Gmünder. Zudem war im ersten Halbjahr 2025 eine deutliche Abwertung des US-Dollars gegenüber anderen Währungen zu verzeichnen. „Obwohl die Pensionskassen hohe Investitionssummen in US-Dollar-Anlagen ausweisen, waren durch die Währungsabsicherung nur rund 11,0 Prozent des Kapitals von diesem Währungsverlust betroffen“, stellt Gmünder fest.

Weitere Herausforderungen sorgten für ein turbulentes Jahr 2025: US-Zollankündigungen, schwierige geopolitische Entwicklungen, regionale Kriege, Zunahme der Staatsverschuldung in vielen Ländern etc. „Trotz dieses nicht ganz einfachen Marktumfelds befinden sich die Pensionskassen nach wie vor in guter Verfassung“, resümiert Gmünder. Von Januar bis Ende September 2025 erwirtschafteten sie eine durchschnittliche Rendite von 3,8 Prozent, wodurch der Deckungsgrad auf 114,5 Prozent anstieg.

Kosten fallen
Vom Trend sinkender Asset-Management-Kosten profitieren auch die Schweizer Pensionskassen. So sanken die durchschnittlichen Vermögensverwaltungskosten leicht auf gegenwärtig 0,41 Prozent. „Das ist insofern bemerkenswert, als der Anteil alternativer Anlagen steigt und die Immobilienquoten weiterhin relativ hoch sind. Diese Assetklassen haben im Regelfall höhere Kosten als der liquide Sektor; und trotzdem sind die Asset-Management-Kosten leicht gefallen“, merkt Gmünder an.

Stärke des Kapitaldeckungsverfahrens
Die gute Performance des Jahres 2024 ermöglichte es Kassen, die Altersguthaben der Arbeitnehmer mit durchschnittlich 3,9 Prozent zu verzinsen – der bisher höchste Wert der letzten 20 Jahre. Aufgrund der guten Ausgangslage konnten 98 Prozent der Pensionskassen eine Verzinsung über dem BVG-Minimum gewähren – ebenfalls ein Höchstwert. Das BVG-Minimum ist der Zinssatz, zu dem das Vorsorgeguthaben der Versicherten im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge mindestens zu verzinsen ist. Er wird jährlich an die aktuelle Zinssituation angepasst und beträgt aktuell 1,25 Prozent. Beachtlich ist dies vor dem Hintergrund, dass die Verzinsung der zehnjährigen Schweizer Bundes­obligationen Ende August 2024 bei nur 0,44 Prozent lag. Die Pensionskassen sind also gehalten, auch in andere – höher rentier­liche – Anlagen zu investieren.

Mehr als 20 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen gewährten 2024 sogar eine Verzinsung von sechs Prozent oder mehr. „Die Ergebnisse unterstreichen eindrücklich die Stärke des Kapitaldeckungsverfahrens in der Schweiz: Über die Verzinsung profitieren die Versicherten von den Ren­diten an den Kapitalmärkten, was wiederum die ­Leistungen und letztlich die Höhe der Renten deutlich verbessert“, sagt Gmünder.

Deckungsgrad steigt auf 111,8 Prozent
Durch die guten Anlageergebnisse erhöhte sich auch der Deckungsgrad der Einrichtungen. So stieg der kapitalgewichtete Deckungsgrad von Ende 2023 bis Ende 2024 von 107,6 auf 111,8 Prozent. Ende 2024 befanden sich nur noch 2,9 Prozent der Pensionskassen in Unterdeckung. „Hierbei handelt es sich ausschließlich um öffentlich-rechtliche Vorsorgeeinrichtungen im System der Teilkapitalisierung“, erklärt Ueli Sutter, ebenfalls Co-Studienleiter der Pensionskassen-Studie bei Complementa.

Technischer Zinssatz: Erneuter Anstieg
„Der durchschnittliche technische Zinssatz, der das Zinsversprechen der Menschen, die bereits Rente beziehen, ausdrückt, ist das dritte Jahr in Folge leicht angestiegen“, so Sutter. 2021 betrug dieser 1,61 Prozent. Aktuell liegt er bei 1,80 Prozent. „Entsprechend können die Vorsorgekapitalien der Rentnerinnen und Rentner sowie die vom technischen Zinssatz abhängigen technischen Rückstellungen tiefer bewertet werden, was sich positiv auf den Deckungsgrad auswirkt“, erklärt Sutter.

Der technische Zinssatz wird vom obersten Organ der Pensionskasse festgelegt und ist im BVG geregelt.

Bandbreitenkonzept
„Unsere Umfrage und die Praxiserfahrung zeigen, dass sich Schweizer Pensionskassen laufend mit den eingegangenen Anlagerisiken beschäftigen. Als wichtige Risiko­managementmaßnahme hat sich neben der Diversifikation über verschiedene Assetklassen die Vorgabe von Bandbreiten bewährt“, sagt Andreas Rothacher, ein weiterer Co-Studienleiter der Pensionskassen-Studie bei Complementa. Das Bandbreitenkonzept sieht zulässige Abweichungen gegenüber der Anlagestrategie und das Absichern von Fremdwährungsrisiken vor und wird von fast allen Pensionskassen angewendet. Dabei werden jeweils Ober- und Untergrenzen bestimmt, bis zu denen in einzelne Anlageklassen investiert werden soll. „Diese Grenzen helfen bei der Risikosteuerung des Portfolios in positiven wie auch in negativen Märkten“, sagt Rothacher.

Für einen kleinen Markt wie die Schweiz sind Fremdwäh­rungsrisiken ein Thema. „Daher sichern 84 Prozent der ­Pensionskassen ihr Fremdwährungsrisiko oder zumindest einen Teil davon ab“, beobachtet Rothacher, „das Absichern von Fremdwährungsrisiken trägt dazu bei, die Gesamtrisiken im Portfolio unter Kontrolle zu halten. Die Pensionskassen verfolgen hier einen pragmatischen Ansatz, bei dem die Risikoreduktion durch die Währungsabsicherung den Absicherungskosten gegenübergestellt wird.“

Insgesamt gilt das Schweizer System der Altersvorsorge als gut. Das Versorgungsniveau der Rente aus der 1. und 2. Säule zusammen liegt mit etwa 60 Prozent des letzten Einkommens im OECD-Vergleich relativ hoch. Die Momentaufnahme ist jedoch stark von den zuletzt außergewöhnlich guten Aktienbörsen geprägt: Bei einer Aktienquote von 32,5 Prozent – dem höchsten Wert seit 20 Jahren – muss man annehmen, dass das System anfälliger für Marktturbu­lenzen ist. Was 2024 als „dritter Beitragszahler“ gefeiert wurde, könnte in einer Korrektur schnell zum Belastungsfaktor werden. Die nächste Nervenprobe für das Kapital­deckungsverfahren steht noch bevor.

Anke Dembowski

Dieses Seite teilen